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19.07.2017 Manfred Bremmer *

Google Glass kehrt mit einer klareren Vision zurück

Nach dem furiosen Fehlstart im Consumer-Bereich hofft Google/Alphabet nun, das richtige Umfeld für seine Datenbrille gefunden zu haben. Als Enterprise Edition ist die Google Glass jetzt über Partner für einen größeren Kreis von Unternehmen erhältlich.

Die Google Glass Enterprise Edition verfügt im Vergleich zum Vorgänger über die bessere Kamera, eine längere Akkulaufzeit, einen schnelleren Prozessor sowie einen verbesserten WLAN-Chip.

Die Google Glass Enterprise Edition verfügt im Vergleich zum Vorgänger über die bessere Kamera, eine längere Akkulaufzeit, einen schnelleren Prozessor sowie einen verbesserten WLAN-Chip.

© Google

Mehr als fünf Jahre ist es inzwischen her, dass Google seine futuristische Computerbrille mit Kamera, Internet-Anschluss und einem kleinen Bildschirm vor dem rechten Auge vorgestellt hatte. Zu diesem Zeitpunkt schienen jedoch weder die Technik noch die ausgewählten Nutzer der Datenbrille, zunächst Explorer, später bevorzugt "Glassholes" genannt, reif.

In der Öffentlichkeit geriet Google Glass insbesondere wegen Bedenken über den Schutz der Privatsphäre unter Beschuss, technisch litt die erste Version an einer viel zu kurzen Akkulaufzeit und chronischer Überhitzung. Als Konsequenz verzichtete Google 2015 nach dem Auslaufen des Explorer-Programms auf einen breiten Marktstart und versprach, Glass zu einem nicht bestimmten Zeitpunkt mit einer überarbeiteten Version zurückzubringen.

Wie Jay Kothari, Projektleiter für Glass bei der Forschungsabteilung X, nun mitteilt, kommt die Datenbrille jetzt zurück, und zwar in einer überarbeiteten Form als Enterprise Edition. Kothari zufolge wurden die Smart Glasses zwei Jahre lang in einem speziellen Programm bei über 50 Unternehmen getestet, darunter AGCO, DHL, DHL, Dignity Health, NSF International, Sutter Health,The Boeing Company, und Volkswagen. Das positive Feedback habe dazu geführt, dass Glass jetzt über ein Partnernetzwerk für einen größeren Kreis von Unternehmen erhältlich sei, so der Projektverantwortliche.

Kothari und sein Team haben die Zeit nicht nur genutzt, um Erfahrungen im Business-Umfeld zu sammeln, sondern die Datenbrille sowohl technisch wie auch vom Design her überarbeitet. Wired zufolge sind die größten Unterschiede im Vergleich zum Explorer-Modell die bessere Kamera (8 statt 5 Megapixel Auflösung), eine längere Akkulaufzeit, ein schnellerer Prozessor sowie ein verbesserter WLAN-Chip. Außerdem weist nun eine rote Lampe darauf hin, dass ein Video mit der Brille aufgezeichnet wird. Zudem kann der Aufsatz nun einfach per Knopfdruck vom Brillenrahmen getrennt werden, etwa um ihn mit einer - von einer früheren Abteilung von 3M - gefertigten Sicherheitsbrille zu verbinden.

Weniger Fehler und mehr Effizienz
Wie Kothari berichtet, hat GE Aviation als eines der ersten Unternehmen bereits seit 2014 Erfahrungen mit dem Nutzung der Datenbrille beim Zusammenbau und Wartung von Flugzeugmotoren gemacht. Das Unternehmen schätzt, dass der Einsatz von Glass in Verbindung mit einer vom Partner Upskill entwickelten Software nicht nur die Fehlerrate drastisch reduzierte, sondern auch die Effizienz der Mechaniker um acht bis zwölf Prozent steigerte.

Auch beim Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen AGCO setzen die Arbeiter die Glass Enterprise Edition ein, so der Projektleiter. Durch den reduzierten Aufwand, um auf Checklisten zuzugreifen, Bedienungsanleitungen einzusehen oder während der Montage Bilder von Maschinen aufzunehmen und zu verschieben, seien die Produktionszeit um 25 Prozent und die Wartungszeiten um 30 Prozent gesunken. Zudem würden die Mitarbeiter nun smarter, schneller und sicherer arbeiten, da sie die benötigten Informationen direkt vor den Augen hätten, wird Peggy Gulick, Director Business Process Improvement bei AGCO, zitiert.

Beim Logistik-Dienstleister DHL wiederum kommt die Order-Picking-Lösung vom Bremer Wearable-Spezialisten Ubimax zusammen mit Glass zum Einsatz. Auf diese Weise erhalten die Mitarbeiter beim Zusammenstellen von Lieferungen in der Brille Echtzeitinformationen darüber angezeigt, wo die gescannten Gegenstände in den Wägen platziert werden müssen. Da die Kommisionierer jetzt keine Papierlisten mehr in den Händen halten müssen, können sie nicht nur effizienter und komfortabler arbeiten, DHL schätzt, dass dadurch die Effizienz in der Lieferkette um 15 Prozent gestiegen ist.

"Bereits in den "Glass-Explorer"-Tagen haben wir erste Anzeichen für das hohe Potenzial der Datenbrille für Unternehmen gesehen", so Kothari. "Nun ist das Glass-Produkt-Team wieder zurück bei X und wir arbeiten eng mit dem Google-Cloud-Team und unseren Partnern zusammen, damit Kunden aus einer Vielzahl von Geschäftsbereichen das Beste aus Glass machen."


* Manfred Bremmer ist Redakteur der Computerwoche.

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