Steve Jobs ist tot, Apple bleibt Detail - Computerwelt

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06.10.2011 apa/Christof Baumgartner

Steve Jobs ist tot, Apple bleibt

Der Mitbegründer von Apple, Steve Jobs, ist tot. Der 56-Jährige sei friedlich im Kreise seiner Familie gestorben, teilten die Angehörigen am Mittwoch in San Francisco mit. Der seit langem an Krebs leidende Jobs hatte Ende August den Chefposten des Hightech-Konzerns an Tim Cook abgegeben.

Steves Brillanz, seine Leidenschaft und Energie waren der Quell zahlloser Innovationen, die das Leben von uns allen bereichern und verbessern, erklärte der Verwaltungsrat des Unternehmens. Sein Nachfolger Cook würdigte seinen Mentor als "kreatives Genie". US-Präsident Barack Obama und seine Ehefrau Michelle zeigten sich "betrübt" über die Todesnachricht. "Die Welt hat einen Visionär verloren", hieß es in der Erklärung des Präsidenten. Jobs' Einfluss auf die Welt werde noch viele Generationen anhalten, würdigte Microsoft-Gründer Bill Gates den Verstorbenen in einer Erklärung.

Jobs hatte bei seinem Rücktritt im August erklärt, er habe stets gesagt, dass er diesen Schritt vollziehen werde, sobald er merke, dass er seine Aufgaben als Firmenchef nicht mehr erfüllen und den Erwartungen nicht mehr gerecht werden könne. Er übergab seinen Apple-Chefposten an Cook und übernahm selbst den Vorsitz des Verwaltungsrates. Jobs war 2004 an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt; vor zwei Jahren musste er sich einer Lebertransplantation unterziehen.

Am Mittwoch Abend erschien auf der Internetseite von Apple die Todesnachricht. Die Startseite zeigte zunächst nur ein großes Bild des langjährigen Chefs mit den Lebensdaten 1955 und 2011. Später richtete Apple ein elektronisches Kondolenzbuch ein. Auf die Adresse RememberingSteve@Apple.com können Fans aus aller Welt Beileidsnachrichten schicken.

BEWEGTE GESCHICHTE In der Garage seiner Eltern hatte Jobs 1976 als 21-Jähriger zusammen mit seinem fünf Jahre älteren Freund Steve Wozniak die Firma Apple Computer gegründet. Das Duo entwickelte den Macintosh-Computer, ging jedoch 1985 im Streit auseinander. Jobs wurde Chef der Animationsfilm-Studios Pixar, mit Apple ging es daraufhin bergab. 1997 rief der Konzern den Mitgründer zurück und entwickelte seither zahlreiche Geräte, die durch ihr innovatives Design bestachen. Auf den Computer iMac folgte 2001 der iPod, der zum meistverkauften digitalen Walkman der Welt wurde. Auf das Smartphone iPhone folgte zuletzt der Tablet-Computer iPad.

Nach einer langen Zeit als Single, in der er auch eine Affäre mit der Folk-Sängerin Joan Baez hatte, heiratete Jobs 1991. Er hinterlässt neben seiner Frau Laurene vier Kinder, darunter eine Tochter aus einer vorehelichen Beziehung.

MARKE AUCH OHNE JOBS STARK Trotz des Todes von Steve Jobs dürfte Apple seine starke Markenposition nicht verlieren. Jobs sei für Apple der mysteriöse Innovator gewesen, über den man wenig wusste, was viel zum Mythos Apple beigetragen habe, so Reinhard Mittermaier von der Wiener Markenforschungsagentur marketmind am Donnerstag im Gespräch mit der APA

