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29.10.2017 Simon Gröflin*

Angriff auf das iPhone X: Mate 10 Pro im Test

Huawei will demnächst an die Spitze der Smartphone-Branche. Mit dem Mate 10 Pro könnte das gelingen.

Das 6 Zoll grosse und etwas breitere Mate 10 geht nur in wenigen Märkten wie Spanien an den Start. Das schlanke Mate 10 Pro liegt aber für unser Empfinden eindeutig besser in der Hand.

Das 6 Zoll grosse und etwas breitere Mate 10 geht nur in wenigen Märkten wie Spanien an den Start. Das schlanke Mate 10 Pro liegt aber für unser Empfinden eindeutig besser in der Hand.

© Huawei

Überraschung und Verwirrung an Huaweis Launch-Event in München. Während es letztes Jahr nur das normale "Mate 9" bei uns zu kaufen gab (das Mate 9 Pro wurde später von anderen Händlern importiert), stand schnell fest: Das neue Mate 10 wird in Europa nur in wenigen Märkten wie in Spanien lanciert. Das schlankere Mate 10 Pro, das sich bei den Spezifikationen nur sehr geringfügig vom Mate 10 unterschiedet, wird aber nun global als neues Vorzeige-Smartphone ausgerufen. Und das ist gut so. Das breitere Mate 10 mit nahezu identischer Display-Diagonalen (6 Zoll statt 5,9 Zoll) fühlt sich nämlich deutlich wuchtiger an. Das Mate 10 Pro, das von der Breite her gerade noch so griffig ist wie ein Galaxy S8, vermittelt da mit seinen schmalen Display-Rändern und der mehrschichtigen Glasrückseite eher den Eindruck eines Edel-Zwitters aus der Schmiede von Samsung und HTC.

Während von den Seitenrändern fast nichts mehr vom Gehäuserand übrig bleibt, sind es oben und unten nur noch wenige Millimeter. Einzig den Fingerabdruckscanner hat man bei diesem Modell auf die Rückseite gepflanzt. Huawei hat es dennoch geschafft, den Fingerscanner schön mittig zu platzieren, dass sich das Riesentelefon selbst bei kleinen Händen blitzschnell entsperrt, was es auch tut. Der Rest ist ziemlich schlicht gehalten. Gewöhnnungsbedürftig: Das mehrschichtige Glas an der Rückseite ist je nach Farbton mal mehr, mal weniger spiegelig, dafür aber etwas weniger rutschig als die südkoreanische Konkurrenz. Top: Als erstes Huawei-Smartphone ist das Gerät auch staubdicht und für mindestens eine halbe Stunde wasserdicht (IP67).

Ausstattung
Sehr viele Seitenelemente gibt es auch nicht: Links findet man den Dual-Nano-SIM-Einschub, rechts die Lautstärkewippe sowie die Ein- und Ausschalttaste. Woran man sich gewöhnen muss: Einen Kopfhöreranschluss sucht man vergebens. Es gibt nur noch zwei Möglichkeiten zur Verwendung von Kopfhörern. Entweder man behilft sich eines USB-C-Adapters oder man weicht auf eine drahtlose Bluetooth-Lösung aus. Ein USB-C-auf-Klinke-Adapter ist allerdings im Lieferumfang des Geräts enthalten! Ein netter Pluspunkt ist dagegen der grosszügig dimensionierte Speicher (128 GB), allerdings ohne MicroSD-Slot-Option.

Display
Ungeachtet der Software-Optimierung, von der man bis jetzt noch nicht viel merkt, überzeugt das 18:9-OLED mit der Auflösung von 2160 × 1080 Pixeln mit sehr detaillierten Kontrasten und einer gewaltigen Helligkeit. Wir haben mit einem Galaxy S8 vergleichen und der 6-Zoll-Bildschirm hat trotz geringerer Pixeldichte bei derselben Auflösung ein bisschen mehr Pepp. Das macht sich bei der starken Leuchtkraft und den Farben bemerkbar. Der Bildschirm des Mate 10 Pro ist jedenfalls eine Wucht und reiht sich gleich zwischen dem Note 8 und dem Galaxy S8 ein.

