Playbook: Lifestyle-Gadget mit Business-Anspruch Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


23.02.2011 idg/Alex Wolschann

Playbook: Lifestyle-Gadget mit Business-Anspruch

Mit dem Playbook hat RIM ein Tablet auf den Markt gebracht, das vor allem die Business-Klientel überzeugen soll. Ein Test.

Im Rennen um Marktanteile im jungen Tablet-Markt ist Research in Motion etwas unter Druck, da das Playbook erst im Frühsommer auf den Markt kommen soll. Research in Motion bewirbt es für Business- und Privatkunden und setzt auf ein eigens zugekauftes Betriebssystem, nicht auf Android von Google. Rein äußerlich muss sich das Blackberry Playbook nicht verstecken. Das Tablet ist gut ver­arbeitet und macht einen hochwertigen Eindruck. Mit Abmessungen von 130 mal 194 mal zehn Millimetern ist es nicht nur deutlich kompakter als das Apple-Tablet, sondern bringt mit einem Gewicht von 425 Gramm auch weniger auf die Waage. Grund dafür ist sicher das nur sieben Zoll große Display, das allerdings mit 1024 mal 600 Pixeln auflöst. das iPad ist mit einer Bildschirmdiagonalen von 9,7 Zoll ein ­gutes Stück größer. Vom kleineren Display abgesehen, kann das Playbook dem iPad in punkto Funktionalität in vielfacher Hinsicht das Wasser reichen: Es unterstützt Multitouch, Gestensteuerung und ist ein Meister in Sachen Multitasking. Der ­verbaute Dual-Core-Prozessor mit Ein-Gigahertz-CPU und einem GB RAM hat selbst mit bis zu zehn gleichzeitig laufenden ­Anwendungen keine spürbaren ­Probleme.

HD-WIEDERGABE Dank integriertem HDMI-Port ist aber auch die Wiedergabe von HD-Videos (1080p) auf einem angeschlossenen Fernseher kein Problem. An diesem Punkt muss das Apple-Gerät ­mangels Schnittstellen passen. Einen ­MicroSD-Slot besitzt der Flachmann indes nicht, der Anwender muss sich mit den angebotenen 16, 32 oder 64 GB Speicher begnügen. Weitere Trümpfe sind die beiden Kameras: Die rückwärtige ist mit fünf, die Frontkamera mit drei Megapixel ­ausgestattet. Damit eignet sich das Gerät für Videotelefonate in HD-Qualität. Für ausreichende Energiezufuhr sorgt ein 5300-mAh-Akku. Bei mittlerer bis starker Beanspruchung sollte das Playbook damit einen ganzen Arbeitstag überstehen. ­Genaue Angaben machte RIM hierzu ­allerdings nicht. Ein großer Schritt nach vorne gelingt RIM mit dem zugekauften Betriebssystem QNX, das schnell reagiert und mit Features wie Gestensteuerung überrascht. Beispielsweise öffnet eine senkrechte Bewegung das Menü mit allen Anwendungen. Außerdem haben Entwickler die Möglichkeit, bestimmte Gesten zur Steuerung des Playbooks über den ­äußeren Rahmen festzulegen, um – etwa anlässlich einer Präsentation beim Kunden – bestimmte Funktionen oder auch Preislisten aufzurufen.

Schlechter sieht es dagegen in Sachen ­Konnektivität aus: Zur Markteinführung bieten die Kanadier lediglich ein WLAN-Modell an. Der mobile Datenzugriff von überall ist aber dennoch möglich, da Tablet-Nutzer über ihr bei Bedarf schnurlos verbundenes Blackberry-Smartphone eine Netzverbindung herstellen können. ­Immerhin können sich Unternehmenskunden damit trösten, dass so keine ­zusätzlichen Mobilfunkverträge benötigt werden. Der Verzicht auf 3G-Unter­stützung ist aber nur vorübergehend nötig: Ähnlich wie Apple bei der Einführung des iPad will auch RIM schon bald eine UMTS-fähige Version herausbringen.

