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24.02.2010 Alex Wolschann/apa

Europas Glanz verblasst in der katalanischen Sonne

Während Smartphones heute zunehmend aus Asien und neue Anwendungen aus den USA kommen, hat Europa den Smartphone-Trend inklusive mobilem Internet und Software on Demand verschlafen.

Es war schon einmal mehr los auf der weltgrößten Mobilfunkmesse Mobile World Congress in Barcelona, aber auch die erfolgsverwöhnte Handybranche muss in der Wirtschaftskrise den Gürtel enger schnallen. Am deutlichsten wurde diese Entwicklung durch Nokia, immerhin Weltmarktführer bei Handys und Europas größter Hersteller. Die Finnen gaben aber ihren Vorzeigemessestand an Samsung ab und beschlossen, gar nicht direkt am Messegelände aufzutreten. Nokia nutzte so die Anziehungskraft der Messe, aber nicht das üppige Platzangebot, und lud alle Kunden und Partner in die Nähe des ehemaligen Olympiageländes. Eine Vorgangsweise, die auch der österreichische Infrastrukturanbieter Kapsch CarrierCom gewählt hat. Der Linzer Handyhersteller Emporia hingegen hat sich in den vergangenen Jahren von einem Ministand zu einer respektablen Präsentationsfläche mitten im Messegelände hochgearbeitet.

Das Beispiel Nokia und Samsung zeigt auch, dass die asiatischen Hersteller im Vergleich zu den europäischen eher Rückenwind haben und das Engagement im Mobilfunk verstärken. Neben den Big Playern LG und Samsung präsentierten sich auch etliche kleine asiatische – vor allem chinesische – Hersteller erstmals der Öffentlichkeit. Die Zeiten, in denen bei der Messe ein Feuerwerk an neuen Handys präsentiert wurde, gehören der Vergangenheit an. Gerade einmal Samsung und Sony haben als große Konzerne die Chance genutzt und mit gehörigem Werbedruck eine neue Generation von Smartphones präsentiert. Nokias Strategieschwenk vom Handykonzern zum Komplettanbieter für mobile Internetlösungen könnte sich über Jahrzehnte hinziehen. Mit dem Ovi-Store hinkt Nokia hinterher.

EUROPA VERLIERT VORREITERROLLE Während Innovationen früher von Europa ausgegangen waren, kommen neue Anwendungen heute aus den USA und neue Geräte aus Asien. Die Markteinführung des iPhones sei für diese Entwicklung mitentscheidend gewesen, so die Analysten. Der Zugang zu Online-Diensten wie Google, Facebook oder Twitter ist heute eines der wichtigsten Kaufargumente. Dementsprechend sind Geräte wie iPhone oder Blackberry am gefragtesten. Während Apple den High-End-Markt bestimmt, versuchen chinesische Firmen wie Huawei oder ZTE den Einsteigermarkt abzudecken. Das große Thema der Messe ist das mobile Internet, angefangen von den Endgeräten bis zur Übertragungstechnologie. Nahezu alle Netzausstatter haben mittlerweile Lösungen für künftige LTE-Netze gezeigt, über die 100 MBit/s und mehr an die mobilen Geräte gesendet werden können. Nun müssen sie noch die Kunden – die Netzbetreiber – von den Vorteilen einer Umrüstung überzeugen. Diese setzen jedoch zunächst lieber auf das kostengünstigere HSPA+, mit dem immerhin 28,8 MBit/s zu erreichen sind. Weitere Zukunftsthemen waren Green IT, also vor allem stromsparende Lösungen und die drahtlose Energieversorgung von Handy, MP3-Player und Co. Diese geschieht über Induktionstechnik, Voraussetzung dafür ist eine Energie-Übertragungs-Matte, auf die das Endgerät gelegt wird und die dann den Strom kabellos überträgt.

MOBILES INTERNET UND SOFTWARE ON DEMAND Und dann wäre da noch die Schlacht zwischen Google, Microsoft und Apple. Der US-Softwaregigant Microsoft versucht das verschlafene Geschäft im Handy-Softwarebereich nun mit Windows Mobile wachzuküssen. Google war mit Android-Geräten ohnehin auf diversen Ständen vertreten und Apple versuchte im Hintergrund, Verträge für das iPad auszuhandeln. Dass das Handy die Welt regiert, zeigt auch folgende Prognose: Im laufenden Jahr dürfte die Zahl von fünf Milliarden Mobiltelefon-Kunden übertroffen werden, wie der Internationale Fernmeldeverein (UIT) in Genf bekanntgab. Selbst im Rezessionsjahr 2009 ging die Nachfrage nach Mobiltelefonen nicht zurück: Ende 2009 wurden nach UIT-Angaben weltweit 4,6 Milliarden Handyverträge gezählt. Vorwärts geht es auch mit dem Breitband-Internet: Ende 2009 wurden 600 Millionen Anschlüsse registriert. Laut UIT düfte im laufenden Jahr die Milliarden-Schwelle übertroffen werden.

Verschiedene Hersteller versuchen, den Erfolg von Apples App Store für das iPhone zu wiederholen. Die besten Fortschritte macht dabei bisher Google mit der Plattform Android.

Aber auch Werbung auf dem Handy boomt zusehends. Google und Apple gaben zuletzt insgesamt rund eine Milliarde Dollar für Unternehmenszukäufe aus, die Werbung auf die Handys bringen. Das ist kein Zufall: Mit zunehmender Nutzung des Internets wachsen auch Möglichkeiten, damit Geld zu verdienen. Unter anderem dürfte an den Aufenthaltsort angepasste Werbung mit Hilfe der GPS-Funktion der Smartphones zunehmen.

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