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13.11.2009 Alex Wolschann/apa

E-Books: Statt Boom immer noch "Aufbruchsstimmung"

E-Books sind ein Markt, der in Zukunft immer wichtiger wird. Die Betonung liegt in Österreich dabei auf "Zukunft".

Für einen Moment konnte man fast glauben, dass sich jahrelangen Prophezeiungen eines Booms bei den E-Books nun endlich erfüllt haben: Auf der "Buch Wien" am Wiener Messegelände bildete sich eine lange Schlange freudig gespannt dreinschauender junger Menschen vor jenem Stand-Zusammenschluss, der sich der digitalen Zukunft des Lesens widmet.

Die Teenager wollten dann aber doch nichts über elektronische Bücher oder die dazugehörigen Lesegeräte wissen. Sondern einen jener Luftballons, die eine große Buchhandels-Kette dort verteilte. Im APA-Gespräch waren sich Buchhändler und E-Book-Anbieter einig: Statt eines Booms herrscht bei E-Books immer noch "Aufbruchsstimmung".

Kaum einer zweifelt daran: E-Books (also Bücher, die nicht auf Papier gelesen, sondern auf entsprechenden Lesegeräten angezeigt werden) sind ein Markt, der in Zukunft immer wichtiger wird. Die Betonung liegt in Österreich dabei auf "Zukunft". Das Hauptproblem am Wachstum, da sind sich alle von der APA Befragten einig, ist die Zögerlichkeit der deutschen Verlage, ihre Werke auch als E-Books anzubieten. Hochwertige deutschsprachige Literatur wie etwa Herta Müllers "Atemschaukel" (das zeitweise sogar als Gratis-E-Book angeboten wurde) muss man lange suchen, sagten mehrere der Befragten.

110.000 deutschsprachige Bücher gibt es auf Libreka.de, der Online-Plattform der Deutschen Buchbranche. Doch nur 25.000 davon sind auch für den Verkauf freigegeben, schildert Andreas Gausterer von der KÖBU-Data GmbH, die als österreichischer Partner von Libreka agiert. Daran sind u.a. die Autorenverträge schuld, denn ein Abdruckrecht in Buchform für den Verlag beinhaltet nicht automatisch auch, dass der Autor die Nutzung als E-Book erlaubt. So müssen die Verlage die Rechte von den Inhabern nachträglich einholen. Und sie tun dies eher "zögerlich", sagt Gausterer. Auch viele Autoren sind skeptisch: "Wir nehmen das nicht ernst", sagt Gerhard Ruiss von der IG Autorinnen Autoren im APA-Gespräch. In der derzeitigen technischen Form seien E-Books und ihre Lesegeräte ein "Experimentierfeld für Nichtleser".

Ein weiterer Hemmschuh: In den Verlagen herrscht Angst vor illegalen Raubkopien. E-Books entsprechen in der Dateigröße ungefähr Musikdateien - lassen sich also genauso leicht im Internet kopieren. Die Buchverlage setzen daher "zu 90 Prozent auf DRM" oder digitales Rechtemanagement, das illegale Kopien verhindern soll, so Gausterer. "Man begeht den selben Fehler wie die Musikindustrie anfangs". Dort, im Musikbereich, wurde die Lektion gelernt: DRM wird derzeit immer weniger verwendet, da es die Konsumenten abgelehnt haben. Die Verlage sind "noch nicht so weit".

Noch nicht so weit ist es auch, dass E-Books einen nennenswerten Marktanteil aufweisen. So verzeichnet die Buchhändler-Plattform Buchmedia.at, die 14.000 deutschsprachige E-Books anbietet, 30 bis 50 Transaktionen (also den Download von einem oder mehreren E-Books) - im Monat. Es sei "wichtig, dass man dabei ist", sagte Bettina Wagner von Buchmedia.at im APA-Gespräch. "Man darf dieses Feld nicht nur den Großen überlassen." Die Großen aber gaben sich über Verkaufszahlen zugeknöpft. Der E-Book-Verkauf sei "noch zurückhaltend", sagt Georg Büchner von Morawa zur APA. Genaueres will er nicht preisgeben, nur, dass sich das angebotene Lesegerät von Sony vor allem in Großstädten "sehr gut" verkaufe. Aber "es gibt das Problem der Inhalte, die sind im deutschsprachigen Bereich überschaubar." Er prognostiziert einen "graduellen Anstieg" und eine "Erweiterung des Angebots" - keinen Boom.

Aus urheberrechtlichen Gründen ist der länderübergreifende Verkauf von E-Books auch innerhalb der EU keineswegs leicht, schildert Gausterer. Österreicher sind derzeit etwa von Libreka.de noch vom Kauf ausgesperrt, dies soll sich nach Klärung der betreffenden Rechte im Frühjahr 2010 ändern. Ebenso stellen sich Fragen nach der Buchpreisbindung und nach dem Mehrwertsteuersatz, der auf E-Books erhoben wird. Bücher haben einen verringerten Steuersatz, aber ob das auch für E-Books gelte, müsse noch geklärt werden. Dabei gehe es um die tiefschürfende Frage: "Ist das ein Buch oder nicht?"

Neuen Schwung sollen die E-Books über einen Umweg bekommen. Nachdem der US-Internethändler Amazon.com nun sein Lesegerät "Kindle" auch in Europa anbietet und seine Marktmacht voll hinter dieses Gerät legt, werde der Druck auf deutschsprachige Verlage steigen, das Portfolio auch als E-Book anzubieten, so Gausterer. Und mit dem zu Bertelsmann gehörenden Random House signalisiere derzeit der erste wirkliche Großverlag, sein Angebot flächendeckend als E-Book verfügbar zu machen. Das sei zwar noch nicht ganz spruchreif, so Gausterer. "Wenn das kommt, steigt aber natürlich der Druck auf die anderen Verlage."

Das E-Book "wird kommen", hieß es bereits vor einem Jahr auf der ersten "Buch Wien" am Messegelände. Und auch bei der zweiten Auflage bleibt als Resümee: Über E-Books redet man immer noch in der Zukunftsform.

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