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09.08.2010 Christof Baumgartner/apa

Blackberry-Hersteller setzt auf Kompromisse

Im Streit über die Datenkontrolle beim Smartphone Blackberry hat der Pragmatismus des Herstellers Research in Motion (RIM) offenbar gesiegt.

Saudi-Arabien ließ seiner angedrohten Abschaltung des Blackberry-Kurznachrichten-Dienstes keine Taten folgen. Trotz Berichten über kurzzeitige Unterbrechungen konnten Tausende Nutzer das Gerät störungsfrei verwenden.

Experten zufolge deutet das Verstreichen der Frist darauf hin, dass RIM gewillt ist, sich mit den Regierungen zu einigen, die den über den Blackberry laufenden Kommunikationsfluss überwachen wollen. Das Unternehmen werde dabei pragmatisch vorgehen, sagt Todd Coupland, Analyst bei CIBC World Markets. Es werde Lösungen ausarbeiten und der jeweiligen Gesetzgebung nachkommen, zugleich aber auch weiterhin die Sicherheitstechnik anbieten, mit der RIM seit Jahren führend sei.

VERHANDLUNGEN ÜBER AUFSTELLUNG VON SERVERN Auch wenn sich RIM in den vergangenen Tagen nach außen hin unnachgiebig zeigte, liefen Kreisen zufolge in Saudi-Arabien Verhandlungen über einen Plan, der die Aufstellung von Servern in dem Land vorsieht. Damit könnten die Behörden vor Ort besser auf die mit dem Blackberry übermittelten Nachrichten zugreifen. Anders als die übrigen Handy-Firmen lässt RIM seine Datenströme nicht über die Server eines lokalen Telefonanbieters laufen, sondern über eigene Server in Kanada und Großbritannien. Vor wenigen Tagen hatte die Firma noch darauf beharrt, dass ein Zugriff von dritter Seite ausgeschlossen sei. Mike Lazaridis, einer der RIM-Gründer und Technik-Guru der Firma, erklärte im "Wall Street Journal" lauthals: "Alles im Internet ist verschlüsselt. Dies ist nicht nur beim Blackberry so. Wenn sie mit dem Internet nicht umgehen können, sollten sie es abschalten." Zugleich fügte er aber auch hinzu, dass RIM in Verhandlungen mit mehreren Regierungen stehe und der Streit wohl beigelegt werden könne. "Ich denke, sie werden eine Strafe in diesen mehr oder weniger diktatorischen Ländern hinnehmen und dann weitermachen", sagt Needham-Analyst Charles Wolf.

"Wir sollten uns mehr Sorgen um RIMs Fähigkeit machen, mit dem iPhone und Android gleichzuziehen, anstatt über diese dummen Entscheidungen." Die von Lazaridis angepeilte Lösung wird nach Ansicht von Branchenexperten wohl nie publik werden. RIM habe es in ähnlichen Fällen immer geschafft, einen Kompromiss zu erzielen, sagt Duncan Stewart von Deloitte in Kanada. Nach außen sei aber nie etwas gedrungen. "Von der sehr langen Liste mit Menschen, die ein Blackberry-Verbot angedroht hatte, hat es niemand umgesetzt, niemals, nicht einmal, nicht einmal für eine Minute."

Bis auf zwei kurze Mitteilungen und ein Interview hielt sich das Unternehmen auch in den vergangenen Tagen bedeckt. Medienanfragen wurden nur selten beantwortet. "Angesichts der Tatsache, dass es in diesem Fall um geopolitische Bedenken geht, ist weniger mehr", sagt der Analyst Nick Agostino von Mackie Research Capital. "Je weniger man sagt und je mehr man auf eine Lösung hinarbeitet und diese fixiert, desto besser."

STREIT AUF HÖCHSTER EBENE Da der Streit auf höchster Ebene ausgetragen wird, gehen einige Beobachter davon aus, dass RIM letztlich sogar von ihm profitieren könnte, da die Reputation des Unternehmens gesteigert wird. Wenn RIM es aus Marketing-Sicht richtig anstelle, dann bleibe in den Köpfen, dass der Blackberry so sicher sei, dass sich sogar diese Regierungen vor ihm fürchteten, sagt der Finanzvorstand von Kanadas zweitgrößtem Telefon-Unternehmen Telus, Robert McFarlane. In Erinnerung bleibe zudem, dass Blackberrys viel sicherer seien als iPhones. "Und ich bin nicht sicher, ob dies jeder bereits vorher wusste."

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