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22.09.2010 Patrick Miller*

Alles nur gelogen: Die 14 größten Technik-Mythen aufgedeckt

Windows 7 langsamer als Vista? Teure Kabel sind besser? Defragmentieren beschleunigt Ihren PC? Wir räumen auf mit den 14 größten Mythen und Legenden der Technik.

Wahrheit oder Lüge? Was ist echte Information und was schlicht und ergreifend erfunden? Bei all den Lügen, Halbwahrheiten und falschen Informationen im Internet ist es teilweise wirklich nicht einfach, Wahrheit von Flunkerei zu unterscheiden. Wir haben uns daran gemacht, 14 der berüchtigsten Vorurteile und angeblichen Binsenweisheiten aus dem Netz zu filtern um herauszufinden: Wahrheit oder nur üble Nachrede?

WINDOWS VISTA IST LANGSAMER ALS WINDOWS 7 Als Windows Vista veröffentlicht wurde, erlangte es binnen kürzester Zeit den Ruf, langsam zu arbeiten und massiv an den Ressourcen des PCs zu zehren. Als dann später Windows 7 herauskam, stieg es hingegen bald zum schnellen, schlanken Betriebssystem auf, das Vista hätte sein sollen. Berechtigt?

Wir haben eine Reihe von Leistungstests bei Laptops und Desktop-PCs mit 32- und 64-bit-Versionen von Vista und 7 durchgeführt, jeweils kurz nachdem die einzelnen Systeme auf den Markt gekommen sind. Dabei ließen sich einige grundsätzliche Trends feststellen: Windows 7 schaffte zum Beispiel deutlich schnellere Laufwerksoperationen (Die Brennsoftware Nero arbeitete knapp doppelt so schnell wie normalerweise) und die Akkulaufzeiten bei Laptops stiegen leicht an (Laufzeitverlängerungen zwischen 1 und 15 Minuten waren feststellbar).

Während Windows 7 also scheinbar einige Arbeitsprozesse tatsächlich beschleunigt, zeigten ein paar Tests auch das genaue Gegenteil. Programme starteten deutlich langsamer als unter Vista (besonders Photoshop CS4 brauchte statt 2,7 Sekunden unter Vista satte 9,6 Sekunden unter 7), ebenso ließ sich eine leichte Verzögerung beim Boot-Prozess feststellen (39,6 Sekunden unter Vista, 43,6 Sekunden unter 7).

Warum wird 7 trotzdem als das bessere Betriebssystem angesehen? Das hängt mit einigen Registry-Optimierungen und kleineren Veränderungen zusammen, die 7 insgesamt angenehmer in der Bedienung erscheinen lassen - auch wenn die Unterschiede zu Vista gar nicht so gravierend sind.

ALLE SMARTPHONES VERLIEREN AN SIGNALSTÄRKE BEIM "TODESGRIFF" Als frühe iPhone-4-Nutzer feststellten, dass das Berühren eines bestimmten Punktes an der Außenhaut des Gerätes zum Einbruch der Signalstärke führt, stellte Apple folgende Behauptung auf: dies sei ein Problem aller Smartphones, nicht nur des iPhones. Wir haben diese Anschuldigung an fünf anderen Smartphones getestet. Wir beobachteten Signalstärke, Geschwindigkeit der Datenübertragung und Qualität der Sprachanrufe in Gebieten mit starkem und schwachem Empfang. Und während zwar jedes getestete Gerät in irgendeiner Weise beeinträchtigt wurde, wenn man seine Antenne überdeckte, leidet doch keines so sehr darunter, wie Apples iPhone 4.

DER DESKTOP-PC LIEGT IM STERBEN Sicher, Laptops sind günstiger und leistungsstärker als jemals zuvor und bedienen mittlerweile so ziemlich all Ihre Computer-Bedürfnisse. Doch zu behaupten, der Desktop-PC wäre vom Aussterben bedroht, ist ungefähr so gewagt wie die Aussage, dass niemand mehr Autos braucht, weil ja jeder die U-Bahn nehmen kann. Leistungsorientierte Nutzer, die die Power eines Desktop-Rechners in einem Laptop wollen, zahlen immerhin noch horrende Preise dafür. Und wenn Sie ein Blu-ray-Laufwerk im Laptop wollen, eine bessere Grafikkarte oder ein 3D-Display, dann können Sie nicht immer einfach nachrüsten, sondern müssen auf ein anderes Modell umsteigen. Zudem haben Hobby-PC-Bastler mit Laptops deutlich eingeschränktere Möglichkeiten als mit einem Desktop-PC.

