Wieder Diskussion um Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk Wieder Diskussion um Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk - Computerwelt

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12.06.2012 Rudolf Felser

Wieder Diskussion um Gesundheitsgefährdung durch Mobilfunk

Der WBF (Wissenschaftlicher Beirat Funk) trat Ende Mai zusammen, um eine aktualisierte Bewertung der Studienlage zum Thema "Mobilfunk und Gesundheit" zu treffen. Die Experten sind der Meinung, dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft vom Mobilfunk keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ausgeht. Gabriela Moser, Telekom-Sprecherin der Grünen, ist da aber ganz anderer Meinung.

© Robert Müller / pixelio.de

Wie auch in den Jahren zuvor, trat der WBF (Wissenschaftlicher Beirat Funk) als Beratungsgremium des BMVIT Ende Mai zusammen, um eine aktualisierte Bewertung der Studienlage zum Thema "Mobilfunk und Gesundheit" zu treffen. Nach eingehender Prüfung von 123 wissenschaftlichen Studien, die von Februar 2011 bis Jänner 2012 veröffentlicht wurden, kamen die Experten einer Aussendung zufolge einhellig zu der Auffassung, dass nach derzeitigem Stand der Wissenschaft vom Mobilfunk keine Gefährdung der menschlichen Gesundheit ausgeht - die Einhaltung der Grenzwerte vorausgesetzt.

"Wir haben in unserer bisherigen Arbeit insgesamt rund 600 Studien zum Thema beurteilt. Und wir beobachten von Jahr zu Jahr verstärkt die Entwicklung, dass alte Daten immer wieder neu aufbereitet werden. Statt durch neue Forschungen neue Daten zu liefern, werden immer mehr Übersichtsartikel und Meta-Analysen veröffentlicht", zeigt sich Strahlenphysiker Univ.-Prof. DI Dr. Norbert Vana, Professor i.R. an der TU Wien und Vorsitzender des WBF, mit dem herrschenden wissenschaftlichen Ehrgeiz wenig zufrieden. 

Erneut wiederholt der WBF seine Forderung nach intensiveren Forschungs-anstrengungen - vor allem zu Langzeiteffekten sowie speziell auch auf dem Gebiet der Kindergesundheit. Dazu Univ.-Prof. Dr. Gerald Haidinger (Medizinische Universität Wien, Zentrum für Public Health, Abteilung Epidemiologie): "Anstelle der bisher vor allem retrospektiv durchgeführten Studien (ökologische Studien, Querschnittstudien und Fall-Kontroll-Studien) würde ich mir - prospektive - Kohortenstudien wünschen, in deren Rahmen eine größere Anzahl gesunder Menschen über einen längeren Zeitraum beobachtet wird, um bei dann auftretenden Erkrankungen eine Analyse der auslösenden Faktoren vornehmen zu können. Solche Studien lassen - bis auf wenige Ausnahmen - bislang leider auf sich warten!"

Objektive wissenschaftliche Informationen reichen - laut Vana - nicht aus, um Bedenken und Ängsten gegenüber dem Mobilfunk zu begegnen. Es sind die konkreten praxisorientierten Informationen, die den Menschen Sicherheit geben. "Vermeiden Sie Handytelefonate in U-Bahnen und geschlossenen Räumen sowie - laut einer aktuellen Studie - in der Nähe von eckförmigen baulichen Metall-konstruktionen. Das sind alltagstaugliche Ratschläge, um die Exposition etwas zu reduzieren. Mit solchen Ratschlägen können die Leute praktisch etwas anfangen", so Vana.

GRÜNE: VERHARMLOSUNG

"Die heutige Präsentation des sogenannten Wissenschaftlichen Beirats Funk (WBF) über Forschungen zum Thema Mobilfunk und Gesundheit des letzten Jahres setzt das Verharmlosungskonzert der letzten Jahre nahtlos fort. Einmal mehr wird bestätigt, dass weder beim Zusammenhang von elektromagnetischer Strahlung und Krebs noch bei der Beeinträchtigung des menschlichen Erbguts wissenschaftliche Entwarnung gegeben werden kann. Trotzdem wird im PR-Begleitkonzert auf verantwortungslose Weise verharmlost und die Sachlage dermaßen 'begradigt', dass sich die Balken biegen. Erst vor kurzem hat die Weltgesundheitsorganisation WHO den Mobilfunk bezüglich Krebs-Gefahr hinaufgestuft. Der WBF ignoriert dies aber. Ein Gremium, das die Verkehrsministerin eigentlich objektiv beraten soll, aber so tendenziös fuhrwerkt, trägt nichts zur Problemlösung bei und ist mitsamt seinen Kosten für die SteuerzahlerInnen überflüssig", urteilt Gabriela Moser, Telekom-Sprecherin der Grünen, per Aussendung. 

"Ich halte es auch für unerträglich, dass im WBF Akteure prominent tätig bleiben, die aktiv in den Skandal um angebliche Mobilfunk-Studienfälschungen an der Medizin-Uni Wien verwickelt waren und dabei versucht haben selbst karrieretechnisch profitieren zu können. Wie inzwischen geklärt ist, waren das unhaltbare Vorwürfe, die aus wenig ethischen Motiven getätigt wurden. Das ist eine peinliche Blamage für die vorgeblichen Apostel der wissenschaftlichen Ethik, die nun im WBF über zu wenig mutige Forschung jammern. Bundesministerin Bures wäre gut damit beraten, den WBF abzuschaffen, statt weiterhin zuzulassen, dass das Thema auf diese fragwürdige Art und Weise betreut wird. Die freiwerdenden Mittel könnten in die Entwicklung von zeitgemäßen Regelungen für vorsorglichen Gesundheitsschutz und Anrainerrechte bei Mobilfunkanlagen, sowie  in substanzielle kritische Forschung weit besser investiert werden", so Moser weiter.

FMK WIDERSPRICHT

Margit Kropik, Geschäftsführerin des Forum Mobilkommunikation,ist mit Mosers Aussagen nicht einverstanden: "Das ist in zweierlei Hinsicht falsch! Erstens hat die WHO elektromagnetische Hochfrequenzfelder bis dato noch gar nicht eingestuft und zweitens bezieht sich diese Aussage auf die Liste der IARC, der Internationalen Agentur für Krebsforschung der WHO."

"Wer aber die betreffende Liste", so Kropik, "wirklich liest - und das ist die gute Nachricht für alle, die sich aufgrund vorschneller Meinungen Sorgen machen - wird feststellen, dass die WHO sagt, dass es unwahrscheinlich ist, aufgrund von Mobilfunk zu erkranken. Mobilfunk wurde nämlich in 2B (bedeutet möglich) und NICHT in 2A (bedeutet wahrscheinlich) gestuft." (pi/rnf)

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