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Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


10.02.2010 Alex Wolschann

Jeder gegen jeden und alle gegen den Konsument

Langsam aber sicher nimmt das Geschäft mit E-Books Fahrt auf. Immer mehr Hersteller springen auf den Zug auf. Format- und Lizenzstreitigkeiten sorgen jedoch schon für Verstimmung. Auch für deutschsprachige Kunden heißt es derzeit noch: Bitte warten!

Das Interesse an den elektronischen Büchern wird immer größer, vor allem in den USA: Amazon hat im Weihnachtsquartal nicht zuletzt dank des Erfolgs seines E-Book-Readers Kindle einen Gewinnsprung um 71 Prozent auf 384 Millionen Dollar verbucht. Auch für das aktuelle Quartal rechnet Amazon mit guten Zahlen. Genaue Zahlen über Kindle-Verkäufe bleibt Amazon aber schuldig und verriet lediglich, dass für zehn physische Bücher sechs Kindles verkauft werden. Amazon bietet seinen E-Reader mittlerweile in über 100 Staaten weltweit an. Der Kindle gilt als so genanntes E-Ink-Produkt und ist auf die Darstellung von Büchern beschränkt. Das gilt auch für die meisten anderen Angebote wie Sonys E-Reader. Umso aufgeschreckter reagierte der Markt daher auf die iPad-Ankündigung von Apple. Das Gerät ist zwar etwas teurer als handelsübliche E-Reader, kann aber deutlich mehr.

Darüberhinaus konkurriert Apples iBookStore direkt mit dem Angebot von Amazon. Dort konnte man sich bislang den Preis für die digitalen Werke praktisch aussuchen. Für die meisten E-Books liegt er bei 9,99 Dollar. Amazon argumentiert, dass ein digitales Werk, weil es weder gedruckt noch gelagert oder verschickt werden muss, billiger kommt und deshalb ein Teil der Ersparnis auch an die Käufer weitergegeben werden sollte. Dieser Philosophie kann sich die Buchbranche nicht ganz anschließen, ganz verzichten wollte man aber auf die zusätzliche Einnahmequelle auch nicht.

APPLE UMGARNT VERLAGE Apple hingegen will den Verlegern freie Hand lassen, zu welchem Preis sie ihre digitalen Werke anbieten. Doch die zum Teil stark gebeutelten Verlage bekommen ein weiteres Zuckerl: Bis dato kassiert Amazon pro E-Book 70 Prozent, Apple will den Verlagen 70 Prozent anbieten. Ob bei diesem Preismodell ein Gewinn überbleibt ist Steve Jobs ziemlich egal, Hauptsache die Verkaufszahlen des iPad entwickeln sich dementsprechend. Das hat auch schon bei der Musikplattform iTunes prima funktioniert, die zwar nicht gewinnbringend wirtschaftet, aber immerhin die iPod-Absatzzahlen in die Höhe geschraubt hat.

Ob der neuen Konkurrenz am Mark treten auch die Verlage Amazon gegenüber wieder etwas frecher auf: Das Verlagshaus Macmillan, eine Tochter der deutschen Holtzbrinck-Gruppe, machte schon am Tag nach der iPad-Präsentation vergangene Woche deutlich, dass es sich von Amazon deutlich mehr Anteile am E-Book-Kuchen erwarte. Amazon glaubte jedoch, am längeren Ast zu sitzen und entfernte umgehend sämtliche Verlagstitel aus seinem E-Book- und Print-Sortiment. Doch schon kurz darauf folgte die Einsicht: Künftig werden Macmillan-Titel 12,99 bis 14,99 Dollar kosten, also bis zu fünf Dollar mehr als zuvor. Amazon hat Apples Herausforderung also durchaus ernst genommen. Auch der Internetkonzern Google will heuer noch mit seinem eigenen E-Book-Store, Google Editions, mitmischen. Google will den Verlegern ebenfalls ihre eigene Preisgestaltung ermöglichen, behält sich jedoch vor, auf eigene Kosten die Preise zu stützen. Der Touchscreen-PC könnte auf Googles neuem Betriebssystem Chrome OS basieren. Auch Samsung hat bereits ein Gerät angekündigt.

TECHNISCHE HINDERNISSE Trotz aller Ankündigungen und der aufkommenden Dynamik am Markt, profitieren etwa Konsumenten in Österreich noch nicht. Amazon hat fast ausschließlich englischsprachige Titel im Sortiment. Bisher gibt es nicht einmal unterschiedliche Netzstecker, heimische Kunden brauchen einen Adapter vom amerikanischen System. Ärger droht den Kunden aber auch durch die verschiedenen technischen Formate, wie sie in der IT schon traurige Tradition haben. Deutschsprachige Verlage haben sich auf das EPUB-Format geeinigt, dass auch Apple verwenden wird. Dieses Format erlaubt aber auch die Verwendung eines Kopierschutzes, etwa in Form einer DRM-Verschlüsselung. Auch wenn das iPad für iBooks ein eigenes DRM-System mitbringen wird, wäre es ab Werk derzeit offener und flexibler als Amazons E-Reader Kindle, der den EPUB-Standard für E-Books erst gar nicht unterstützt. Das führt dazu, dass E-Books, die auf Amazon für Kindle erworben wurden, nicht auf Sonys E-Reader oder Apples iPad verwendet werden können, natürlich auch vice versa. Alle namhaften E-Book-Reader sind so genannte geschlossene Systeme und schotten sich voneinander ab. Experten gehen davon aus, dass die Spaltung in mehrere Lager noch einige Jahre anhalten wird. Für Konsumenten gilt, sich vor dem Einstieg in ein bestimmtes System darüber zu informieren, ob die bevorzugten Autoren und Verlage auch im gewünschten Angebot präsent sind und ob sich das gewählte Lesegerät mit der Software anderer wichtiger Anbieter aufrüsten lässt. Das ist für technisch wenig versierte Literaturfreunde wohl alles andere als eine leichte Aufgabe.

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