Das Playbook bietet in Kombination mit einem Blackberry zusätzliche Funktionen, die Mobile Worker produktiver machen sollen. So lässt sich die Mobilfunkver­bindung des Smartphones verwenden, um E-Mail, Kalender, Kontakte und Aufgaben sowie den Blackberry Messenger zu ­nutzen. Die Geräte gehen dabei über die Blackberry Bridge via Bluetooth eine mit AES256 verschlüsselte Quasi-VPN-Verbindung ein, ähnlich wie beim Blackberry Smartcard Reader. Anschließend können Nutzer etwa eine auf dem Blackberry ­empfangene E-Mail auf dem größeren Display bearbeiten und zurückschicken. Das Playbook fungiert dabei aber nicht nur als Bildschirm wie beim gescheiterten Palm Foleo, sondern ist vollwertig einsetzbar und nutzt nur den Datenzugang des Smartphones. Die erste Version ist nicht direkt mit dem Blackberry Enterprise ­Server verbunden. Das hat den Vorteil, dass Blackberry-Administratoren keine zusätzlichen Geräte verwalten müssen. Es genügen allgemeine Einstellungen auf dem gepaarten Blackberry. So ist beispielsweise einstellbar, dass Daten sofort aus dem Cache des Tablets verschwinden, wenn die Bluetooth-Verbindung mit dem Black­berry-Smartphone unterbrochen wird. Neben der Bearbeitung von PIM-Daten lassen sich auch Word-, Excel- und Powerpoint-Dokumente auf dem Playbook einsehen. Denkbar ist auch Remote-Desktop-Benutzung und Zugriff auf BI- oder ERP-Systeme. Damit solche Programme direkt auf dem Playbook laufen, müssen sie entsprechend angepasst werden. Dies soll laut RIM aber dank Unterstützung von Adobe Air, Flash und HTML5 keine schwere Übung sein. Die Kanadier haben bereits eine Betaversion des Blackberry Webworks SDK für das Tablet-Betriebssystem ver­öffentlicht. Es gibt Entwicklern Zugriff auf Kernfunktionen der Tablets und Smartphones, beispielsweise native Dialoge, Applikationsaufrufe und Systeminformationen, und soll die App-Erstellung für beide Plattformen mit Hilfe von Web-Technik wie HTML, CSS und Javascript entsprechend einfach machen. Dennoch wird sich RIM schwertun, in absehbarer Zeit ­ähnliche Mengen an verfügbaren Drittanwendungen wie Apples iPad vorzuweisen.

PROBLEME BEI APPS Für Probleme beim Erstellen von Enterprise-Applikationen könnte indes der Umstand sorgen, dass das RIM-Tablet, wenn es nicht via WLAN auf ein Corporate-VPN zugreift, keinen sicheren Rückkanal zum BES ­Mobile Data Service bietet. Dabei handelt es sich um eine Komponente des Black­berry Enterprise Server, über die Administratoren Anwendungen hinzufügen, ­verwalten oder absichern können. Fairerweise muss man RIM konzedieren, dass das Unternehmen die Sicherheit der Daten in den Vordergrund gestellt hat, wenn auch zu Lasten der Einsatzfähigkeit. Insgesamt hat RIM mit der engen Verknüpfung von Tablet und Smartphone möglicherweise zu hoch gepokert. Zwar lässt sich das Playbook auch als Stand-alone-Gerät­ ­nutzen, RIM weist aber ausdrücklich ­darauf hin, dass Anwender die Vorteile des Tablets erst zusammen mit einem Blackberry voll ausschöpfen können. Zumindest im Consumer-Bereich dürften die Chancen, Apple und Google mit dem aktuellen Portfolio Kunden abspenstig zu machen, gering sein. Besser sind die Karten im Business-Umfeld, wo es bereits eine hohe Blackberry-Dichte gibt.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • ectacom GmbH

    ectacom GmbH Aus- und Weiterbildung, IT-Asset- und Lizenzmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, Datenschutz, Antiviren- und Virenscanner Software, Backup und Recovery Systeme, Firewalls,... mehr
  • SNP AUSTRIA GmbH

    SNP AUSTRIA GmbH Qualitätssicherung, Kaufmännische Software (ERP), Tools, Programmiersprachen, Datenkonvertierung, Übernahme von Softwareprojekten, Systempflege- und Wartung,... mehr
  • Dimension Data Austria GmbH

    Dimension Data Austria GmbH Call Center, IKT-Consulting, Migrations-Management, Outsourcing, Systemintegration und Systemmanagement, Systempflege- und Wartung mehr
  • Snap Consulting - Systemnahe Anwendungsprogrammierung u Beratung GmbH

    Snap Consulting - Systemnahe Anwendungsprogrammierung u Beratung GmbH Wasser- und Energieversorgung, Öffentliche Verwaltung, Medizin und Gesundheitswesen, Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Logistik, Konsumgüterindustrie,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: