Alex Monino, HP: "Keine Chance für Consumer-3D-Drucker" Alex Monino, HP: "Keine Chance für Consumer-3D-Drucker" - Computerwelt

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23.06.2016 Rudolf Felser

Alex Monino, HP: "Keine Chance für Consumer-3D-Drucker"

Anlässlich der Präsentation von HPs neuer 3D-Printing-Lösung traf sich computerwelt.at mit dem Marketing Director Alex Monino von HP.

Alex Monino, Worldwide Marketing Director des Large Format Printing Business von HP

Alex Monino, Worldwide Marketing Director des Large Format Printing Business von HP

© Rudolf Felser

Diese Woche präsentierte HP in seinem Lab am Rande von Barcelona sein neues 3D-Druck-System Multi Jet Fusion, mit dem das Unternehmen die nächste industrielle Revolution einläuten will. Wir hatten die Gelegenheit mit Alex Monino, Worldwide Marketing Director des Large Format Printing Business von HP, über die durch 3D-Druck im großen Maßstab entstehenden Möglichkeiten für die Fertigungsindustrie zu sprechen.

Wieso ist Österreich unter den ersten elf Ländern, in denen Sie Ihren 3D-Drucker launchen? Das sind wir hier nicht gewöhnt, müssen Sie wissen.

Das hat einige Gründe. Einer davon ist, dass wir nach Unternehmen suchen, welche die digitale Transformation vorantreiben wollen. Österreich und auch die Schweiz sind sehr vorwärtsgerichtet – zwei wichtige Märkte, wenn auch nicht wirklich groß. Außerdem fällt uns der Markteintritt dort leicht, weil wir Leute vor Ort haben. Unser Channel Manager sitzt zum Beispiel in Österreich. Vor allem aber sehen wir Potenzial.

HPs 3D-Druck-Technologie basiert auf Ihren Erfahrungen mit dem Inkjet-Verfahren. HP hält auch viele Patente in diesem Bereich. Es kann Ihnen also eigentlich niemand mit einem ähnlichen System gefährlich werden, ohne Patentverletzungen zu riskieren, oder?

Wir haben natürlich alle Patent-Checks gemacht und sehen kein Risiko. Selbst wenn uns jemand nachmachen wollte – der Prozess ist sehr schwierig zu kopieren.

Die Vorteile, das Multi Jet Fusion System in zwei Geräte aufzusplitten – eines für den Druck und eines für das Pre- bzw. Post-Processing – sind klar. Gibt es trotzdem Pläne, künftig auch die gesamte Funktionalität in eine Maschine zu packen?

Wenn es für den Markt, auf den wir abzielen, Vorteile bringt, dann sind wir für alles offen. Wir werden das tun, was für unsere Kunden am besten ist.

Können wir in Zukunft auch größere Maschinen erwarten?

Das wäre schon möglich. Die Technologie ist skalierbar, aus dieser Sicht gibt es keine Limitierung. Nehmen Sie zum Beispiel Lasersintern: Wenn Sie hier die Bed Size verdoppeln (Anm.: Die Grundplatte, auf der die Objekte gedruckt werden. Durch sie ist auch die maximale Größe der Werkstücke vorgegeben.), müssen Sie auch die Größe des Druckers verdoppeln. Bei unserer Technologie ist das nicht der Fall.

Was ist Ihrer Meinung nach die "Killerapplikation", die dem 3D-Druck zum Durchbruch verhilft?

Derzeit sehe ich keine. Für mich wird die Killerapplikation sein, wenn wir in Zukunft Schaltkreise oder integrierte Elektronikkomponenten drucken können. Das wird für echtes Marktwachstum sorgen.

In welchen Branchen ist derzeit das Interesse am größten?

Im Automotive-Bereich, wo wir eine Partnerschaft mit BMW haben, und im Aerospace-Bereich ist das Interesse hoch, auch bei Konsumgütern – wir haben eine Partnerschaft mit Nike angekündigt – sehen wir viele Möglichkeiten. Ebenso im Health-Bereich, wo wir eine Partnerschaft mit Johnson&Johnson haben.

Eine Partnerschaft mit Nike? Will Nike Schuhe drucken?

Jeder Fuß ist anders, sogar Ihre beiden Füße sind unterschiedlich. Wenn man in der Lage wäre, individuell angepasste Innensohlen zu drucken, wäre das vielleicht interessant.

Und BMW?

BMW hat 3D-Druck für das Prototyping getestet und denkt auch über die Herstellung von Einzelteilen für den normalen Gebrauch nach.

Wo sehen Sie Anwendungsfälle für das Customizing mittels 3D-Druck?

Stellen Sie sich vor, Sie könnten Teile an Ihrem neuen Auto selbst entwerfen, zum Beispiel mit Ihrem Namen versehen. Oder wenn man bestimmte Dinge an die Form Ihrer Hände anpassen könnte. Die Möglichkeit, angepasste und personalisierte Produkte in großen Stückzahlen herzustellen, eröffnet viele Möglichkeiten. Aber es geht dabei nicht allein um die Personalisierung, sondern auch darum, in der Massenfertigung konkurrenzfähig zu sein.

Wie schätzen Sie die Chancen für 3D-Drucker am Consumer-Markt ein?

Um ehrlich zu sein, sehe ich aktuell keine Chancen. Für die Maker-Community machen die Consumer-Maschinen Sinn. Bis sie allerdings für die breite Öffentlichkeit interessant werden, dauert es noch viele, viele Jahre. Aber ich sage nicht, dass es nie soweit sein wird.


ZUR PERSON

Alex Monino ist Worldwide Marketing Director des Large Format Printing Business von HP. Außer für den 3D-Bereich zeichnen er und sein Team auch für die Designjet- und PageWide-Linien verantwortlich. Vor seiner aktuellen Rolle war er in verschiedenen Management-Positionen im Large Format Printing Business tätig. Bevor er 1997 zu HP kam, studierte der Ingenieur an der Universitat Politécnica de Catalunya und absolvierte Marketing-Trainings bei INSEAD und an der Kellogg School of Management.  

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