Konkurrenz für Apple-Tablet: Warum das iPad seine Rivalen aussticht Detail - Computerwelt

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04.11.2010 Tom Kaneshige*

Konkurrenz für Apple-Tablet: Warum das iPad seine Rivalen aussticht

In aller Ruhe hat das Apple iPad sich einen völlig neuen Markt erobert. Nachfolgende Wettbewerber können die Position des Erstgeborenen nur schwer erschüttern.

Als das iPad im April in den USA auf den Markt kam, schaffte Apple in 80 Tagen einen Abverkauf von satten drei Millionen Geräten. Innerhalb weniger Wochen war Apple auch bei den E-Book-Readern mit einem Anteil von 16 Prozent auf Platz zwei gelandet, wo der Amazon Kindle mit 62 Prozent noch vorne liegt. Dieses Verhältnis, schätzen Analysten, wird sich innerhalb kurzer Zeit umkehren.

Manch einer spekuliert auch darüber, dass das iPad für den sinkenden Absatz von Note- und Netbooks verantwortlich ist. Im August dieses Jahres, berichtet Morgan Stanley (MS), sei das Wachstum in diesem Marktsegment in den USA um vier Prozent niedriger ausgefallen als im Vorjahr. MS-Analystin Katy Huberty schätzt, dass der Druck auf den Markt mobiler PCs noch zunehmen wird, wenn andere Anbieter mit ihren Geräten kommen und Apple die iPad-Distribution ausweitet.

Der Hype um das iPad hat die Pläne mancher Anbieter bereits zunichte gemacht, mit eigenen Produkten auf den Markt zu kommen. So haben zum Beispiel Plastic Logic und Foxit Software ihre eigenen Tablets auf Eis gelegt, weil sie mit dem Preis des iPad nicht mithalten konnten. In Deutschland nahm 1&1 sein SmartPad nach dem Verkaufsstart wieder aus dem Rennen. Und der HP Slate existiert, zumindest bis jetzt, nur als Ankündigung. Microsoft hat nach längerem Brodeln in der Gerüchteküche nun immerhin offiziell bekannt gegeben, an einem Tablet zu arbeiten. Microsoft-Chef Steve Ballmer hat die Vorstellung des Slate genannten Geräts, das mit einem Windows-Betriebssystem laufen soll, für Weihnachten angekündigt.

Bisher zeichnen sich aber noch gerade einmal zwei Geräteklassen ab, die der Apple-Macht bedrohlich nahe kommen könnten: das Blackberry PlayBook und Tablets mit dem freien Betriebssystem Android. BlackBerry beherrscht unangefochten den Business-Markt der Smartphones; hier hält das iPhone nur einen kleinen Anteil und muss sich sogar von Android-Smartphones überholen lassen. Die, behauptet jedenfalls der Marktforscher Nielsen, verkauften sich im vergangenen Quartal besser als das Apple-Teil.

Samsung, Toshiba, ViewSonic und Archos haben Tablet-PCs mit Android 2.2 OS angekündigt, die - im Gegensatz zum iPad - auch mit Flash umgehen können. BlackBerry hat sein PlayBook in der vergangenen Woche vorgestellt. Co-CIO Mike Lazaridis von RIM ist überzeugt, mit dem PlayBook einen neuen Unternehmensstandard setzen zu können.

Die Analysten bewerten die Zukunftschancen der iPad-Rivalen deutlich zurückhaltender. Sie glauben eher daran, dass sich das iPad behaupten wird. Hier sind drei Gründe, die ihre Mutmaßungen untermauern:

1. Als Erstgeborener ist das iPad deutlich im Vorteil Apple scheint die einzigartige Fähigkeit zu besitzen, großartige Produkte in den Consumer-Markt zu bringen. Allein durch den großen Marktanteil bei Smartphones und Tablet-PCs scheint Apple im Moment unschlagbar zu sein.

