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02.02.2011 Thomas Rau*

Das Ende der Netbooks

iPad statt EeePC: Dieses Jahr werden mehr Tablet-Computer als Netbooks verkauft. Braucht man Netbooks überhaupt noch? Wir meinen: Ja. Und nennen fünf Gründe, warum Netbooks noch nicht tot sind.

Es war ein Risiko: Der Hersteller hatte zwar einen großen Namen. Aber jetzt wagte er sich mit einer völlig neuen Produktkategorie auf den Markt – und landete einen sensationellen Erfolg. Experten und Kunden waren begeistert. Schnell brachten andere Hersteller ähnliche Produkte heraus: Die Preise fielen, trotzdem wurden die Produkte immer ausgereifter und besser ausgestattet. Alle waren sich einig: Den Netbooks steht eine große Zukunft bevor.

Das war vor drei Jahren als Asus mit dem EeePC 701 das erste Netbook auf den Markt brachte. Doch die Ära der Netbooks scheint schon wieder vorbei zu sein. Experten und Käufer lieben jetzt Tablet-Computer, besonders das iPad, bei dessen Vorstellung Apple-Chef Steve Jobs schon die Totenglocke für Netbooks läutete: Sie seien nur billige Notebooks und eigentlich für nichts wirklich zu gebrauchen.

WAS SAGEN DIE HERSTELLER? Eigentlich gibt es kein Duell zwischen Netbooks und Tablets: Es ist ein Duell zwischen Netbooks und dem iPad. Denn Apple besetzt derzeit 95 Prozent des Tablet-Marktes. Das soll sich aber ändern: Besonders die Netbook-Marktführer Acer und Asus wollen vom Tablet-Boom profitieren und bringen zur CeBIT ihre ersten Tablet-Rechner auf den deutschen Markt. Ihre Hoffnung: Netbooks sollen sich mindestens so gut verkaufen wie bisher. Und oben drauf kommen noch die verkauften Tablets. So lief es zumindest damals, als die Netbooks starteten: Notebooks wurden weiterhin in großen Mengen verkauft – und als Zweit- oder Drittrechner leisteten sich viele Käufer ein Netbook. Die Produktvorstellungen für 2011 deuten aber an, dass auch die Notebook-Hersteller vor allem auf Tablets setzen: Acer kündigte eine Reihe von Tablets mit Android und Windows an, aber nur ein Netbook. Bei Asus sieht es ähnlich aus: Tablets stehen im Fokus. Kein Wunder: Diese Geräte sind gerade heiß – und bei den Netbooks tut sich nichts, weder technisch noch beim Preis. Trotzdem reden die Hersteller die Netbooks stark – obwohl es hin und wieder offenbar interne Kommunikationsprobleme gibt: Bei Acer beispielsweise verkündete ein Manager aus Taiwan, dass die neuen Tablets die Netbooks ablösen sollen. Doch das Unternehmen ruderte schnell zurück.

WAS SAGEN DIE MARKTFORSCHER? Netbooks sind auf dem absteigenden Ast – das scheinen aktuelle Verkaufszahlen zu belegen: Im letzten Quartal 2010 ging der Netbook-Absatz in Westeuropa nach Zahlen des Marktforschungsinstitutes IDC um 29 Prozent gegenüber 2009 zurück. Der Grund: Viele Käufer wollten sich zu Weihnachten kein Netbook kaufen – sie warten lieber auf die neuen Tablet-Computer, die 2011 herauskommen sollen. Experten hatten für 2010 weltweit über 40 Millionen verkaufte Netbooks erwartet: Am Ende waren es nur knapp über 30 Millionen. Auch 2011 soll für die Mini-Laptops nicht besser laufen: Optimistische Experten erwarten einen weltweiten Verkauf von rund 30 Millionen Netbooks. Andere prophezeien, dass der Netbook-Markt schrumpfen wird. Tablet-Computer dagegen haben eine goldene Zukunft: IDC geht 2011 von über 44 Millionen verkauften Tablet-PCs aus, im Jahr darauf sollen es bereits über 70 Millionen sein. Vor allem in Westeuropa und den USA werden die Kunden auf Tablets statt Netbooks setzen.

Sollten Sie also schon mal den schwarzen Anzug für die Netbook-Beerdigung aus dem Schrank holen? Nein: Wir nennen Ihnen fünf Gründe, warum Netbooks den Tablets weiter Paroli bieten werden.

