Netbook-Ersatz mit Chrome OS: Taugen Chromebooks für Profis? Detail - Computerwelt

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14.08.2011 Hans-Christian Dirscherl*

Netbook-Ersatz mit Chrome OS: Taugen Chromebooks für Profis?

Für wen eignet sich ein Chromebook mit Chrome OS? Betrachtet man die Vor- und Nachteile eines Chromebooks, so bleiben nur einige wenige Zielgruppen übrig.

Otto-Normalanwender dürfte mit dem Chromebook nur begrenzt glücklich werden. Denn ohne Internet geht nichts. Am Urlaubsort im idyllischen Nationalpark Bayerischer Wald den Brief fertigschreiben, den man vor dem Aufbruch in den Urlaub angefangen hat? Geht nicht, weil man kein Microsoft Office auf dem PC hat. Und Google Docs kann man nicht nutzen, weil man gerade zwischen Wolf, Luchs und Fuchs in einem Funkloch sitzt.

Sie haben am Urlaubsort weder ein Mobilfunknetz noch ein WLAN zur Verfügung, sondern nur ein klassisches LAN? Dann wird es kniffelig – ein LAN-Kabel können Sie nur nutzen, wenn Sie sich zuvor den optional erhältlichen USB-Adapter dafür besorgt haben. Andernfalls bleiben Sie eben offline.

Sie wollen mal schnell einige Kino-Filme anschauen, die auf der Platte liegen? Geht nicht – die Speicherkapazität des nur mit einer kleinen 16-GB-SSD bestückten Chromebooks ist für eine Filmsammlung viel zu klein, allenfalls ein einziger Blockbuster passt auf die SSD.

Die Fotos, die man den ganzen Urlaubstag über mit der Digitalkamera geschossen hat, auf das Chromebook überspielen, in Ruhe durchschauen und aus dem schönsten mit Bildbearbeitung und einem Präsentationsprogramm eine nette Einladungskarte basteln?

Geht nicht: Erstens ist auf dem Chromebook nicht ausreichend Speicher für eine riesige Fotosammlung vorhanden und zweitens hat man vielleicht schon wieder keine ausreichend gute Internetanbindung um die Unmengen von Fotos in die Cloud zu transportieren. Damit fehlen aber auch die Cloud-basierte Bildbearbeitung und das Cloud-basierte Präsentationsprogramm.

Die Kinder wollen ihre Lieblingsspiele-DVD einlegen und los daddeln? Geht nicht, dem Chromebook fehlt ein CD-/DVD-Laufwerk.

CHROMEBOOKS: KEIN VPN MÖGLICH Und selbst wenn Sie das Internet nutzen können, sei es über WLAN oder über eine Mobilfunk-Verbindung, lässt es sich durch eine ellenlange Bildergalerie doch schneller blättern, wenn die Bilder lokal auf der Festplatte liegen und nicht online auf dem Server von Flickr oder bei einem anderen Online-Bilderdienst.

Falls Sie mit dem Chromebook einen offenen Hotspot nutzen wollen, können Sie derzeit keinen VPN-Tunnel benutzen, um vertrauliche Daten geschützt vor fremden Blicken weitergeben zu können. Allerdings arbeitet Google nach eigenen Angaben bereits daran VPN-Funktionalität auf Chromebooks zu ermöglichen.

Sie sehen also: Viele typische Anwendungszwecke, die man mit einem Netbook verbindet, stehen beim Chromebook einfach nicht zur Verfügung. Hält man sich dann vor Augen, dass ein Chromebook genauso viel kostet wie ein Netbook, dann fragt man sich als Endanwender schon zwei Mal, ob sich der Kauf eines „Netbooks ohne Festplatte mit zwingend erforderlicher Internetanbindung, ausschließlich Cloud-basierter Software und einem Browser namens Chrome als Betriebssystemersatz“ wirklich lohnt.

DIE VORTEILE EINES CHROMEBOOKS Gehen wir diese Fragestellung also einmal von der anderen Seite aus an. Wer profitiert denn von einem Chromebook? Dazu müssen wir uns vor Augen halten, was eigentlich die Vorteile und Stärken von Chrome OS sind.