Zudem entwickelt sich der Desktop-PC-Sektor immer weiter, um die Bedürfnisse der Käufer zu befriedigen. Nutzer, die einen großen Bildschirm wollen aber keinen wuchtigen Tower am Schreibtisch stehen haben möchten, können mittlerweile auf All-in-One-Systeme zurückgreifen. Andere wiederum wollen einen Computer, der sich perfekt in ihr 50-Zoll-HDTV-Heimkino einfügt. Und Studenten, die normalerweise gut von einem Laptop profitieren, kaufen sich einen leistungsstärkeren Heim-PC für Computerspiele, Filme und anspruchsvolle Multimedia-Projekte - und nehmen Netbook und Co. mit in die Vorlesungen.

TEURE HDMI-KABEL LASSEN DAS BILD EINFACH BESSER AUSSEHEN Wenn Sie knapp 1000 Euro oder mehr für einen neuen HD-Fernseher und nochmal 250 Euro für einen Blu-ray-Player ausgeben, ist die Behauptung naheliegend, dass nur ein sehr teures HDMI-Kabel die entsprechende Bildqualität liefern kann. Doch ganz ehrlich: Nehmen Sie lieber das No-Name-Supermarkt-Kabel für 30 Euro und investieren Sie den Rest in Popcorn und Cola für den kommenden Heimkino-Abend - denn Ihr neuer HD-TV wird sich einen Kehricht darum kümmern, ob das 30- Euro- oder das 100-Euro-HDMI-Kabel in ihm steckt.

Hochqualitative Kabel waren schon immer eine Hauptverkaufssparte im Audio- und Video-Bereich - aus gutem Grund: da analoge Audio- und Videosignale von einem Gerät zum anderen wandern, sind sie anfällig für Störungen und Unterbrechungen. Soll heißen: das Signal, das Ihren DVD-Player verlässt, ist nicht zu 100 Prozent das Signal, das am Ende aus Ihrem Fernseher herauskommt, da bestimmte Teile des Signals auf dem Weg zum Audio- oder Videoausgang des TV-Geräts einfach verloren gehen.

Digitale Audio- und Video-Standards wie DisplayPort, DVI und HDMI kennen dieses Problem hingegen nicht, da ihre Signale nicht so sensitiv sind, wie analoge. Sie bestehen gänzlich aus Einsen und Nullen und es müsste schon ein beachtlicher Einsturz bei der Signalspannung entstehen, damit eine Eins am Ende der Leitung plötzlich eine Null ist. Wenn das trotzdem einmal passiert, sehen Sie in aller Regel ein paar kleine, weiße Sternchen auf dem Bildschirm - doch das passiert höchstens bei Kabellängen von 8 Metern und mehr.

Trotzdem kann diese Tatsache die Heimkino-Enthusiasten und Heimkino-Verkäufer nicht davon abbringen zu behaupten, sie sähen einen Unterschied zwischen billigen und sehr teuren HDMI-Kabeln. Also haben wir die Probe aufs Exempel gemacht, um selbst herauszufinden, ob der Preis tatsächlich die Qualität des Signals beeinflusst. Wir ließen zwei teure HDMI-Kabel - das Monster HD 1000 für 110 Euro und das AudioQuest Forest für 60 Euro - gegen zwei günstige Modelle antreten - das 5001A-G von Blue Jeans Cable für 5 Euro und das 28A WG von Monoprice für 3 Euro.

Nachdem wir alle vier Kabel mit verschiedenen HD-Videoclips getestet hatten (darunter Fußballübertragungen und Ausschnitte aus "The Dark Knight" auf Blu-ray) lieferten sich alle Kandidaten ein Kopf-an-Kopf-Rennen: Blue Jeans Cable, Monoprice und das sündhaft teure Monster erhielten identische Durchschnittswertungen von 3,5 von 5 möglichen Punkten. AudioQuest liegt knapp dahinter mit 3,4 von 5 Punkten - knapp genug, dass es sich auch um einen Abrundungsfehler handeln könnte.

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