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13.02.2012 Frank-Michael Schlede*, Thomas Bär*

Standardlösungen kontra Appliances

Die Firewall- oder E-Mail-Lösung lieber als Appliance anschaffen, oder ganz traditionell aufsetzen? Selbst wenn für viele IT-Bereiche die richtige Anwendung gefunden scheint, gilt es sich noch für die Art der Bereitstellung zu entscheiden. Wir helfen bei der Frage: Standardsoftware oder Appliance?

Der professionelle IT-Einsatz ist ohne die richtige Software für die Anwender nicht sinnvoll. Aber allein der Entschluss, welche Software im eigenen Firmennetzwerk verwendet werden soll, führt zumeist noch nicht zum Ziel: Es gilt zudem zu entscheiden, welche Art der Bereitstellung am besten für die eigenen Einsatzzwecke geeignet ist: Soll die favorisierte Lösung mittels eines Installationsprogramms in der ganz "klassischen Form" auf der eigenen Hardware installiert werden? Oder soll die gewünschte Anwendung in Form einer sogenannten Appliance fix und fertig nach dem "Black-Box"-Prinzip verwendet werden?

Um die Entscheidung noch einmal zu erschweren, haben IT-Verantwortliche und Administratoren häufig auch die Möglichkeit, eine derartige Appliance in Form einer virtuellen Maschine - als Virtual Appliance - in die eigene IT-Infrastruktur zu integrieren. Welche Variante sich schließlich für welche Einsatzzwecke am besten eignet, ist auf den ersten Blick zumeist gar nicht so einfach festzustellen - wir wollen diese Entscheidung mit unserem Ratgeber etwas erleichtern.

DER "KLASSISCHE WEG": SOFTWAREINSTALLATION AUF EIGENER HARDWARE Beinahe jedes heute erhältliche Softwarepaket, von der Office-Anwendung über kleine Tools bis hin zu den großen Server-Programmen, steht den Administratoren heute als klassisches Installations-Paket zur Verfügung. Dabei muss es sich gar nicht unbedingt um eine richtige "Installationsroutine" handeln: Manche Programme werden einfach nur in einen Ordner auf dem Computer gespeichert, so dass die Anwender dann darauf zugreifen können. Im Windows-Umfeld können allerdings nur die wenigsten Programme über ein derart einfaches "Copy & Paste"-Prinzip auf die Rechner gelangen. Der Grund dafür liegt in der Struktur der Windows-Systeme: Gemeinsam genutzte Software-Komponenten, bei denen es sich üblicherweise um DLL- (Dynamic Link Library) oder OCX-Dateien (OLE Custom Control) handelt, stehen allen installierten Programmen auf dem Computer zur Verfügung. Das Windows-Betriebssystem stellt sicher, dass jeweils nur die aktuellste Version einer Komponente vorgehalten werden muss. Soweit zumindest die Theorie - nicht selten sorgt der so entstehende "Mix" von Programmteilen für Probleme. Die hierfür in der IT-Branche gebräuchliche Bezeichnung lautet "Seiteneffekte", in Anlehnung an die "unerwünschten Wirkungen" (Nebenwirkungen) aus der Pharmakologie.

Bevor beispielsweise ein Systembetreuer eine weitere Software auf einem vielgenutzten Terminalserver einrichtet, tut er sicher gut daran, diese Kombination zunächst in einer "geklonten" virtuellen Maschine auszuprobieren. Insgesamt ist es natürlich kostengünstig, mehrere Programme und/oder Server-Dienste auf einer einzigen Hardware zu installieren und zu betreiben. Das gilt aber nur, sofern der Rechner nicht zu hoch ausgelastet ist und die Software-Mischung nicht zu einem erhöhten Support-Aufkommen führt. Die Frage des Supports darf auf keinen Fall unterschätzt werden.