Sofort startbereit: Nur zirka acht Sekunden nach dem Einschalten war das Chromebook in unserem Test startklar. Das ist wenig überraschend, schließlich werden ja nur ein minimalistisches Betriebssystem (das auf Linux basiert) und keine separaten Anwendungen gestartet. Der Akku eines Chromebooks soll unter optimalen Bedingungen bis zu einem Tag durchhalten – damit empfiehlt sich das Chromebook als idealer Begleiter für Messen und für den Außendienst; es könnte unter diesem Gesichtspunkt ein idealer Netbookersatz für den Unternehmenseinsatz sein.

Rundum sicher: Chrome OS basiert auf Linux. Das ist schon ein wichtiger Baustein in Sachen Sicherheit. Viel wichtiger aber: Der Anwender muss sich nie mehr um Updates und Sicherheits-Patches kümmern. Das erledigt in Zukunft alles Google für ihn. Immer wenn man das Chromebook startet, lädt es die aktuellste Version des OS. Und weil man keine Anwendungen auf dem Chromebook installieren kann, kann man auch keine Malware einschleppen.

Das Chromebook eignet sich also bestens für Online-Einkäufe, Online-Banking, Online-Aktienkäufe. Also für alles, was mit der Eingabe vertraulicher Daten wie PINs, TANs und Kreditkartendaten verbunden ist. Benutzer, die Online-Banking machen, müssen keine Angst davor haben, dass ihnen ein Trojaner/Backdoor den Zugang zu ihrer Bank manipuliert und TAN-Nummern abfängt. Sofern Sie nicht auf einen Phishing-Link in einer Hackermail klicken, sondern die URL ihrer Online-Bank von Hand eingeben beziehungsweise in Chrome als Lesezeichen hinterlegt haben.

Ebenso empfiehlt sich das Chromebook als Malware-sichere Surfstation zu Hause. Damit konkurriert es direkt mit den boomenden Tablets. Besitzt im Unterschied zu iPad und Co aber eine vollwertige Tastatur. Dafür ist es allerdings schwerer als ein Tablet und zwangsläufig unhandlicher.

CHROMEBOOK GOES BUSINESS Ein geradezu klassischer Einsatzzweck dürfte das Chromebook als Thin Client in Unternehmen sein. Sprich: Der Mitarbeiter verbindet sich über das Chromebook an einem beliebigen Arbeitsplatz, ja sogar von einem Standort außerhalb des Unternehmensgebäudes mit dem zentralen Unternehmensserver. Er benutzt dann ausschließlich die Software, die ihm das Unternehmen vom Server aus auf seinem Chromebook zur Verfügung stellt. Als Apps im Browser Chrome. Diese Apps kann man sich aus dem Chrome Web Store herunterladen.

Die IT-Abteilung kann über ein Web-Frontend (die so genannte Web-based Management Console) alle Chromebooks samt den Benutzerzugängen zentral konfigurieren und verwalten. Die IT-Abteilung kann Chrome-Apps erstellen, die genau auf die Bedürfnisse des Unternehmens zugeschnitten sind. Die Administratoren können leicht einheitliche Policys und Gruppenrichtlinien für alle Mitarbeiter durchsetzen, eigene Unternehmens-Apps stehen problemlos sofort allen berechtigten Mitarbeitern zur Verfügung. Und der stete Kampf gegen Malware auf den Desktop-PCs erübrigt sich ebenfalls. Das spart nicht nur Supportkosten, sondern reduziert auch die Ausfallzeiten. Die Inbetriebnahme eines neuen Chromebooks und der Umzug von einem älteren Gerät auf ein neues Chromebook gehen schnell und problemlos über die Bühne.

Einen klassischen VPN-Client kann der Außendienst-Mitarbeiter oder der Home Office-Worker natürlich nicht auf dem Chromebook installieren. Aber das Unternehmen kann ihm ja alle erforderlichen Anwendungen via Cloud Computing zur Verfügung stellen, so dass ein VPN-Zugang nicht mehr nötig wird. Dateiverzeichnisse könnten im Browser via FTP durchforstet werden. Google arbeitet aber wie erwähnt bereits daran, VPN-Support zu implementieren.

Geht ein Chromebook verloren oder wird es gar gestohlen, so hält sich der Schaden für das Unternehmen in Grenzen. Denn auf dem Chromebook liegen ja (fast) keine Unternehmensunterlagen. Lediglich Zugangsdaten für Cloud-Dienste sind vielleicht im Browser hinterlegt.

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