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15.01.2010 Alex Wolschann/apa

E-Book-Reader "txtr" hat Startschwierigkeiten

Ein junges deutsches Start-up nähert sich dem Markt von der anderen Seite: "txtr" will sowohl ein eigenes Lesegerät herausbringen als auch über eine Community-geprägte Plattform E-Books verkaufen.

Im Jahr 2009 hat zweifellos eine neue Ära für E-Books begonnen: Der muskulöse Auftritt von Amazon im Geschäft mit elektronischen Büchern könnte den bisherigen Nischenmarkt auf den Weg zum endgültigen Durchbruch gebracht haben. Ein junges deutsches Start-up nähert sich dem Markt von der anderen Seite: "txtr" will sowohl ein eigenes Lesegerät herausbringen als auch über eine Community-geprägte Plattform E-Books verkaufen. Doch durch Herstellungsprobleme hat sich der Release des "txtr"-Readers bereits mehrfach verzögert. "Wir stehen seit vier Monaten kurz davor, es gibt immer andere kleine Probleme", bestätigt Ulrik Deichsel, Head of Business Development bei "txtr", im APA-Gespräch.

Der "txtr"-Reader wird in China hergestellt und hätte schon zum Weihnachtsgeschäft 2009 verkauft werden sollen. Doch erst kürzlich musste "txtr" auf seinem Blog bekanntgeben, dass es bei der Serienproduktion des Readers "Schwierigkeiten" gibt. "Wir sind ein kleines, junges Start-up und wir haben mögliche Chaosszenarios einfach unterschätzt", heißt es da. Dass das Projekt aber "tot" sei, wie ein Benutzer dazu im Forum mutmaßt, weist Deichsel zurück: "Wir sind nach wie vor dahinter, wir lassen es nicht fallen", so Deichsel. Wann die Reader jedoch versendet werden können, wollte er derzeit nicht festlegen: "Wir geben keine Deadlines heraus." Man habe "nichts vertuscht. Als Start-up haben wir nicht die Erfahrung, um ein neues Consumer Electronics Produkt komplett reibungslos aus dem Boden zu stampfen."

Dennoch legt sich das Start-up direkt mit einem zumindest finanziell übermächtigen Konkurrenten an: Beim "txtr"-Reader wird für den Download von E-Books auf das Gerät ein Handy-Netz zur Datenübertragung verwendet - so wie bei Amazons Kindle, der demnach für Deichsel auch als "direkte Konkurrenz" gesehen wird. Doch im Gesamt-Konzept will "txtr" andere Wege gehen: "Amazon baut sein eigenes digitales Geschäft auf", so Deichsel: E-Books für den Kindle können nur von Amazon gekauft werden. "txtr" will hingegen ein "Enabling-Unternehmen für andere große Partner" sein, so Deichsel: Mobilfunk-Unternehmen oder Buchhändler können "txtr"-Reader unter der eigenen Marke verkaufen, ebenso will das deutsche Start-up den E-Book-Vertrieb für große Partner ermöglichen.

ANGEBOT MIT HEIMISCHER SIM-KARTE Daher seien die Geburtswehen des Readers keine große Gefahr für das Geschäftsmodell von "txtr". Es sei zwar "klar, dass wir nicht die Wachstumsrate eines Kindles erreichen werden". Dennoch stelle man sich "eher die Frage, wie wir den Bedarf von interessierten Großkunden stillen können, als dass wir Angst haben, unsere Produkte nicht los zu werden". Dadurch, dass "txtr" das Lesegerät selbst entwickelt hat, können wir "relativ einfach auf Kundenwünsche eingehen". Dazu sollen bald auch österreichische Kunden gehören.

Zwar gebe es Schwierigkeiten bei grenzüberschreitenden Mobilfunk-Deals, und auch viele E-Books sind aufgrund von Rechteproblemen über die "txtr"-Plattform derzeit nur in Deutschland zu kaufen und nicht in Österreich. Aber es "gibt starke Bemühungen, dem beizukommen, wir planen ein österreichisches Angebot mit österreichischer SIM-Karte".

Dass auf der Messe für Unterhaltungselektronik (CES) in Las Vegas schon wieder der Abgesang auf E-Book-Reader wie den Kindle zu hören ist, deren Funktionsumfang und "E-Ink" genannte Bildschirm-Technik als zu beschränkt gesehen wird, und die Zukunft dort eher in multifunktionellen Geräten gesehen wird, ficht Deichsel nicht an: "In jedem Markt gibt es immer eine Nische für dedizierte Produkte", und in dieser Nische seien "E-Ink-Geräte momentan die beste Lösung." Das reine E-Book-Lesegerät "wird auf keinen Fall aussterben. Wir sind mitten in einer großen Welle, durch die das Lesen digital wird."

Die Begleitmusik an Skepsis von Verlagen, Autoren und manchen Lesern, die die Digitalisierung des Lesens begleitet, werde geringer, so Deichsel. "Kindle-Kunden sind sehr zufrieden", sagt er. Skepsis hören wir inzwischen hauptsächlich leider von den Verlagen, die Angst haben, dass sich das Geschäftsmodell stark wandelt. Was vermutlich stimmt." Dass die Verlage, wie früher auch die Musikindustrie, auf Kopierschutz-Maßnahmen (DRM) setzen, bedauert Deichsel: "Wir sind kein Freund von DRM. Es wäre für alle außer den Verlagen einfacher, wenn es kein DRM gebe. Vor allem auch nicht in der Umständlichkeit, wie das heute ist." Deichsel betont jedoch: Schon längst stelle sich nicht mehr die Frage, ob sich E-Books durchsetzen, und "auch nicht mehr, wann. Denn das passiert jetzt."

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