Das folgende, klassische Szenario aus dem Tagesgeschäft zeigt, welche Problematik sich hier schnell ergeben kann: Der Software-Hersteller einer nicht korrekt arbeitenden Lösung beschuldigt den Hardware-Hersteller für das spezielle Problem verantwortlich zu sein. Dieser Hersteller schiebt die Schuld dann wiederum auf den Software-Hersteller oder gerne auch auf die Person, die das Betriebssystem oder die Anwendung installiert hat. Wohl jeder IT-Profi kennt solche Szenarien und wird sie unbedingt vermeiden wollen. Ist das ein Argument gegen die klassische Software-Installation? Wir sind zu der Überzeugung gekommen, dass man es sich nicht so einfach machen kann und stellen die Vor- und Nachteile dieses Weges direkt gegenüber:

VORTEILE, NACHTEILE UND EMPFEHLUNG Vorteile der klassischen Installation im Überblick: • Es besteht geringe Abhängigkeit bei der Wahl und beim Bezug der Hardware-Komponenten. • Die Bereitstellung der Programme durch eine Lösung zur Softwareverteilung ist ebenso • wie die mehrfacher Nutzen der Maschine durch verschiedene Programme möglich. • Das gemeinsame Nutzen von Software-Bibliotheken (beispielsweise müssen DLL-Dateien und andere Bibliotheken nur einmal vorgehalten werden) ist möglich. • Ein flexibles Zusammenstellen der Software nach eigenen Vorstellungen ist ebenfalls machbar. • Diese Art der Installation passt sich exakt den Anforderungen im Unternehmen an und • ermöglicht es, einzelne Software-Teile in einer bestimmten Version vorzuhalten. • Schließlich ein ganz wichtiger Faktor: Der Systembetreuer kennt alle Details des Systems.

Nachteile der klassischen Installation im Überblick: • Gefahr von Seiteneffekten durch die entstehende Software-"Mischung" leicht möglich. • Update einer Software auf einer gemeinsam genutzten Maschine kann andere Applikationen in Mitleidenschaft ziehen. • Betriebssicherheit ist die alleinige Verantwortung der Systemverwalter • Hard- und Software sind möglicherweise nicht optimal aufeinander abgestimmt und • im Supportfall droht Gefahr der gegenseitigen Schuldzuweisung.

Deshalb eigene sich die "klassische Installation" in der Regel gut für: • Standardprogramme mit geringen Leistungsanforderungen und • Standardprogramme, die wenige Anpassungen an der Infrastruktur erfordern. • Kleinere Umgebungen mit klassischen Windows-Anwendungen. • Programme die dem typischen Windows-Update-Service gegenüber "robust" sind (beispielsweise Office-Anwendungen, SharePoint, Hintergrunddienste, Terminal-Services) • Mail-Server wie Microsoft Exchange (genaue Festlegung der RAM- und HDD-Dimensionen / wobei Exchange in kleineren und mittleren Unternehmen optimal in einer VM betrieben werden sollte!) • Experimentelle Installationen, beispielsweise wenn eine iSCSI-Installation auf FreeNAS-Basis auf Standard-PC-Komponenten zum Einsatz kommen soll. • Der herkömmliche Installer ist auch dann die beste Wahl, wenn der Systembetreuer kaum oder keine Erfahrungen mit anderen, häufig komplexeren Verfahren besitzt.

Soll ein Server zudem beispielsweise als Antispam- oder Gateway-Lösung in der DMZ (De-Militarisierte Zone) eingesetzt werden, so werden weitere Kenntnisse vom Administrator verlangt, will er diesen Anforderungen mit einer solchen klassischen Installation genügen: Er muss sich dann nämlich auf das "Härten" eines Betriebssystems verstehen. Gemäß der Definition des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik handelt es sich beim "Härten" um die bewusste Entfernung aller Softwarebestandteile und Funktionen, die zur Erfüllung der vorgesehenen Aufgabe durch das Programm nicht zwingend notwendig sind. Sind diese Kenntnisse in der eigenen IT-Organisation nicht vorhanden, so ist dann möglicherweise der Einsatz fertiger Appliances die sicherere Variante.

ANWENDUNGEN FERTIG IN DER BOX: HARDWARE-APPLIANCES So modern der Begriff "Appliance" auch klingt mag, das was sich dahinter verbirgt ist in der IT schon lange bekannt: Schlie

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