Mit dem iPad hat Apple den Tablet-Markt nach erfolglosen Versuchen in den Neunzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts praktisch neu erfunden. Erst mit dem zweiten Versuch kann man sagen, dass das Unternehmen der Touch-Technologie auf mobilen Endgeräten damit zum Durchbruch verholfen hat.

Der Lohn für die Pionierleistung: Das iPad genießt seit Monaten die ungeteilte Aufmerksamkeit des Marktes. Aber die Alleinstellung und die großen Marktanteile sorgen auch für Vorsprung in der Lieferkette. Apple hat so große Mengen von Bauteilen für die Touch-Technologie geordert, dass es Mitbewerbern mit kleineren Stückzahlen schwer fallen wird, einen Preis ähnlich dem iPad anbieten zu können.

"Wir glauben, dass das iPad in den kommenden Quartalen von neuen Produkten nur schwer eingeholt werden kann", meint denn auch Chris Whitmore, Analyst bei der Deutschen Bank. "Wir erwarten, dass eine Menge neuer Geräte bei den Kunden durchfallen werden, weil sie mit den Apple-Preisen nicht mithalten können."

Von allen Bewerbern haben RIM und HP noch die besten Chancen, einen Preiskrieg mit Apple zu führen. RIM könnte den Preis für das PlayBook bei 300 US-Dollar ansetzen, vermutet Vijay Rakesh, Analyst bei Sterne, Agee & Leach. Das wiederum könnte Apple veranlassen, den Preis für ältere iPads dramatisch zu senken, wenn sie zeitgleich ein neues Modell auf den Markt bringen. Ähnlich hat das Unternehmen schon beim iPhone reagiert. Noch niedrigere Preise für das iPad - da könnten dann noch weniger Unternehmen mithalten.

2. Die Software macht den Unterschied Das iPad bringt nahezu alle Apps ans Laufen, die ursprünglich für das iPhone geschrieben wurden. Schon bald nach dem Verkaufsstart gab es zudem native iPad-Apps in Hülle und Fülle. Heute kann man alle Arten von Dokumenten wenn schon mit dem iPad nicht bearbeiten, so doch wenigstens anzeigen oder korrigieren. Man kann sich Videos anschauen und Spiele spielen. Und das alles auf einem großen, scharfen und farbenprächtigen Bildschirm. Das iPad hat auch das Potenzial, Verlagen mit ihren Zeitungen und Magazinen eine digitale Heimat zu bieten. Damit könnte es schon bald zum neuen Medien-Standard werden.

Das sieht offenbar auch Apple so: Jüngsten Gerüchten zufolge schmiedet der Konzern gerade an mächtigen Allianzen mit US-Großverlagen wie Times, Condé Nast, News Corp oder Hearst, um Zeitungen und Abos künftig über das iPad verticken zu können.

Es sind diese Apps, diese Services und solche Deals, die dafür sorgen werden, dass das iPad dem Ansturm seiner Konkurrenten widerstehen wird, meint Van Baker, Analyst bei Gartner. Die Hersteller anderer Geräte müssten schlicht einsehen, dass dieser Faktor viel wichtiger ist als die bloße Bereitstellung funktionaler Hardware, so Baker.

Die besten Chancen, Apple bei der Weichware Konkurrenz zu machen, werden Android-Geräten eingeräumt. Auch hier gibt es bereits einen florierenden App-Markt. Allerdings sei dort noch viel Arbeit zu leisten, so Baker, weil fast alle diese Apps nur für Smartphones ausgelegt und ohne zusätzlichen Aufwand nicht für Tablet-PCs geeignet seien.

Kann Apple also überhaupt herausgefordert werden? Ja, meint Baker. Aber es bedarf der Einsicht bei den Herstellern, dass man dafür ein veritables Set an Software und Services benötigt. Und dafür, das spürt zum Beispiel gerade Samsung mit dem Galaxy-Tablet, müssen kommende Anbieter zunächst einmal tief in die Tasche greifen.

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