Test: Huawei P10 – ein neuer Gradmesser Test: Huawei P10 – ein neuer Gradmesser - Computerwelt

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23.03.2017 *Luca Diggelmann

Test: Huawei P10 – ein neuer Gradmesser

Nach dem bereits sehr soliden P9 legt Huawei nach: Das P10 soll zum ultimativen Android-Smartphone werden. Und es hat definitiv einige Argumente für sich.

Huawei ist mit dem P10 ein großer Wurf gelungen.

Huawei ist mit dem P10 ein großer Wurf gelungen.

© Huawei

Gute Nachrichten für Fans von weniger gigantischen Smartphones: Das Huawei P10 nutzt den schmaleren Rand neben dem Display nicht dazu, die Displaygröße zu erhöhen, sondern macht das Smartphone ein wenig kleiner. Die 5,1 Zoll des Vorgängers bleiben gleich, was das P10 schmaler macht als die meisten anderen Spitzenmodelle. Für kleinere Hände ist das wahrlich ein Segen. Zusammen mit den abgerundeten Seiten und dem angenehmen Metallrücken liegt das P10 unglaublich gut in der Hand. Wer lieber ein grösseres Display hat, kann mit dem Huawei P10 Plus vorlieb nehmen. Dieses kommt mit einem 5,5-Zoll-Display und vergleichbarer Hardware.

Optisch traut sich Huawei nicht allzu viel, sondern reiht sich zu den anderen Vertretern der Philosophie «Glasfront mit Metallbody» ein. Die andere aktuell populäre Variante wäre «Glasfront, Glasrücken mit Metallrahmen». Am Ende ist es Geschmackssache. Schön: Der «Netzwerkbalken», also das Stück Plastik, durch das die Netzwerkmodule durch den Metallrahmen kommunizieren können, wurde überarbeitet. Sieht jetzt sogar richtig gut aus. Eine Leistung in einer Disziplin, in der viele Hersteller scheitern.

Eine etwas merkwürdige Änderung im Gegensatz zum P9 ist der Fingerabdrucksensor. Dieser wurde von der Rückseite auf die Front verlegt. Je nachdem, wie Sie Ihr Smartphone halten, können Sie den Sensor häufig ungewollt aktivieren und das Smartphone entsperren. Ein Grund für die neue Position liegt in der Navigation durch das EmUI von Huawei.

Bedienung und Interface

Wie bereits bei den Vorgängern kommt auch beim P10 die Benutzeroberfläche EmUI zum Zug. Das standardmässig stark an iOS orientierte Interface hat in den vergangenen Monaten deutlich dazugelernt und bietet jetzt etwas, das gerne zum Standard für alle Interface-Hersteller werden darf: Auswahl.

Statt ein bestimmtes Nutzerverhalten durchstieren zu wollen, setzt Huawei auf Optionen. Beispiel Nummer eins: Standardmässig verwendet EmUI den Startbildschirm für Verknüpfungen und gruppiert die restlichen Apps auf den weiteren Screens auf der rechten Seite, ähnlich, wie das in iOS funktioniert. Allerdings erhält man hier die Wahl, die Android-typische App-Schublade zu verwenden. Damit verliert man einen Platz für eine Verknüpfung auf der Front, die durch die altbekannte Schublade ersetzt wird.

Ein zweites Beispiel ist die Navigationsleiste. Standardmässig verlangt Google drei Softbuttons auf dem Display: «Zurück», «Home» und «Kürzlich verwendete Apps». Huawei hat jedoch ein eigenes System, bei dem der Touch-Homebutton im Fingerabdrucksensor verwendet wird. Tippt man diesen kurz an, geht man einen Schritt zurück. Hält man den Button gedrückt, gelangt man auf den Heimbildschirm. Mit einer Wischbewegung seitlich über den Button öffnen sich die kürzlich verwendeten Apps. Wie schon bei der App-Schublade kann hier frei gewählt werden, welche Option besser passt. Eine solche Auswahl ist immer gut.

Ansonsten verhält sich EmUI wie Android, das optisch eher an iOS angelehnt ist. Glücklicherweise ist von iOS hauptsächlich das Aussehen erhalten geblieben. Die Bedienung orientiert sich vor allem am klassischen Android und ist für bisherige Nutzer problemlos lernbar.

Auch bei den vorinstallierten Apps verhält sich Huawei, zumindest bei unserem Testgerät, sehr gut. Ausgenommen von systemrelevanten Apps wie dem Telefon oder einer SMS-App ist kaum etwas installiert. Auf dem von uns erhaltenen Gerät sind die Apps Facebook, Booking.com, TripAdvisor und Todoist vorinstalliert. Alle vier können komplett deinstalliert werden. Dazu kommen lediglich einige Apps, die nicht unbedingt nötig sind, aber auch kaum auffallen. Beispielsweise die «Spiegel»-App, die schlicht die Frontkamera öffnet. Die paar Kilobyte hat man in der Regel übrig.

Beachten Sie jedoch: Je nachdem, wo Sie Ihr Gerät kaufen, kann die genaue Anzahl und Art der vorinstallierten Apps variieren. Beispielsweise installieren Anbieter wie Swisscom oder Sunrise Apps auf bei ihnen gekauften Smartphones vor. Auch könnte Huawei für den Launch in der Schweiz weitere Deals mit App-Anbietern abschliessen, die sich auf unserem internationalen Testgerät nicht ausgewirkt haben.

Als Basis für EmUI dient Android 7.0 (Nougat). Nicht ganz die neuste Version (aktuell 7.1.1), aber immerhin auf dem neusten grossen Release, wie das bei den meisten Herstellern üblich ist.

