Tablet vs. Netbook - Warum Tablets Netbooks noch nicht ablösen Detail - Computerwelt

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29.01.2011 Melissa J. Perenson*

Tablet vs. Netbook - Warum Tablets Netbooks noch nicht ablösen

Mehr und mehr Tablets werden in letzter Zeit auf dem Markt eingeführt. Doch Netbooks geben sich noch lange nicht geschlagen. Wir erklären, warum sie das auch (noch) nicht müssen.

Seit der Einführung des Apple iPad im Jahr 2010 sind Tablets in aller Munde. Fast könnte man meinen, die stetig wachsende Flut an Tablets sei gleichbedeutend mit immer fortschrittlicheren Technologien für diese Geräte. So fortschrittlich, dass sie die Generation der Netbooks bald in Pension schicken könnten. Doch dem ist nicht so. Genau genommen unterscheiden sich die Modelle der aktuellen Tablet-Generation kaum von denen, die es schon im letzten oder sogar vorletzten Jahr zu sehen und zu kaufen gab. Sie verfügen lediglich über ein paar neue Tricks. Tricks, die jedoch den Unterschied darüber ausmachen, ob das Tablet ein Nischenprodukt bleibt, oder endlich in den Massenmarkt vordringt.

Wer die diesjährige CES in Las Vegas verfolgt hat, wird festgestellt haben: zwar gab es eine ganze Fülle an Tablets zu sehen, doch irgendwie ist alles schon mal dagewesen. Mit wenigen Ausnahmen (zum Beispiel dem Leichtgewicht RIM PlayBook) unterschieden sich die vorgestellten Tablets in keiner Weise von den Geräten, die es schon im Vorjahr zu sehen gab. Echte Innovationen? Nicht in diesem Jahr. Wer sich also eine Neuprodukte-Flut an Tablets erhofft, muss wohl noch etwas warten. Denn viele - wenn nicht sogar die meisten - der ausgestellten Modelle, waren nicht einmal fertige Produkte, sondern lediglich Designstudien und Prototypen. So zum Beispiel NECs Android Cloud Communicator, ein Doppelbildschirm-Design-Tablet, das unter einer Variante von Android 2.1 läuft; leider nur mit resistivem Touchscreen, statt kapazitivem Touchscreen, wie er in den meisten Smartphones verbaut ist - ein technischer Rückschritt. Zwar ist das Tablet auf den ersten Blick eine echte Augenweide - die technische Daten beeindrucken hingegen nicht. NEC betonte in seiner Präsentation mehrmals, dass es sich beim Android Cloud Communicator lediglich um eine Designstudie handle und nicht um ein auslieferungsfertiges Produkt. NEC äußerte sich zudem nur äußerst vage zum Thema Veröffentlichungsdaten und technische Details. Bisher sei lediglich eine Veröffentlichung in Europa und Asien geplant - große Märkte wie die USA sollen das Gerät hingegen nicht erhalten. Es wäre aber auch nicht verwunderlich, wenn das Tablet niemals zur Marktreife gelangt.

NICHTS ALS PROTOTYPEN Viele Produkte, die auf der CES vorgestellt werden, haben das Level der Designstudie aber noch nichtmal erreicht. Es sind Prototypen, die oft auch noch nicht mit den Komponenten oder der Software ausgestattet sind, die sie später einmal erhalten sollen. Zum Beispiel war kein einziges der vorgestellten Tablet-Geräte mit Android 3.0 (Honeycomb) auf der Messe unter diesem System tatsächlich lauffähig. Der einzige Hersteller, der von sich behauptete, dass Android 3.0 auf einem seiner Geräte "läuft", war Motorola mit seinem Motorola Xoom. Nun ist der Begriff "laufen" natürlich sehr grob gefasst. Denn auf der Motorola-Pressekonferenz zeigten sämtliche Xoom-Demos keine Live-Bedienung des Geräts unter Android 3.0, sondern lediglich vorgefertigte Videos darüber, wie die einzelnen Funktionen von Honeycomb aussehen werden. Das macht es nicht gerade einfacher, technische Gegebenheiten zu beurteilen und gegen die aktuelle Leistung von Netbooks abzuwiegen. Zudem durfte das Gerät nicht berührt werden, dementsprechend schwierig gestaltet sich die Beurteilung von Bildschirmempfindlichkeit, Bildqualität oder Textqualität.

