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24.08.2011 Christof Baumgartner/idg

Google sucht die Patentlösung

Google kauft die Mobilfunksparte von Motorola, um seine Plattform Android besser vor Patentklagen schützen zu können.

Fast wie aus heiterem Himmel kam die Nachricht, dass Google den amerikanischen Handyhersteller Motorola Mobility für 12,5 Milliarden Dollar (rund 8,8 Milliarden Euro) kaufen will. Mit der Übernahme will Google laut der offiziellen Erklärung sein Patentportfolio stärken, um das hauseigene Smartphone-Betriebssystem Android besser vor wettbewerbsschädlichen Angriffen von Apple, Microsoft und andere Unternehmen zu schützen. Die Akquisition ändere jedoch nichts an der Verpflichtung, Android als offene Plattform zu betreiben. Motorola bleibe weiterhin Lizenznehmer von Android und werde als unabhängiges Business weitergeführt, so CEO Larry Page im Google-Blog. Unterm Strich werde die Kombination von Google und Motorola nicht nur Android Auftrieb geben, sondern auch den Wettbewerb fördern und den Konsumenten eine beschleunigte Innovation und eine größere Auswahl ermöglichen, so Page.

17.000 Patente Neben den 20.000 Motorola-Mitarbeitern stehen also die rund 17.000 Patente und 7.500 Patentanträge im Zentrum des Deals. Der Internet-Riese stand unter Zugzwang, nachdem er erst vor kurzem bei einem Bieterrennen um Nortel-Patente gegen Apple und Microsoft den Kürzeren gezogen hatte. Berichten zufolge soll unter anderem auch Microsoft Interesse an Motorola Mobility gezeigt haben, allerdings nur an den Patenten, ohne das Hardwaregeschäft. Innerhalb der Mobilfunkbranche tobt gerade eine Patentschlacht, die zu einem großen Teil von Apple angefeuert wird. Der iPhone-Hersteller wehrt sich auf diese Weise gegen die Produzenten von Android-Handys und Tablets, die sich ihrerseits mit Gegenklagen wehren. Aktuell versucht das taiwanesische Unternehmen HTC die Einfuhr von iPhones, iPads und Mac-Computern in die USA stoppen zu lassen. Von Analysten wird der Deal weitgehend positiv bewertet: IDC sieht durch den neuen Mutterkonzern gute Chancen für die Weiterentwicklung von Motorola Mobility. Google wiederum habe durch das Patentportfolio die Möglichkeit, Klagen erfolgreich abzuwehren. Interessant sei in Hinblick auf Google TV auch der Aspekt, dass das Unternehmen mit Motorola auch den Bereich Settop-Boxen erhalte. IDC sieht aber auch die Möglichkeit, dass andere Marktteilnehmer, insbesondere Microsoft und Nokia, von der Übernahme profitieren werden. Samsung, HTC und Sony Ericsson könnten ihren Fokus auf andere Plattformen richten, um ihre Abhängigkeit von Android zu reduzieren, wobei auch Windows Phone ins Spiel komme. Letztendlich glauben die Analysten von IDC aber nicht, dass Google Android abschottet oder nur noch exklusiv für Motorola verfügbar macht. Erklärtes Ziel Googles sei es, über die Android-Plattform die Umsätze im mobilen Umfeld zu steigern und nicht Lizenzerlöse zur primären Einnahmequelle zu machen. Gartner-Analyst Philip Redman wiederum verweist darauf, dass in der Mobilfunkindustrie das Szenario, gleichzeitig Partner und Wettbewerber zu sein, noch nie geglückt sei. Interessanter ist für ihn jedoch die Frage, wie die Carrier auf den Deal reagieren. Diese sehen in Google zunehmend einen Rivalen, der am liebsten auch noch das Content-Delivery übernehmen würde. Nach Meinung von Nokia-Chef Stephen Elop gefährdet die Übernahme die anderen Android-Produzenten. »Wäre ich ein Android-Hersteller oder Mobilfunkbetreiber, irgendein in dem Bereich Tätiger, würde ich zum Telefon greifen und bestimmte Vorstände von Google anrufen und sagen: Ich sehe Anzeichen von Gefahr«, wird Elop zitiert. An der Börse kommt der Deal auch nicht so gut an. Die Ratingagentur Standard & Poor‘s (S&P) hat seine Empfehlung für die Google-Aktie von »Kaufen« auf »Verkaufen« geändert.

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