Zumindest im Marketing bildet die Kamera das Herzstück des Huawei P10. Wie beim P9 arbeiten die Chinesen mit den Foto-Experten von Leica zusammen, um die Fotos des P10 besser zu machen. Die beiden Kameras nehmen Bilder in Farbe und Schwarz/Weiss auf, wobei die Schwarz-Weiss-Aufnahme weitere Daten wie bessere Details oder Daten für das Nachfokussieren aufnehmen soll. Inwiefern sich das bemerkbar macht, ist schwierig einzuschätzen, da die Funktion immer eingeschaltet ist und somit nicht verglichen werden kann.

Was jedoch mit Sicherheit gesagt werden kann: Die Bilder des P10 sind ausgezeichnet. Keine fotografische Erleuchtung, die DSLRs unnötig macht, aber mit Sicherheit eine der klar besten Smartphone-Kameras aktuell auf dem Markt. Noch wichtiger als die exakte Bildqualität ist für Smartphone-Fotografen sowieso die Frage: Wie schnell und gut funktioniert die App?

Und in dieser Kategorie macht Huawei sehr vieles richtig. Die Kamera ist schnell, zuverlässig und erwischt jeden Moment, den Sie selbst erwischen. Die grundsätzliche Bedienung macht ebenfalls Sinn: Wichtige Funktionen sind am oberen Rand angebracht, spezielle Modi werden per Wisch von links eingeblendet. Optionen per Wisch von rechts. Lediglich einige Bedienelemente sollte Huawei überarbeiten. Beispielsweise wird der Videomodus durch ein winziges X am unteren Rand wieder ausgeblendet. Auch der Wechsel zwischen Front- und Hauptkamera könnte etwas einfacher sein als über ein kleines Knöpfchen am oberen Bildrand.

Für Profis bietet die Kamera des P10 noch einige nette Funktionen: allem voran die manuelle Bedienung. Damit lassen sich beispielsweise Langzeitbelichtungen im Dunkeln durchführen oder die Kamera zu bestimmten Belichtungen verleiten, die sonst durch die Automatik verhindert würden. Die Bedienung im manuellen Modus funktioniert sogar erstaunlich gut.

Eine eher sinnfreie Zusatzfunktion ist der schnelle Schnappschuss. Durch zweimaliges Drücken der Lautstärketaste öffnet sich automatisch die Kamera und schiesst direkt ein Foto, jeweils mit Angabe der dafür benötigten Zeit. Während 0,8 Sekunden fürs Entsperren des P10 und das Schiessen eines Fotos beeindruckend sind, bringt die Funktion eher wenig. Doppeltes Antippen, um die Kamera zu öffnen, sollte reichen, um jeden Moment zu erwischen, dann dafür sogar in korrekter Komposition. Schliesslich ist es meistens das, was beim Fotografieren mit dem Smartphone am längsten dauert.

Wie eigentlich alle Spitzengeräte der aktuellen Smartphone-Hersteller bietet das Huawei P10 alles, was man so brauchen könnte. NFC, Fingerabdrucksensor, einen zweitönigen Blitz, USB-C-Anschluss mit Schnellladefunktion und sogar einen 3,4-mm-Stecker für Audiogeräte. Etwas mässig sind die Lautsprecher des P10. Nicht etwa schlechter als das Gros der Smartphones, aber im Vergleich zu Anbietern mit spezifisch gebauten Lautsprechern wie beispielsweise LG. In Zeiten ausgezeichneter, günstiger Bluetooth-Lautsprecher ist das aber kein allzu grosses Problem mehr.

Die Power im Inneren reicht indes locker aus. In der Geekbench Benchmark lässt das P10 aktuelle Konkurrenten wie das Galaxy S7 locker hinter sich. Keine grosse Überraschung, neun Monate nach dem Release des S7. In einem halben Jahr werden es die dann aktuellen Geräte sein, die an der Spitze liegen. Wichtig für den Nutzer ist vor allem: Das Huawei P10 hat genügend Power für alles, was man so einem Smartphone im normalen Rahmen antut und die Leistung sollte auch für einige Jahre ausreichen.

Länger als beim Vorgänger reicht auch der Akku. Zumindest im Neuzustand. Wir haben das P10 am Mobile World Congress als Haupt-Smartphone für sämtliche Kommunikation und Social Media verwendet und kamen mit einer Akkuladung gut durch den Tag. Gleichzeitig musste ich das private Nexus 5X zwischenzeitlich kurz aufladen. Allerdings: Das Nexus ist bereits 1 ¼ Jahre alt, das P10 brandneu. Wie gut der Akku ein oder zwei Jahre nach dem Kauf durchhält, lässt sich schwer sagen. In heutigen Zeiten darf man ja schon froh sein, wenn das Smartphone nicht explodiert.

Beim Speicher gibt es etwas weniger Auswahl. 64 GB gibt es für das P10. Erweiterbar per microSD-Karte bis 256 GB. Kostenpunkt: rund 700 Euro. Das P10 Plus gibt es mit 128 GB (ebenfalls erweiterbar) für 800 Euro.

Fazit

Huawei ist mit dem P10 ein großartiges Smartphone gelungen. Außer einigen kleineren Interface-Problemen und einem manchmal etwas übermotivierten Fingerabdrucksensor ist dem P10 fast nichts Negatives anzukreiden. Wer sich mit EmUI anfreunden kann, wird viel Freude am P10 haben. Das Gerät läuft flott, hat eine sehr gute Kamera und meistert sämtliche Alltagsaufgaben souverän. Für kleinere Hände ist die Displaygröße von 5,1 Zoll ideal und liegt dank schmalem Rahmen und abgerundeten Seiten samtweich in den Händen. Das alles für rund 700 Euro ist außergewöhnlich.

*Der Autor Luca Diggelmann ist Redakteur von PCTIPP.

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