Auch MSI hat Tablets ausgestellt, darunter das WinPad 100. Im Gegensatz zur letzten CES, wo MSI seine Tablets lediglich in großen Glaskästen präsentierte, durfte man das WinPad 100 in diesem Jahr sogar anfassen. Auch bei MSI gilt aber: was es zu sehen gab, ist nicht das, was am Ende in den Händlerregalen stehen wird. MSI selbst sagt, das WinPad 100W (das Windows-Tablet) soll zunächst nicht auf dem freien Markt erscheinen. Stattdessen konzentriere man sich auf die Verbreitung im Unternehmensmarkt, zum Beispiel fürs Gesundheitswesen oder für die Finanz-Branche. Der Grund dafür: der angestrebte hohe Preis für das Windows-Tablet, das im 3. oder 4. Quartal 2011 erscheinen soll. Konkurrenz für Windows-Netbooks? Vorerst wohl also nicht. Denn wer die Wahl hat zwischen einem 300-Euro-günstigen Netbook und einem gleich leistungsfähigen 600-Euro-teuren Tablet, der greift vorerst wohl nicht zum Tablett-PC.

ECHTE KONKURRENZ FÜR NETBOOKS? MSI hatte auf der CES aber noch mehr in petto. Nämlich das Gegenstück zum Windows-Tablet, das Android-Tablet WinPad 100A, das laut MSI irgendwann im Frühjahr oder Sommer erscheinen soll. Das Tablet soll unter Android 3.0 laufen und mit Nvidias Tegra 2-Chipsatz ausgestattet sein. Andere Ausstattungsmerkmale, zum Beispiel Speicher, seien abhängig von den Komponentenpreisen. Das Display auf der Messe war übrigens ebenfalls nur ein Prototyp mit 1280x600 Pixeln. Der fertige Bildschirm soll eine Auflösung von 1280x800 Pixeln mitbringen. Sollte das Android-Tablet dann auch noch zu einem fairen Preis zu haben sein, steht Netbook-Herstellern echte, ernst zu nehmende Konkurrenz ins Haus. Denn besonders Nvidia Tegra macht das Tablet zu einem echten Powerzwerg.

Glaubt man Schätzungen der CES-Angestellten und -Analysten, wurden in diesem Jahr zwischen 75 und 125 Tablets ausgestellt. Wenn die Schätzungen stimmen, könnte man sich glücklich schätzen, wenn es auch nur ein Drittel dieser Geräte tatsächlich auf den freien Markt schafft. Ein weiterer großer Teil der gezeigten Tablets wird es dann bestenfalls als "Budget"-Gerät in die Händlerregale schaffen. Insbesondere, weil die geplante Ausstattung zum möglichen Zeitpunkt bereits wieder völlig veraltet und unbequem in der Bedienung ist. Vor allem die billigen Komponenten - darunter leistungsschwache Chipsätze, Fehlen von Googles Mobildiensten und dem Android-Marktplatz, schlecht reagierende Touchscreens und Displays mit Niedrigst-Auflösung - sorgen für eine äußerst unangenehme Endnutzer-Erfahrung. Das sorgt nicht gerade dafür, dass Tablets sich neben oder sogar über Netbooks wirklich etablieren können. Doch selbstverständlich gibt es auch einige Perlen. Tablets, bei denen das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt und die, zusammen mit Apples Vorreiter iPad, die Revolution der Tablets anführen. Und die wird - Netbooks, zieht euch warm an! - über kurz oder lang kommen.

* Der Artikel stammt von der deutschen PC-Welt.

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