"Bei Apple hat alles einen starken Namen, das beginnt beim iPod und geht bis zum iPad". Apple sei es durch sein geniales Marketing gelungen, mit den "i"-Produkten Kultstatus zu erlangen. Steve Jobs habe für Apple nicht zuletzt aufgrund des Medienrummels um seine Person eine große Bedeutung gehabt, so Mittermaier weiter. Jobs hat in den 1970er-Jahren die Initialzündung gegeben und in den 1990ern mit seiner Rückkehr vor dem Untergang bewahrt. Von da an ging es bergauf, bis das Unternehmen 2011 Platz eins auf der Liste der wertvollsten Marken der Welt von Millward Brown stand. Mittermaier vergleicht Steve Jobs mit Persönlichkeiten wie August Horch, Gründer der Marke Audi. Auch Horch sei mit der Marke Audi eng verknüpft gewesen. Allerdings sei Jobs eine Dimension größer einzuordnen als Horch. Trotz allen Medienrummels wisse man wenig über Jobs, so Mittermaier, das habe geholfen, einen Mythos zu kreieren.

LETZTER HELD DES SILICON VALLEY Jobs' Nachfolger Tim Cook habe es nun in der Hand, die Markenwerte hochzuhalten. Letztlich kaufen, so Mittermaier, die Kunden nicht Steve Jobs, sondern die Apple-Produkte mit ihren Innovationen und ihrer Verwendbarkeit im Alltagsleben. Bei Apple sei das Marketing alles, darin sei der Konzern auch über die Maßen erfolgreich. "Viele junge Menschen sagen bereits iPod, wenn sie einen mp3-Player meinen. Apple ist es damit gelungen, ganzen Produktkategorien sein Branding aufzudrücken", so Mittermaier. Das halte er auch für die Stärke der Marke. Apple habe seiner Ansicht nach beste Chancen, seinen starken Markenwert zu erhalten. Schließlich seien neue Produkte von langer Hand geplante Innovationen eines Technologiekonzerns mit hohem Know-How.

Gerit Götzenbrucker, Assistenz-Professorin am Wiener Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, sieht die Produkte von Apple hingegen sehr stark an "die Marke Steve Jobs" gekoppelt. "Er war quasi der letzte Held des Silicon-Valley, ein richtiger Robin Hood am Anfang", so Götzenbrucker zur APA. "Mit ihm stirbt ein total wichtiger Motor in dieser Entwicklung." Sie bezweifelt, dass der vor wenigen Wochen als neuer CEO präsentierte Cook diese "großen Fußstapfen" füllen kann.

Ähnlich bewertet der deutsche Kommunikations- und Designberater Peter Zec die Rolle von Jobs für das Unternehmen Apple. "Das kann gar nicht überbewertet werden", so der Präsident des internationalen Dachverbandes der Industriedesigner. "Bei Design geht es immer um Entscheidungen und in der Regel werden diese nicht von den Designern, sondern vom Vorstand getroffen. Daher spielt es eine große Rolle, wenn der Chef ein entsprechendes Designverständnis und Vorstellungen hat." Jobs war seiner Ansicht nach bei Apple "die einzige Autorität, deshalb gab es keine Kompromisse". Er würde dem US-Unternehmen raten, die von Jobs entwickelten Prinzipien weiterzuführen, ohne ihn zu imitieren, wie er der APA erklärte. "Die Keynote von Cook beispielsweise erinnerte zu sehr an Jobs, aber er ist natürlich weit davon entfernt, er zu sein."

Die Produktsprache von Apple bezeichnete auch Thomas Geisler, Kustos für Design am Wiener MAK, als "prägend für diese Dekade". Viele hätten bereits versucht, diese formal nachzuvollziehen. Aber letztlich brechen Apple und dessen Erfolg "nicht völlig in sich zusammen, wenn die Figur Jobs fehlt", so Geisler im APA-Gespräch. Währenddessen reißt der Strom an Beileidsbekundungen im Internet nicht ab. Auf Twitter posten im Sekundentakt Menschen ihre Gedanken, folglich ist auch der Hashtag #iSad derzeit klar Nummer Eins bei den weltweiten Trends. (apa)

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