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23.07.2010 Oliver Weiss

Illegale Drucker-Toner-Nachbauten aus China überfluten den Markt

Drucker-Toner-Nachbauten mit falschen Kennzeichnungen aus China bedrohen den heimischen Markt seit mehreren Jahren. Die illegalen Kartuschen werden fälschlicherweise als Recyclingprodukte verkauft, obwohl es sich um Neuherstellungen handelt.

Patentverletzende Drucker-Toner-Nachbauten mit falschen Kennzeichnungen aus China bedrohen den heimischen Markt seit mehreren Jahren. Die illegalen Kartuschen werden fälschlicherweise als Recyclingprodukte verkauft, obwohl es sich um Neuherstellungen handelt. Die europäische Brancheninteressensvertretung ETIRA (European Toner & Inkjet Remanufacturers' Association) schlägt jetzt aufgrund einer neuen Importwelle aus Fernost erneut Alarm.

Dass neben Epson, HP oder Lexmark dieser Tage auch der führende Kartuschen-Hersteller Canon 20 asiatische Firmen wegen Patentrechtsverletzung geklagt hat, unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Lage: Hatte sich der Markt in den vergangenen Jahren aufgrund rechtlicher Schritte bei Tintenpatronen vorübergehend beruhigt, werden nun Billig-Toner-Erzeugnisse chinesischer Firmen Containerweise nach Europa gebracht. Wie einst die Tintenprodukte, sind die patentverletzenden Toner oft als Recyclingmarkenware getarnt. Für den Endverbraucher ist eine Unterscheidung zwischen einem Nachbau und einer recycelten Kartusche eines Markenproduktes nicht ersichtlich.

Christian Wernhart, Präsident der europäischen Interessensvertretung der Recycler ETIRA und Vorstand der Embatex AG in Feldkirchen, fordert sofortige Maßnahmen gegen das widerrechtliche Vorgehen der asiatischen Billiganbieter: "Die falsch gekennzeichneten Waren täuschen den Verbraucher: Im Glauben, ein umweltfreundliches und nachhaltiges Produkt zu kaufen, wird man in die Irre geführt und bekommt einen billigen Nachbau. Sie gefährden auch illegal unseren Absatz, da sie billiger produzieren und die Neuherstellung der qualitativ minderwertigen Kartuschen nur die Hälfte der Zeit beträgt als beim Recycling. Auch die Verfügbarkeit ist bei neuen Produkten, die fälschlicherweise als Recyclingprodukte verkauft werden, unbegrenzt möglich."

Bei der Wiederverwertung hingegen sei man als Recyclingbetrieb zur Verwendung von gebrauchten Originalkartuschen verpflichtet: Dazu muss das Leergut erst gesammelt, und die dafür nötigen Lieferzeiten müssen einberechnet werden. Wernhart schätzt, dass bei einigen Laserdruckern der Marke Brother etwa 30 Prozent der Toner asiatische Nachbauten sind.

Rechtlich ist die Lage klar. "Fraglich ist, wie schnell die unrechtmäßigen Kartuschen tatsächlich vom Markt genommen werden können, und wie schnell die zuständigen Gerichte und Patentrechtseigentümer, nämlich Druckerhersteller, reagieren, um derartige Produkte künftig vom Markt zu halten", so Wernhart weiter. In den USA hat man bereits Abhilfe geschafft: Die unrechtmäßig agierenden Firmen werden auf schwarze Listen gesetzt, sofern eine Klage vorausgegangen ist und diese vom Eigentümer gewonnen worden ist. Erscheinen die illegal hergestellten Produkte daraufhin beim Zoll, werden sie konfisziert. "In Europa gibt es noch kein einheitlich geregeltes Kontrollsystem, um den Import dieser Kartuschen zu verhindern", sagt Wernhart.

Für den Endverbraucher sei eine Unterscheidung zwischen Recyclingprodukt und Nachbau schwer zu treffen: "Man muss schon ein Fachmann sein, um festzustellen, dass es sich um kein Recyclingprodukt handelt. Die Hersteller gehen sogar so weit, dass sie selbst künstliche Kratzspuren auf den Kartuschen anbringen, um einen Wiederverwertungsprozess durch angebliche Abnützungen vorzutäuschen."

Auch Wiederverkäufer und gewerbliche Endverbraucher machen sich unwissentlich strafbar, wenn sie das illegale Druckzubehör an Dritte weiterverkaufen bzw. verwenden. Wernhart rät darum jedem Käufer, auffällig günstige Produkte einer kritischen Beurteilung zu unterziehen: "Wenn der Großteil der Kartuschen sich etwa im gleichen Preissegment bewegt und ein Produkt um ein Drittel billiger ist, kann damit etwas nicht stimmen."

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