Start-up bringt Leben in die Buchbranche Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


14.12.2011 Marion Fugléwicz-Bren

Start-up bringt Leben in die Buchbranche

Wer sein iPhone kurz schüttelt, bekommt von "Snippy" per Zufall eine von zahlreichen Kurzgeschichten vorgeschlagen.

Eine Kurzgeschichten-App fürs iPhone namens Snippy wurde kürzlich zum innovativsten Start-up der Buchbranche gewählt. André Hille, Verleger und Geschäftsführer von Snippy, schreibt selbst, betreibt eine Autorenschule und ist Dozent am Mediacampus Frankfurt.

Was kann Snippy und wer soll die App anwenden? Die App bringt Kurzgeschichten auf Smartphones und ist für alle geeignet, die Geschichten zum Lesen und Hören mögen, etwa im Zug, unterwegs oder abends im Bett. Snippy bringt Kurzgeschichten aller Genres und Zeiten auf Smartphones, vom Mittelalter über moderne Klassiker, Gegenwartsautoren bis hin zu unentdeckten, jungen Talenten. Momentan sind etwa 130 Geschichten zwischen zwei und 70 Minuten in der App. Jede Woche kommen zwei neue hinzu. Der Clou: Alle Texte kann man lesen und hören!

Mit solchen Apps werden auch Kids und Teenager zukünftig mehr lesen. Sind auch andere literarische Formen für Snippy geeignet? Poesie könnte etwa – mit der Vorlesefunktion – zu neuer Breitenwirkung gelangen? Absolut. Genau das ist der Punkt. Der Inhalt hat sich schon immer neue Datenträger gesucht. Die Papyrusrolle oder das per Feder kopierte Buch waren auch nichts anderes als Datenträger. Technische Entwicklungen machen neue Lese-Erfahrungen möglich, wie etwa der Buchdruck. Nichts anderes passiert heute mit der Digitalisierung, deshalb halte ich überhaupt nichts von Kulturpessimismus. Die neue Technik bietet uns wunderbare Möglichkeiten, etwa in der Verknüpfung von Audio, Text und Bild, und macht Texte einer größeren Masse zugänglich.

Kann man sich mit Snippy auch eigene Kurzgeschichten aufs Phone laden? Bebildert und musikalisch angereichert? So weit ist es noch nicht, aber wir entwickeln die Funktionalität von Snippy stetig weiter. Und genau so etwas haben wir auch im Blick, wobei sich hier immer die wichtige Frage der Qualitätskontrolle stellt. Setzt man auf Masse und lässt alles durchgehen oder schaltet man einen Filter zwischen? Masse macht auf Dauer stumpf.

Was ist das Geschäftsmodell hinter Snippy und wer hat es entwickelt? Die Geschäftsmodelle in diesem Bereich haben ungefähr eine Halbwertszeit von vier Wochen. Mein Geschäftspartner und ich verfahren nach dem Trial-and-Error-Prinzip. Derzeit bieten wir eine kostenlosen Lite-Version, die sehr guten Zuspruch findet und eine Vollversion, die noch 2,99 Euro kostet, bald als Flatrate aber teurer wird. Dafür kann man demnächst in der Lite-Version auch einzelne Geschichten und Geschichtenpakete für 79 Cent kaufen. Ich glaube, die Leute geben lieber zehn mal 79 Cent aus als einmal 7,90 Euro. Als zweites Standbein bieten wir unser System auch Verlagen als günstige System-Lösung an. So können Verlage zu guten Konditionen ihre Marke in den App- oder Android-Store transportieren.

Es gibt unzählige Innovationen in der digitalen Welt, darüber werden auch Kongresse für Neues Publizieren veranstaltet – werden Autoren in Zukunft anders schreiben als bisher? Teilweise. Ich denke, neue Technologien erzeugen auch neues Schreiben; die Welt wird fragmentarischer, alte Strukturen und Beziehungen, etwa zwischen Autor, Verlag, Buchhandel und Leser, brechen auf. Der Kontakt des Autors zum Publikum wird direkter. Daher werden von Autoren heutzutage immer stärker auch andere Fähigkeiten jenseits des Schreibens verlangt. Trotzdem bin ich überzeugt, dass Autoren eine große Zeit bevorsteht; Geschichten halten unsere Welt zusammen. Sie müssen nur gut sein.

Wo steht die Verlagsbranche heute bezüglich der neuen Publikationsformen? An einem Wendepunkt, nur viele wollen das nicht wahrhaben. Sich zu ändern, kostet Kraft und birgt das Risiko, zu scheitern. Sich nicht zu ändern, birgt ebenfalls ein Risiko, meines Erachtens nach das höhere. Deshalb würde ich als Verlag offen sein für Neues, sachte aber beharrlich neue Wege beschreiten, ohne die alten Umsatzbringer zu vernachlässigen.

Das Gespräch führte Marion Fugléwicz-Bren, freie Autorin in Wien.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema


Hosted by:    Security Monitoring by: