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19.12.2010 Simon Hülsbömer*

Die 24 größten Flops der IT-Geschichte

Manche Ereignisse und Entwicklungen möchte man schnell vergessen. Wir streuen Salz in die Wunden der Microsofts, Apples, IBMs, Palms und Netscapes dieser Welt.

Stellen Sie sich vor, wie anders die IT-Welt heute aussähe, wenn Gary Kildall im Jahr 1980 das Angebot der IBM akzeptiert hätte, das von ihm entwickelte Betriebssystem für ein streng geheimes Projekt lizenzieren zu dürfen. CP/M wäre zur Standardausstattung jedes IBM-PCs geworden und Big Blues zweite Wahl Bill Gates hätte mit seinem MS-DOS nie große Berühmtheit erlangt. Es waren immer nur Nuancen, die einer technischen Entwicklung die Richtung gaben - manchmal Zufälle und verpasste Chancen, allzu häufig aber auch verheerende Entscheidungen in den Chefetagen großer Unternehmen. Tops und Flops lagen in einer bewegten IT-Geschichte immer nah beieinander. Hier sind die Top 24 der größten Katastrophen.

24. IBM PS/2 1981 kam der erste IBM-PC auf den Markt. Im Gegensatz zu früheren Computern des Herstellers war er aus Komponenten von der Stange gefertigt, was zu günstigen Preisen führte. Im Laufe der 80er Jahre wurde IBM jedoch zunehmend von Wettbewerbern wie Compaq aus dem Markt gedrängt. Big Blues Strategie: weg von der Massenfertigung und zurück zu proprietären Bauteilen. So kam 1987 die Personal System/2-Serie auf den Markt, mit der zwar die meiste Software lief, die hardwareseitig aber mit der Mikrokanal-Bus-Architektur ausgestattet war. Das machte sie inkompatibel zu Dritt-Hardware und beförderte IBM noch weiter ins Abseits. Neue Kunden gewann Big Blue nicht mehr - der zuvor bereits grandios gescheiterte PCjr und die der PS/2 nachfolgenden PS/1-Serie taten ihr Übriges. Und dennoch lebt ein Stück PS/2-Technologie bis heute fort: in den seriellen Schnittstellen der klassischen Eingabegeräte Tastatur und Maus.

23. Virtuelle Realität Der Film "Tron" läutete 1982 das Zeitalter der virtuellen Realität ein. 15 Jahre später sollte die Technologie den Markt dann endlich erobern. Sie tat es nicht. Die Programmiersprache VRML (Virtual Reality Modeling Language) war zu komplex, um eine breite Anhängerschaft zu finden. Einige wenige begeisterte Entwickler reichten nicht aus. Das "VR"-Konzept lebt auch heute immer wieder kurz auf (siehe "Second Life"), ob der Durchbruch aber jemals kommen wird, ist mehr als unsicher.

22. SEA ARC Die 80er Jahre waren auch komprimierungstechnisch eine bewegte Zeit. Phil Katz nahm den Code des Packerformats ARC der Firma System Enhancement Associates (SEA) und baute daraus einen leistungsverbesserten Klon. Da Katz diesen Erfolg nach SEAs Ansicht aber auf illegale Weise erreicht hatte, klagte der Hersteller erfolgreich. Katz musste die Entwicklung des Klons einstellen. Den Anwendern, viele von ihnen schon Katz-Fans, schmeckte das nicht und sie zeigten SEA fortan die kalte Schulter - das Unternehmen konnte einpacken. Katz entwickelte ein komplett neues Komprimierungsformat, was er 1989 veröffentlichte: ZIP.

