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29.03.2011 apa/Rudolf Felser

3D-Printing am Weg zum Kunden

Musik, Bücher, Filme, Spiele – alles steht heutzutage zum Download bereit. Aber richtige Gegenstände? Mit 3D-Druck soll auch diese Utopie bald Realität in allen Haushalten werden.

Einen Schritt dazu macht die Londoner Firma "Digital Forming", die sich der Technologie annimmt, um sie an Endkunden zu bringen. Der Begriff "3D-Print" kommt von der Art und Weise der Fertigung: In mittelgroßen Maschinen wird – ähnlich einem Tintentstrahldrucker – Material "aufeinandergedruckt", bis dreidimensionale Gebilde entstehen. "Wir legen Schicht auf Schicht zusammen und lassen das Produkt in der Maschine wachsen", sagte Digital-Forming"-Geschäftsführerin Lisa Harouni im Interview mit der APA.

Voraussetzung für die Nutzung dieser Technologie, die es schon seit den 80er Jahren gibt, sind Kenntnisse in CAD und ein Ausgabegerät. Vor allem letzteres soll schon bald nicht mehr das Hauptproblem sein, sieht man sich den Markt an: Billige Geräte sind bereits ab 750 Dollar (rund 530 Euro) zu haben, sagt Harouni. Dass die Technologie bisher vor allem im hochprofessionellen Ingenieursbereich unter Ausschluss der breiten Öffentlichkeit Verwendung fand, liegt ihrer Meinung nach daran, dass kaum jemand CAD beherrscht und auch die bisher teuren Geräte noch nicht verbreitet seien.

Hat man ein Modell am Computer entworfen, wird dieses wie bei einem herkömmlichen File an den Drucker geschickt: "Die CAD-Daten werden in digitale Salamischeiben geteilt, die dann in einer 3D-Druckmaschine aufeinandergelegt werden", so Harouni. So können hochkomplexe Formen hergestellt werden, die sonst nur schwer gebaut werden können. Vorläufige Einschränkung: Die Maschinen können immer nur ein Material auf einmal verarbeiten – Mischformen wie etwa Metall und Glasverbund sind derzeit noch ein Wunschtraum. Dafür sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: "Wir verarbeiten alle Arten von Plastik, Gummi, Metalle, aber auch Keramik, Glas, Schokolade und Zucker", erzählt sie.

"Digital Forming" biete einen Schritt zu einer simpleren Handhabung, um die Technologie zu verbreiten. "Wir ermöglichen es den Menschen, vorgegebene Produkte zu individualisieren, ohne die mühselige Handhabung von CAD beherrschen zu müssen. Die Software macht die Änderungen – etwa bei einer Lampe – automatisch. Wenn man fertig ist, wird der Gegenstand gefertigt und geliefert."

3D-Druck gebe es seit 27 Jahren, sagt Harouni, die an einen Durchbruch der Technologie in den kommenden Jahren glaubt. "Sie wird ohne Zweifel große Auswirkungen auf unser Leben haben." Je ausgefeilter die Drucker, desto komplexere Gegenstände können sie herstellen. Wird es künftig etwa möglich sein, sich die CAD-Pläne für Luxusuhren oder gar Elektronikgeräte aus dem Netz zu laden, und diese daheim zu "drucken"? "So komplexe Gegenstände wird es in naher Zukunft noch nicht geben, aber möglicherweise werden wir in zehn Jahren alle einen 3D-Drucker zu Hause stehen haben", meint Harouni.

Was das für die Designwelt bedeuten kann, lässt sich mit Blick auf die Musikindustrie abschätzen: "Man wird künftig Daten herunterladen können und zu Hause die Produkte daraus fertigen können. Downloads haben die Musikindustrie verändert und werden auch die Designwelt ändern." Letzten Endes werde auch hier eine Demokratisierung durch billigere und verfügbarere Produktionsmittel stattfinden, ähnlich wie in der Musik-, Video- und Fotobranche, glaubt Harouni. (apa)

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