5 GRÜNDE: NETBOOKS SIND NICHT TOT 1. Billig, billig, billig Wer ein günstiges mobiles Gerät sucht, kommt am Netbook nicht vorbei. Aktuelle Modelle sind für 300 Euro zu bekommen . Top-Tablets wie das Apple iPad und das Samsung Galaxy Tab kosten 500 Euro und mehr. Selbst ein Mittelklasse-Tablet wie das Toshiba Folio 100 geht noch für 400 Euro über den Ladentisch. Gerade bei diesen Geräten, die vor allem als Zweit- oder Drittrechner gekauft werden, ist der Preis ein wichtiges Argument. Soll's noch billiger sein, schneiden die Netbooks sogar besser ab: Bei den Schnäppchen-Geräten für rund 250 Euro ist die Akkulaufzeit kürzer und die Festplatte kleiner – abgesehen davon unterscheidet sich ein billiges Netbook kaum von einem teuren. Bei Billig-Tablets mangelt es dagegen meist an vielem, was die Bildschirm-Rechner attraktiv macht: Das Design ist langweilig, sie reagieren zäh und die Software-Ausstattung ist mager. Diese Geräte haben mit einem iPad so viel zu tun wie ein Netbook mit einem High-End-PC.

2. Viel Software Windows kennt man – vom PC und vom Notebook. Und mit diesem bekannten Betriebssystem arbeiten Sie auch auf einem Netbook. Sie können alle Programme nutzen, die Sie auf anderen Rechnern installiert haben, sofern sie die Rechenkraft der Mini-Laptops nicht übersteigen. Und auch liebgewonnenen Tipps und Tricks für Windows lassen sich auf dem Netbook anwenden. Microsoft sorgt außerdem für regelmäßige Sicherheits-Updates und Verbesserungen: Ein neues Service Pack werden Sie immer auf einem Windows-Netbook installieren können. Ob Sie dagegen für ein Android-Tablet das Update auf die nächste Version bekommen, ist häufig ungewiss. Wollen Sie neue Programme ausprobieren? Müssen Sie Tools, Codecs oder andere Software nachinstallieren, weil etwas nicht funktioniert? Bei einem Netbook kein Problem: Das Software-Angebot ist riesig, da kann auch der größte App-Store nicht mithalten. Und auf einen bestimmten Anbieter sind Sie anders als bei einem Tablet nicht festgelegt. Auf einem Netbook können Sie außerdem das ganze Internet erleben – inklusive Flash-Videos. Auf HD müssen Sie allerdings verzichten – das ist für die kleinen Netbooks zu anstrengend. Und auch wenn es nicht Windows sein soll, ist ein Netbook das richtige Gerät: Linux beispielsweise ist schnell installiert, ob neben oder statt Windows oder in einer virtuellen Maschine. Kurzum: Ein Netbook steht für alle Experimente offen – ohne Rooting und Jailbreak.

3. Flexibel bei der Hardware Aufs Netbook bekommen Sie problemlos Dateien und auch wieder davon runter: Fotos übertragen Sie beispielsweise per Speicherkarte oder USB-Stick auf das Gerät. DVDs können Sie mit einem externen Brenner beschreiben. Außerdem bietet ein Netbook mehr Platz für Dateien als ein Tablet: Auf der 160 oder 250 GB großen Festplatte lassen sich zahllose Fotos, Videos oder Musikstücke speichern. Ausdrucken kann man von einem Netbook ohne App und Umwege: Der Drucker muss nur per USB an den Mini-Laptop angeschlossen werden. Selbst exotischere Erweiterungen wie UMTS-Stick oder TV-Empfänger funktionieren am Netbook. Dies alles klappt beim Tablet überhaupt nicht, nur mit einigem Aufwand oder teuren Adaptern. Ganz abgesehen von den Aufrüstmöglichkeiten, die ein Netbook bietet: Arbeitsspeicher und Festplatte lassen sich bei vielen Modellen wechseln, ein größerer oder zusätzlicher Akku sorgt für eine längere Einsatzdauer unterwegs.

4. Bequeme Eingabe per Tastatur Ein Tablet-PC lässt sich faszinierend leicht und flüssig per Fingerstrich bedienen. Wer aber längere Texte schreiben will, die über Facebook-Updates oder Chats hinausgehen, sollte auf ein Netbook setzen. Auf dessen Tastatur schreibt man nicht nur bequemer und schneller als auf dem virtuellen Keyboard eines Tablets: Der Text lässt sich auch viel unkomplizierter mit Tastenkombinationen ändern – zum Beispiel per Kopieren, Ausschneiden und Einfügen – und formatieren.

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