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23.02.2012 :: Printausgabe 04/2012 :: Alex Wolschann/idg

Neue Hoffnung im verschlafenen Markt

Das Nokia Lumia 800 ist das aktuelle Flaggschiff der Windows-Phone-Reihe von Nokia. Das Smartphone soll die Aufholjagd am Markt gegen Apple und die Android-Gemeinde anführen. Bei der Business-Tauglichkeit mangelt es noch etwas. Ein Test.

Sofern beim Handy-Kauf der erste Eindruck entscheidend ist, kann das Nokia Lumia 800 hier voll punkten. Das Gerät hebt sich mit seinem aus Polycarbonat gefrästen Unibody-Gehäuse von der Masse an iPhone-Klonen ab. Die Vorderseite besteht fast vollständig aus dem leicht gewölbten Bildschirm aus Gorilla-Glas, physische Tasten fehlen völlig. Auf der Rückseite sitzt mittig in einer Chrom­blende angebracht die acht-Megapixel-Kamera von Carl Zeiss samt Doppel-LED-Blitz. Einen Akkudeckel sucht man vergeblich, der Akku ist fest verbaut. Mit seinen Abmessungen von 116x61,2 Millimeter liegt das Smartphone auch gut in der Hand, auch die Dicke von 12,1 Millimetern stört nicht.

Den hochwertigen Eindruck trüben indes die seitlich angebrachten Tasten, die nicht nur scharfkantig sind, sondern weit aus dem Gehäuse herausragen. Auch Nokia scheint dieses Defizit erkannt zu haben, da dem Lumia 800 eine kostenlose Schutzhülle aus Gummi beiliegt. Das Smartphone verliert so aber viel von seiner Eleganz. Was die Hardware angeht, hat es Nokia aufgrund der strengen Vorgaben von Microsoft nicht leicht. Immerhin ist das Lumia 800 mit seinem 1,4-GHz (Single-Core-)Prozessor von Qualcomm mit Hardware-Beschleunigung und Grafik-Prozessor auf Höhe der Zeit. Auch in der Praxis reichen die Motorisierung und selbst 512 MB Arbeitsspeicher völlig aus, um mit Windows Phone 7.5 in jeder Lebenslage zurechtzukommen.

Zu den Highlights gehört sicher das AMOLED-Clear-Black-Display. Die Kernwerte mit 3,7 Zoll Bildschirm-Diagonale bei einer Auflösung von 480x800 Pixeln lösen nicht gerade Begeisterung aus. Das Display lässt sich aber selbst im Freien und bei direkter Sonneneinstrahlung gut einsehen. Die Kamera liefert solide Bilder und eignet sich für mehrere Schnappschüsse hintereinander. Videos schießt das Lumia 800 aber mit maximal 720p (1280x720 Pixel) Auflösung und ist damit nicht auf den neuesten Stand (1080p). Zu bemängeln ist außerdem eine fehlende Frontkamera für Videotelefonate, zumal bereits andere Windows Phones damit ausgestattet sind und eine Skype-Version in Arbeit ist.

MEHR SPEICHER NUR ONLINE Auch die übrigen Hardware-Features sind nicht berauschend. So beträgt der interne Speicher 16 GB und kann mangels MicroSD-Kartenunterstützung nicht erweitert werden. Microsoft bietet allerdings 25 GB im Skydrive, was solide Internetverbindung voraussetzt. Bilder werden beim Upload heruntergerechnet.

Der Akku ist mit einer Kapazität von 1450 mAh angemessen, muss aber auch wie bei der Konkurrenz jeden Tag aufgeladen werden. An Verbindungen unterstützt das Lumia 800 WLAN, Bluetooth 2.1 sowie HSDPA+ mit 14,4 Mbit/s Durchsatz. Auf Extras wie NFC oder HDMI zur Wiedergabe von Multimedia-Inhalten auf einem Fernseher wurde dagegen verzichtet. Beim Lumen 900, das im Laufe des Jahres kommen soll, wird LTE hinzugefügt.

Auch bei der Software tut sich Nokia schwer, eigene Akzente zu setzen. Echtes Alleinstellungsmerkmal besitzt dabei nur Nokia Navigation. Der Nutzer kann sich kostenlos Karten aus zahlreichen Ländern rund um den Globus auf sein Smartphone laden. Die Navigation erfolgt Offline.

Zwar hat Microsoft mit seinem Mango-Update zahlreiche Schwachpunkte von WP7 ausgebessert, dennoch handelt es sich noch immer um eine junge Plattform mit ihren Höhen und Tiefen. Insbesonders im Enterprise-Umfeld fehlt Windows Phone noch die nötige Reife, vermisst werden hier vor allem die vielfältigen Sicherheits- und Verwaltungsfunktionen, wie sie das Vorgängersystem Windows Mobile bot. Was die Benutzerführung anbelangt, lässt sich Windows Phone deutlich intuitiver bedienen wie der Vorgänger oder auch Symbian.

SYNERGIEEFFEKTE Microsoft hat bei der Gestaltung des Betriebssystems nicht die anderen Bereiche aus dem Auge verloren. Die enge Verknüpfung mit Bing oder Xbox 360 ist noch zu tolerieren. Problematisch wird es, wenn das System nach der geforderten Eingabe der Windows Live ID ungefragt Inhalte aus dem Hotmail- oder Windows-Live-Konto synchronisiert oder man mit Version 7.5 plötzlich keine Office 97-2003-Dokumente mehr bearbeiten kann.

Ansonsten hat Windows Phone sicher mehr Beachtung verdient, als es aktuell bei unter zwei Prozent Marktanteil der Fall ist. Die Metro-Benutzeroberfläche mit ihren Live-Tiles auf dem Startbildschirm und den locker gestalteten Themen-Hubs mag zwar nicht jeden Geschmack treffen, stellt aber eine gelungene Alternative zu iOS und Android dar. Zwar finden sich im Windows Marketplace for Mobile fast 450.000 Apps, die Auswahl ist jedoch eingeschränkt. Auffällig ist auch, dass nur einige Apps an das Metro-Design angepasst sind – ein Zeichen, dass sie nicht extra für Windows Phone entwickelt, sondern einfach portiert wurden. Gemessen an der kurzen Entwicklungszeit hat Nokia mit dem Lumia 800 ein doch sehr ansprechendes Ergebnis hervorgebracht. Dennoch wird es das Gerät angesichts des aktuellen Wettrüstens am Markt schwer haben. Zumal der Preis mit 500 Euro nicht gerade niedrig angesetzt ist.

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