Test: LG G6 Test: LG G6 - Computerwelt

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15.05.2017 *Simon Gröflin

Test: LG G6

Mit einer neuen Display-Größe möchte LG die Smartphone-Welt aufrütteln. Die Vorteile sind theoretisch nicht von der Hand zu weisen.

Das LG G6 kommt mit neuem Seitenverhältnis und Display-Rundungen.

Das LG G6 kommt mit neuem Seitenverhältnis und Display-Rundungen.

© PCTIPP

5,7 Zoll klingt schon sehr groß. Das LG G6 packt diese Diagonale allerdings in ein relativ handliches Gehäuse. Verantwortlich dafür ist vor allem das längere Display mit einem Seitenverhältnis von 18:9, unter Mathe-Profis auch als 2:1 bekannt. Zusammen mit einem schmaleren oberen und unteren Rand resultiert ein Smartphone, das etwa so groß ist wie ein Nexus 5X, allerdings 0,2 Zoll mehr Display bietet und 5,7 Zoll gar nicht mehr so riesig erscheinen lässt.

Äußeres & Bedienung

Der Fokus auf ein großes Display mit wenig Rand fällt sofort auf. Auf der Front ist zunächst fast alles schwarz. Nur die Frontkamera und der Telefonhörer sind auf der oberen Seite zu sehen. Die Lautsprecher wurden an die Unterkante verbannt. Der Ein-/Aus-Button mit Fingerabdrucksensor befindet sich LG-typisch auf der Rückseite. Im Metallrahmen selbst sind neben den Lautsprechern noch der USB-Anschluss (Type-C, unten), der Kopfhöreranschluss (3,5 mm, oben), die Lautstärketasten (links) und der Einschub für SIM und microSD (rechts) angebracht. Die Rückseite ist dem aktuellen Trend entsprechend mit einer transparenten Glasschicht überzogen. Sieht toll aus, zieht aber Fingerabdrücke an und kann bei einem Sturz bersten.

Der Fingerabdrucksensor und der Ein-/Aus-Button sind direkt unter den zwei Kameras auf der Rückseite angebracht. Eine Entscheidung, mit der LG bereits seit einigen Jahren polarisiert. Für den Fingerabdrucksensor ergibt die Platzierung auf der Rückseite durchaus Sinn. Modelle wie die Nexus-Serie platzieren ihre Sensoren am gleichen Ort. Den Knopf aber zum Ein- und Ausschalten des Displays zu verwenden, ist ein wenig gewagt. Erstens lässt sich der Knopf nur in einer spezifischen Handhaltung bequem drücken. Liegt das Smartphone auf dem Tisch, kann das Display nur durch Antippen eingeschaltet werden. Manuell ausschalten geht dann nicht mehr. Durch das Always-on-Display kann immerhin die Uhrzeit abgelesen werden, sofern man diese Funktion denn verwenden möchte.

Insgesamt ist das LG G6 ein äusserst schickes Smartphone mit einem nach wie vor umstrittenen Ein-/Aus-Button. Die geschliffenen Ränder geben dem G6 eine haptische Kontur, ohne zu scharfkantig zu sein. Grösse und Gewicht sind für ein 5,7-Zoll-Gerät ordentlich gering.

Warnung: Lesen Sie den folgenden Abschnitt nicht, wenn Sie sich an winzigen Details, die nicht ganz stimmen, stören und das G6 bereits gekauft haben:

Ein winziger, aber nerviger Punkt bleibt noch: LG hat sich dazu entschieden die Ecken des Displays abzurunden. Allerdings sind die Abrundungen nicht perfekt, sondern um ein, zwei Pixel zu klein. Fällt erst bei genauerem Hinsehen auf, treibt dann aber in den Wahnsinn.

Software

Das LG G6 kommt mit Android 7.0 und einem leichten LG-Überzug daher. Was die Grundelemente angeht, hält sich LG grösstenteils an die Android-Standards. Die grösste Abweichung findet man bei der App-Schublade, die standardmässig fehlt. Über die Optionen kann die Schublade aber aktiviert werden. Dafür muss jedoch ein separater LG-Launcher installiert werden. Der Vorgang dafür ist sehr einfach, aber dennoch ein zusätzlicher Schritt, der nicht wirklich nötig gewesen wäre. Da könnte man auch gleich den Google-Now-Launcher installieren und so dem Stock-Android näherkommen.

In der App-Schublade und den Optionen möchte LG das Scrollen minimieren und arbeitet mit Registerkarten, durch die man seitlich durchwischen kann. Keine schlechte Idee bei einem längeren Display, das bereits viel Platz in der Vertikale bietet. Der zweiteilige Infobalken am oberen Bildrand ist nur optisch ein wenig überarbeitet. Funktional etwa gleich wie bei regulärem Android. Ein Unterschied: Die Optionen der einzelnen Punkte wie WLAN oder Bluetooth erreicht man nicht über einen Tipp auf den Text, sondern über einen langen Fingerdruck.

Bei ebendiesem Infobalken hat LG gut mitgedacht: Durch das längere Display ist der Balken ein wenig weiter weg vom bedienenden Daumen. Dafür hat LG extra einen Button eingebaut, der in die Softbutton-Leiste eingebaut werden kann. Der Knopf öffnet die Infoleiste und schliesst sie mit einem zweiten Druck wieder. Zu den Standardknöpfen «Home», «Zurück» und «Kürzliche Apps» kann die Leiste auch noch um eine Screenshot-Funktion und dem QSlide-Menü erweitert werden. Dieses dient als eine Art Schnellzugriff auf bestimmte Apps. Die Leiste kann bis maximal fünf Buttons erweitert werden. Eine Funktion bleibt also jeweils aussen vor.

