Die SIM-Karte ist tot – lang lebe eSIM! Die SIM-Karte ist tot – lang lebe eSIM! - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


29.03.2017 *Olaf Acker

Die SIM-Karte ist tot – lang lebe eSIM!

Die Mobile-Nutzung überholt mittlerweile die Desktop-Nutzung – tagein, tagaus nutzen wir unser Smartphone laufend zum Telefonieren, Shoppen, Spielen, News checken und Socialising.

Olaf Acker ist Partner bei Strategy&.

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© Strategy&

Das technische Innenleben interessiert uns dabei wenig, solange nur alles funktioniert. Doch ohne einen kleinen Helfer, der seit vielen Jahren im Einsatz ist, wären die meisten dieser Funktionen unterwegs nicht möglich: die SIM-Karte (Subscriber Identity Module). Egal ob Smartphone oder „einfaches“ Mobiltelefon – die SIM-Karte ist Herzstück unseres mobilen Lebens. Doch das wird sich schon bald ändern, denn sie wird virtualisiert.

Die Zukunft heißt eSIM. Statt einer physischen Karte, die ins Gerät eingesetzt wird, ist eSIM eine Kombination aus integrierter Software und speziellen Apps. eSIM kann als reine Softwarelösung einfach heruntergeladen und installiert werden. Es ist nicht mehr nötig, SIM-Karten zu kaufen und einzusetzen. In den nächsten Jahren wird eSIM in Mobilgeräten und anderen vernetzten Geräten zur neuen Standardlösung – und bringt viele Vorteile für den Konsumenten.

Neue Machtverhältnisse
eSIM schreibt die Spielregeln zwischen Industrie und Kunden neu: Mobiltelefone mit eSIM vereinfachen die Verbindung mit mobilen Netzwerken deutlich, sie wird genauso unkompliziert wie bei WLAN-Netzwerken. Kunden können rasch und einfach zwischen Verbindungen und Tarifen wechseln. Dadurch wächst der Druck auf Anbieter, ihre Angebote attraktiver zu gestalten. Allerdings müssen Kunden beachten, dass ein Wechsel zu einem anderen Tarif über eSIM weiterhin an vertragliche Rahmenbedingungen gebunden ist und eine neue Telefonnummer bedeutet. Daher erwarten wir kein ständiges „Provider Hopping“. Trotzdem wird die leichtere Wechselmöglichkeit das Kundenverhalten beeinflussen und vor allem den Verkauf von Geräten mit zwei SIM-Karten ankurbeln. Heutzutage entscheiden sich Kunden zuerst für ein Netz und einen Tarif, erst dann folgt die Wahl des Endgeräts. Wenn die Verbindung in Zukunft bereits auf dem Smartphone oder Tablet installiert ist, steht die Entscheidung über das Gerät an erster Stelle. Der passende Tarif kann im Anschluss einfach ausgewählt und installiert werden. Die eSIM wird also das mobile Leben deutlich vereinfachen und Nutzer unabhängiger von den Vorgaben der Netzwerkanbieter machen.

Aus für Roaming
eSIM läutet auch das tatsächliche Ende der Roaming-Gebühren ein. Bisher erzielen Netzwerkanbieter noch hohe Einnahmen, wenn zum Beispiel österreichische Touristen am Strand von Thailand online gehen. Doch Nutzer haben in Zukunft im Ausland die Möglichkeit, unkompliziert über das Internet zu günstigen lokalen Anbietern zu wechseln. Spezielle Suchmaschinen, die zum Beispiel ausgehend vom Standort des Nutzers Anbieter vorschlagen, vereinfachen die Suche noch weiter. Auch KMU profitieren davon, wenn ihre Mitarbeiter auf Dienstreise im Ausland lokale Tarife über eSIM nutzen können. Gerade kleinere Unternehmen haben meist keine günstigen Rahmenverträge wie Großkonzerne und können so erheblich Kosten sparen. Außerdem ist es mit eSIM einfacher, neue Tarife unternehmensweit einzusetzen:

Anstatt SIM-Karten an alle Mitarbeiter zu verteilen und zu verschicken (in manchen Fällen mit Risiken des Verlusts oder von Beschädigungen), können diese einfach über das Internet auf allen Geräten installiert werden.

eSIM im Internet of Things
Für den Durchbruch der eSIM in Mobiltelefonen müssen wir uns noch einige Jahre gedulden. Zu den Pionieren der eSIM zählen schon vorher intelligente Anwendungen für Autos, Drohnen, Kameras oder Wearables. Laut Ericsson Mobility Report 2016 werden bis 2021 insgesamt 28 Milliarden Geräte eSIM-fähig sein – und mehr als die Hälfte davon werden Autos, Industriemaschinen sowie andere IoT-Geräte sein. Auch hier sehen wir zahlreiche Vorteile, insbesondere durch den Wechsel von einer physischen Karte zu einer reinen Software-Lösung. IoT-Geräte lassen sich schneller und einfacher miteinander verbinden und aktualisieren. eSIM sprengt auch die physische Grenze des Verkleinerungsprozesses. Kleiner geht nicht mehr, sonst können aktuelle SIM-Karten ihre Funktionen nicht mehr erfüllen. Diese Entwicklungsschranke fällt, ebenso wie der persönliche Einsatz, den ein Kartenwechsel bisher notwendig machte. Denn oft werden IoT-Geräte an schwer zugänglichen Stellen genutzt, wie zum Beispiel auf hohen Masten zur Analyse der Luftqualität oder Verkehrsmessung. eSIMs lassen sich dagegen einfachover-the- air austauschen und aktualisieren.

*Der Autor Olaf Acker ist Partner bei Strategy&.

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