21. Apple OpenDoc Die APIs "Cocoa" und "Carbon" waren noch lange nicht geboren, als sich Apple einer innovativen Programmiersprache mit Namen OpenDoc zuwendete. Entwickler konnte ihre Software damit aus modularen Komponenten zusammenbauen. Eine komplexe Textverarbeitung ist schließlich auch nichts anderes als die Kombination aus Text-Editor, Rechtschreibprüfung, Dateimanager und einigen kleinen Tools. So dachte Apple zumindest. Leider erwiesen sich die meisten Applikationen unter der Haube als weitaus komplizierter als an der Oberfläche. Der OpenDoc-Spuk dauerte lediglich fünf Jahre.

20. Push-Technologie 1992 hatte PointCast eine clevere Idee: Warum sollten Nachrichten, Börsenkurse und andere aktuelle Informationen den Anwendern nicht automatisch zugestellt werden, anstatt sie ins Web zu stellen und darauf zu warten, dass sie abgefragt würden. Die Idee eines "Push-Dienstes", der News direkt bis auf den Desktop befördert, war geboren. Schnell gab es eine Menge Nachahmer - das Datenaufkommen explodierte und sprengte alle Verbindungskapazitäten. Netzwerk-Administratoren sperrten die Push-Clients in den Unternehmen und die heimischen Modem-Nutzer ärgerten sich über die viele Werbung, die gleich automatisch mitgeliefert wurde. Rupert Murdochs Medienimperium News Corp. bot für PointCast im Jahr 1997 noch 450 Millionen Dollar - zwei Jahre später war der Hype vorbei und die Firma wurde für lächerliche zehn Millionen verkauft.

19. Copland Copland sollte der moderne Nachfolger von Apples Mac OS werden - der geplanten Veröffentlichung im Jahr 1995 standen jedoch interne Querelen der Entwicklungsabteilung im Weg. So erfuhr niemand, wie weit das Unternehmen gekommen wäre, wenn es das eigene Betriebssystem auf den Weg gebracht und nicht stattdessen Steve Jobs' NeXT OS gekauft hätte, das die Basis für das 1999 veröffentlichte Mac OS X bildete. Ironie des Schicksals: Jobs hatte die Firma zehn Jahre zuvor wegen interner Streitereien verlassen.

18. GNU Hurd Richard Stallman startete das GNU-Projekt im Jahr 1983, um das erste freie Betriebssystem zu entwickeln: Kernel, Tools, Applikationen, Dokumentation - alles sollte gemeinschaftlich entwickelt werden und allgemein kostenlos zugänglich sein. 25 Jahre später gibt es immer noch keinen GNU-Kernel. "Hurd", der Codename der geplanten Entwicklung, sollte die Krönungszeremonie der Open-Source-Bewegung werden - stattdessen steht es nun stellvertretend für eine ganze Generation missratener Softwareentwicklungen. Erst Linus Torvalds startete Anfang der 90er einen neuen viel versprechenden Versuch - diesmal erfolgreich.

17. Oracle Raw Iron Was ist das beste Betriebssystem für einen Datenbankserver? Windows? Linux? AIX? Oracles Antwort im Jahr 1998: nichts von den dreien, sondern eine Oracle 8i-Appliance-Variante mit Namen "Raw Iron", die auf einer angepassten Version von Sun Solaris lief. Keine zusätzlichen Support-Verträge mit anderen Herstellern - Ellisons Imperium wollte alles aus einer Hand anbieten. Die Kundschaft interessierte es wenig - Raw Iron starb einen leisen Tod. Der Markt für Serveranwendungen startete erst wenige Jahre später durch.

16. B-to-B-E-Commerce B-to-B-E-Commerce war Anfang des Jahrzehnts als Idee der Venture Capitalists angesagt: Vielversprechende Start-ups sollten mithilfe von Investoren ihre Ideen an etablierte Unternehmen verkaufen, anstatt selbst mit ihnen Geld zu verdienen. Das Problem waren jedoch die aufstrebenden Entwickler selbst: Sie gingen lieber gleich zu den großen Firmen, um ohne Umweg über die Mittelsmänner den bestmöglichen Gewinn einzustreichen. Der Zwischenhandel im Start-up-Geschäft wurde schnell wieder beerdigt.

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