Leistung & Ausstattung

Damit die Software auch schön ordentlich läuft, hat LG seinem G6 einen ordentlichen Prozessor verpasst. Ganz neu ist der Qualcomm Snapdragon 821 zwar nicht mehr. Leistung bringt er aber problemlos genug für praktisch alle Anwender. Mit der direkten Konkurrenz von Huawei und Samsung kann das G6 jedenfalls mithalten. Im Vergleich zu Huawei macht das das reine Verhältnis von Preis zu Performance etwas schwächer, im Vergleich mit Samsung dafür besser. Die 4 GB RAM sind aktuell Standard.

Etwas interessanter wird es beim Speicherangebot des G6. In Europa ist das G6 nur mit 32 GB Speicher verfügbar, während es in anderen Breitengraden auch mit grösseren Speichervolumen angeboten wird. 32 GB sind gut für durchschnittliche Nutzer. Für eher stärker Smartphone-affine Nutzer jedoch sehr grenzwertig. Bedenkt man, wie wenig sich App-Entwickler derzeit um App-Größen scheren, könnten die 32 GB in naher Zukunft sogar zu einem Problem werden.

Das G6 lässt sich zwar mit einer microSD-Karte um bis zu 256 GB erweitern, allerdings löst das auch nicht alle Probleme, da viele Apps und Daten schlicht nicht auf eine SD-Karte verschoben werden können und der Vorgang gerade für ungeübte Nutzer zu kompliziert sein kann. Schade ist der kleine Speicher vor allem, wenn man bedenkt, dass es bei Huawei für weniger Geld doppelt so viel davon gibt. Ebenfalls erweiterbar.

Kommen wir zum zentralen Alleinstellungsmerkmal des G6: dem Display. Dieses fällt vor allem durch sein unübliches Seitenverhältnis auf: 18:9 oder 2:1. Im Vergleich zum aktuellen Standard 16:9 ist es also leicht länger und näher am Format von Kinofilmen. Geht es nach LG, träfen sich Filmemacher und Displayhersteller in der Mitte, bei ebendiesem 18:9/2:1 und würden in Zukunft auf dieses mathematisch durchaus sinnvolle Format setzen.

Ein Vorteil des 2:1 nutzt LG mit seinen eigenen Apps: Zwei Apps können in perfekten Quadraten nebeneinander oder übereinander angezeigt werden. Sieht schick aus und ist durchaus praktisch. Allerdings bleibt es fragwürdig, ob sämtliche Filmemacher, Game-Hersteller und andere Content-Ersteller wegen ein paar quadratischen Apps und einem mathematisch schöneren Seitenverhältnis alle ihre Standards über den Haufen werfen. Vielmehr dürfte sich die Mehrheit damit abfinden, dass Multitasking auf dem Smartphone nun mal nicht perfekt quadratisch ist. Auch weil 18:9 auf anderen Geräte wie beispielsweise einem TV oder PC-Monitor weniger Sinn macht als das bewährte 16:9.

Kamera

Was HTC und Apple mit ihren zwei Kameras vorgemacht haben, ist Standard geworden. Auch das LG G6 hat zwei Kameras verbaut. Ähnlich wie beim iPhone handelt es sich dabei um zwei Objektive mit unterschiedlichen Brennweiten. Somit kann das G6 quasi optisch zoomen. Zumindest von einer weiten auf eine engere Brennweite springen. Der Übergang geht dabei absolut fliessend.

Generell ist die Kamera-App von LG sehr clever gestaltet. Je nach Kameramodus erscheint auf der rechten Seite neben dem Auslöser ein anderer Balken, mit dem eine Einstellung verändert werden kann. Im Normalfall handelt es sich um den Zoombalken. Fotografiert man jedoch im «Food»-Modus wechselt dieser auf einen Weissabgleichbalken, da man diesen für Food-Fotografie eher brauchen wird als den digitalen Zoom. Zwischen Front- und Hauptkamera wird wie bei HTC mit Wischgesten vom Rand her gewechselt. Etwas schade ist nur, dass man HDR nur per Menü ein- oder ausschalten kann. Da bleibt man wohl meistens auf dem Auto-Modus.

Qualitativ bietet das G6 etwa, was man erwarten darf. Solide Qualität am oberen Ende des Qualitätsspektrums für Smartphones. Vergleichbar mit den Huaweis, iPhones und Galaxys der Welt. Farblich orientiert sich LG eher an Samsung und legt etwas mehr Sättigung drauf, während Huawei und Apple eher blassere, dafür realistischere Bilder schiessen. Am Ende Geschmackssache. Was LG fehlt, ist ein Schnellstart für die Kamera, bei dem man die Kamera durch schnelles Drücken des Ein-/Aus-Buttons aktivieren kann. Nicht wirklich ein Verlust, aber möglicherweise eine Umgewöhnung für einige.

Fazit

LG ist mit dem G6 ein grundsolides Smartphone gelungen, das durchaus mit der Konkurrenz mithalten kann. Allerdings fehlt dem Gerät ein relevantes Alleinstellungsmerkmal, das es wirklich von den anderen Modellen abhebt. Ein leicht längeres Display mit anderem Seitenverhältnis, für das es kaum Inhalte gibt, ist nicht wirklich überzeugend. Kombiniert man das mit lediglich 32 GB für einen durchaus ansehnlichen Preis, kommt ein Smartphone heraus, das durchaus gut ist, aber noch Luft nach oben hat.

*Der Autor Simon Gröflin ist Redakteur von PCTIPP.

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