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03.05.2010 Rudolf Felser

Wie ein Handy vom Hersteller in den Shop kommt

Bevor ein Mobiltelefon bei einem Netzbetreiber (subventioniert) ins Angebot kommt, muss erst eine lange Prozesskette abgewickelt werden.

Ob ein Gerät von Mobilkom Austria angeboten wird entscheidet sich bereits rund ein Jahr, bevor es offiziell in den Handel kommt. Gemeinsam mit dem Partner Vodafone werden Hersteller zu einer Erst-Präsentation neuer Produkte eingeladen – mit Sicherheitsvorkehrungen, die jenen von Apple in keiner Weise nachstehen. Fensterlose Räume und strengste Security-Kontrollen gepaart mit "Knebelverträgen", was die frühzeitige Herausgabe von Informationen betrifft, sind die Regel. Denn natürlich lässt sich kein Handy-Hersteller gerne unkontrolliert in die Karten sehen.

Ob eines – oder gar mehrere – dieser Handys dann ins A1-Portfolio aufgenommen werden, wird anhand verschiedener Kriterien entschieden: Welches Image hat die Marke in Österreich? Werden die Services von A1 unterstützt? Welche Features hat es? Welche Zielgruppe wird davon angesprochen. Last but not least ist natürlich auch der Preis des Endgerätes ein wichtiges Entscheidungskriterium. Die Geräte, die es geschafft haben die "Gunst" von Mobilkom Austria zu erringen, kommen dann ins gemeinsame Portfolio der internationalen Mobilkom Austria Group, aus dem dann jeweils das lokale Angebot für die einzelnen Länder "destilliert" wird.

Wer denkt, dass die Geräte, die von den Herstellern vor dem Verkaufsstart präsentiert werden, noch funktionseingeschränkte "Dummys" sind, der irrt. "Die Vorseriengeräte, die die Mobilkom ein Jahr vorab sieht, sind tatsächlich schon sehr weit und kommen fast so auf den Markt", berichtet Richard Friesinger, der im Marketing von Mobilkom Austria den Bereich "Multimedia & Handset Experience" leitet.

VIEL ZU TUN Dennoch gibt es natürlich in diesen zwölf Monaten noch viel zu tun. So müssen die Services und individuellen Applikationen von A1 ebenso in die Firmware der Geräte integriert werden, wie die grundlegenden Einstellungen. Heute will kein Kunde mehr seine Mailboxnummer oder die Nummer des SMS-Servicecenters manuell eintragen müssen, geschweige denn den mobilen Zugang zum Internet von Hand einrichten. Dann müssen der Bedarf abgeschätzt und die Lieferketten abgestimmt sowie die Prozesskette, an der Lieferanten, Mobilkom und die Mobilkom-Partner mit ihren Shops beteiligt sind, optimiert werden. Nur wenn jedes Zahnrädchen in diesem Getriebe nahtlos in das andere greift, kommt der Kunde ohne Wartezeit oder andere "Störungen" an sein Handy.

Gegen höhere Gewalt hilft selbstverständlich auch das nicht. "Das haben wir gesehen, als die Aschewolke den Flugverkehr - und damit unsere Lieferungen – für zwei Wochen außer Gefecht gesetzt hat", so Stephan Rammerstorfer, Terminal Supply Chain Manager im Bereich Residential Sales der Mobilkom Austria.

Im Normalfall dauert es von der Bestellung eines lieferbaren Endgerätes durch Mobilkom Austria bis es bei einem Händler im Regal steht durchschnittlich vier Wochen. Innerhalb von fünf Tagen sind neue Handys flächendeckend in Österreich verfügbar. Dabei werden die "direkten Kanäle", also der A1-Online-Shop und die A1-Shops, vorrangig behandelt.

TESTEN, TESTEN, TESTEN Bevor es aber soweit ist, müssen die Geräte wie erwähnt auf Herz und Nieren geprüft werden. "Wir haben jedes Jahr zwischen 60 und 80 neue Geräte im Portfolio, die auch neu getestet werden. Dazu kommen ungefähr 40 Geräte aus den vergangenen Jahren, die 'mitgeschleppt' werden. Diese Geräte, die lange verkauft werden, werden meistens upgedatet. Diese neue Software wollen wir unseren Kunden natürlich auch zur Verfügung stellen, dazu müssen wir das entsprechende Handy dann neuerlich testen", erklärt Holger von Dehn, Head of QA (Quality Assurance) Terminals im Bereich Network Planning der Mobilkom.

Dabei ist es nicht nur wichtig, ob ein Gerät in Österreich einwandfrei funktioniert: "Vodafone-Geräte werden von mehreren Partnern zur selben Zeit getestet. Wenn beispielsweise ein Handy in Österreich funktioniert aber in Spanien nicht, bräuchte A1 eine Sondergenehmigung von Vodafone um es auf den Markt zu bringen – und das auch nur, weil wir 'nur' Vodafone-Partner sind. Eine Vodafone-Tochter könnte solch ein Gerät überhaupt nicht verkaufen. Aber auch wir überlegen es uns gut, wenn es in einem anderen Land Probleme gibt", so Holger von Dehn.

Das Testing selbst wird ebenfalls sehr aufwändig betrieben – hinter vorgehaltener Hand bekommt man von Handy-Herstellern zu hören, dass A1 in diesem Zusammenhang besonders "gefürchtet" sei. Neben der menschlichen Testmannschaft stehen noch ein Roboter für manuelle Eingabe-Tests – der in Zusammenarbeit mit A1 entwickelt wurde – sowie ein Dummy für akustische Tests auf der Gehaltsliste.

Der Roboter kommt immer dann zum Einsatz, wenn bereits vorab abzusehen ist, dass ein Gerät öfter auf dem A1-Prüfstand stehen wird. Dann bewirkt er nämlich eine eklatante Zeiteinsparung. Allerdings muss der Roboter vorab genauestens instruiert und konfiguriert werden. Zudem kann in einer komplett isolierten, funkdichten Box die Übergabe von Telefongesprächen zwischen verschiedenen Funk-Zellen und dem Equipment verschiedener Hersteller getestet werden. Dabei wird quasi eine Fahrt quer durch Österreich mit seiner heterogenen Hardware-Topologie simuliert. Erst wenn alle diese Tests bestanden wurden, wird aus einem Handy ein A1-Handy. (rnf)

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