KI
Mit dem Kirin-970-Chip und EMUI 8.0 reagiert das Huawei Mate 10 Pro auch auf Nutzeranforderungen. Das KI-Konzept ist spannend, steckt aber noch ein wenig in den Kinderschuhen. So verbessert eine Objekterkennung auf Wunsch bestimmte Fotoaufnahmen nach angelernten Porträteffekten. Während der Chip samt Akku-Management-System im Hintergrund werkelt, kann das Telefon darüber hinaus auch schlauer werden. Bei der rohen Rechenleistung bemerken wir in den Leistungstests übrigens kaum Unterschiede zum Galaxy S8.

Akku
Etwas enttäuscht und sind wir von der Batterie, die mit den 4000 mAh nach Huaweis Vesprechungen fast zwei Tage ausharren soll. Das trifft aber keinesfalls zu. Die Akku-Power ist nur minim besser als bei einem typischen Akku wie beim Galaxy S8, wenn man von einer ständig aktiven Datenverbindung ausgeht. Das war auch nach mehreren Ladezyklen und einem ersten Software-Update weiterhin der Fall. So muss das Boliden-Phone auch bei Intensivnutzern gegen Abend mit 30 Prozent Restladung ein wenig auftanken, wenn man beim Fernsehen weiterhin seinen notorischen Surf-Gewohnheiten nachgehen will. Mit dem dicken Super-Charge-USB-C-Ladegerät geht das Nachladen dann aber doch sehr zügig. Es reicht eine halbe Stunde für eine 50-prozentige Ladung. Gewöhnungsbedürftig: Die Rückseite des glasigen Phablets, das übrigens ohne Ladeschalentechnik auskommt, wird oft ein wenig warm, unabhängig davon, ob man telefoniert oder ständig mit einem Datennetz verbunden ist.

Kamera
Wie beim P10 kommt bei Huaweis Mate 10 Pro ein Dual-Kamera-System mit einer 12-Mpx-RGB-Kamera und einer Monochrom-Kamera mit 20 Megapixeln zum Einsatz. Das Schwarz-Weiss-Modul dient wieder zur Verbesserung der Schärfe und Belichtung und kann vor allem bei Porträtaufnahmen seine Stärken mit künstlich erzeugter Hintergrundunschärfe ausspielen. Im Test überzeugten uns vor allem Nahaufnahmen, aber auch dunkle Szenarien mit wenig Artefakten. Der Gesamteindruck ist aber auch bei verschiedenen Tagesbedingungen sehr scharf und authentisch. Dank der Doppellinsen braucht man bei spontanen Schnappschüssen praktisch keinen Instagram-Filter mehr. Kurz. Die Kamera des Mate 10 Pro ist hervorragend, besonders überzeugt die Low-Light-Fähigkeit mit der grossen ƒ/1.6-Blende. Gegenüber dem Note 8 stellen wir fast keine Qualitätsunterschiede fest.

Das Mate 10 Pro ist ab dem 20. November als Dual-SIM-Variante rund 850 Euro erhältlich und kann bereits vorbestellt werden.

Fazit
Nach dem ausführlichen Test des Mate 10 Pro fällt auf, dass die Software an einigen Stellen noch nicht ganz fertig ist. Allerdings hat uns das Huawei auch bei der Herausgabe des Testgeräts so kommuniziert. So funktioniert beispielsweise auch der neue Bild-in-Bild-Modus in Android 8.0 Oreo noch nicht richtig und die vollmundig angepriesenen, langen Akkulaufzeiten entsprechen nicht den Erwartungen. Hingegen überraschen die Kamera, der Bildschirm und die Top-Verarbeitung – und das noch unter der 1000-Franken-Grenze.

*Der Autor Simon Gröflin ist Redakteur von PCTIPP.

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