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10.08.2010 PCWorld*

iPhone 4 - das Antennen-Problem im Praxistest

Wer sein iPhone 4 nicht richtig hält, muss mit Störungen und Signalabbrüchen rechnen. Aber ist das Problem wirklich so verbreitet, wie Steve Jobs behauptet? Wir haben es getestet.

Wahrheit oder Lüge? Als sich die Meldungen über Apples neues iPhone 4 überschlugen, dessen ernsthaftes Antennenproblem zu Störungen bei Telefonaten und Datensignalen führt, startete Apple den Gegenangriff: alle Smartphones leiden unter dieser Problematik, behauptet Steve Jobs. Aber stimmt das wirklich? Um herauszufinden, wie weit das Antennenproblem wirklich verbreitet ist, haben wir das iPhone 4 und fünf seiner größten Smartphone-Konkurrenten einem intensiven Praxistest unterzogen. Und hier sind unsere Ergebnisse.

Wie wir testen Wir testen fünf Smartphones, die mit dem iPhone konkurrieren: das HTC Nexus One, das HTC Evo 4G, das BlackBerry Bold 9650, das Motorola Milestone X und das Samsung Captivate. Zuerst messen wir die Signalstärke der Geräte, wenn wir sie ganz normal in der Hand halten. Anschließend prüfen wir die Stärke des Signals noch einmal, wenn wir mit unserer Handfläche einen Großteil der Antenne des Geräts verdecken - der tödliche Griff bei Apples iPhone 4.

Da der Verlust des Signals deutlich häufiger in Gegenden vorkommt, in denen die Signalstärke ohnehin schon schlecht ist, führen wir den Test in einer eben solchen Umgebung durch. Die Signalstärke messen wir in Milliwatt (dBm), ein Standard-Wert, um die Kraft eines Radiosignals in Relation zu 1 Milliwatt wiederzugeben. In Gebieten mit hoher Signalstärke - zum Beispiel in der Nähe eines Sendeturms - ist ein Wert von -51 dBm das höchste und beste, was ein Smartphone erreichen kann. In Umgebungen mit schwacher Signalstärke können Geräte eine Telefonverbindung solange aufrechterhalten, bis das Signal auf unter -113 dBm fällt. Dann bricht die Verbindung zum Mobilnetzwerk ab.

Um die Folgen von Signalverlust zu messen, testen wir sowohl die Schnelligkeit von Datenübertragungen und die Qualität von Sprachanrufen. Für Datenübertragung benutzen wir die FCC-endorsed Ookla Test-App, mit der wir Upload- und Download-Geschwindigkeiten gleichermaßen überprüfen können. Wir führen drei aufeinander folgende Geschwindigkeitstests auf jedem Smartphone durch und wählen dann die beste Upload- und Download-Geschwindigkeit als Ergebnis.

Die Tests zu Sprachanrufen basieren eher auf subjektiven Werten. Wir tätigen Anrufe bei einer normalen Telefonnummer, halten Ausschau nach atmosphärischen Störungen, Fluktuieren, Verzögerungen, abgebrochenen Anrufen und Fehlern beim Verbindungsaufbau. Wir betonen hiermit, dass unsere Tests informell, nicht wissenschaftlich und schon gar nicht bestandskräftig sind. Was wir versuchen ist, eine Übersicht zu verschaffen, wie sehr Apples Antennenproblem wirklich verbreitet ist und ob Steve Jobs mit seiner Aussage Recht behält, oder nicht.

SIGNALVERLUST Frühe Tests bei Apples iPhone durch AnandTech haben ergeben, dass das iPhone 4 bei falscher Haltung etwa 24 dBm an Signalstärke verliert. In Gebieten mit hoher Signalstärke, vermutet AnandTech, kann das iPhone dann trotzdem noch klare Sprachanrufe tätigen und überträgt Daten mit hoher Geschwindigkeit. In Umgebungen mit niedriger Signalstärke bedeutet ein Verlust von 24 dBm jedoch oft eine so drastische Reduzierung des Signals, dass Anrufe sich deutlich verschlechtern und sogar abbrechen.

24 dBm ist also die magische Zahl - der Ausgangswert den wir benutzen, um die anderen Smartphones zu testen. Um Vergleichswerte der Signalstärke zu erhalten, messen wir den Wert jedes Geräts einmal, während wir es normal halten (flach in der Hand) und einmal, wenn wir es so halten, dass wir die Antenne des Smartphones blockieren. In unserer schwachen Signalumgebung weist das Samsung Captivate den größten Signalverlust auf - selbst, wenn wir den Klammergriff um die an der Unterseite angebrachte Antenne sehr stark lösten. Das Captivate verlor 30 dBm, von -81 auf -111 dBm. Das HTC Evo zeigt sich ebenfalls empfindlich gegenüber unserem Todesgriff: Sein dBm-Wert sinkt von -87 auf -101 dBm - ein Verlust von 14 dBm, aber immer noch deutlich weniger als beim Samsung.

Das Nexus One und das Motorola Milestone X verlieren beide eher gering an Signalstärke, mit Einbußen von nur 6 und 3 dBm im Klammergriff - kein Vergleich zum Signalverlust bei Apples iPhone. Unser Überraschungskandidat ist aber das BlackBerry Bold: aus irgendeinem Grund verstärkt der eigentlich tödliche Griff das Signal sogar noch um 13 dBm.

GESCHWINDIGKEIT DER DATENÜBERTRAGUNG Als nächstes widmen wir uns den Auswirkungen des Klammergriffs auf Up- und Download-Geschwindigkeiten bei allen Geräten, mit Ausnahme des Blackberry Bold. Unsere Ookla-Test-App ist in der BlackBerry App World nicht erhältlich und das alternative Test-Programm liefert ziemlich ungenaue Ergebnisse.

Erneut schneidet das Samsung Captivate bei diesem Test am schlechtesten ab - seine Transfer-Rate sinkt von 27 kbps auf quasi nicht mehr nutzbare 6 kbps; ein Verlust von 78 Prozent. Das Nexus One, Motorola Milestone X und EVO 4G liefern allesamt ähnliche Ergebnisse, mit Verlusten bei der Datenübertragungsgeschwindigkeit von 47,8, 44,33 und 40 Prozent. In unserer Testgruppe liefert das Milestone X die schnellste Datenübertragung in Gebieten mit geringer Signalstärke, mit einem Durchschnittswert von 97 kbps bei normaler Haltung und 54 kbps beim Klammergriff.

Das iPhone 4 ist in diesem Test komplett durchgefallen. Zuerst ließ sich die Test-App nicht mit ihren Servern verbinden, nach einigen Versuchen liefert die App dann einen Wert von 6 kbps bei normaler Haltung. Sobald wir den Klammergriff anwenden, verweigerte die App erneut die Verbindung zum Server - und konnte auch nach etlichen Neustarts keine Verbindung herstellen.

SPRACHANRUFE Von allen getesteten Smartphones weisen beim Sprachanruf-Test nur das iPhone 4, das HTC Nexus One und das Samsung Captivate merkbare Verschlechterungen der Sprachqualität beim Klammergriff auf. Anrufe bei allen drei Geräten klingen dann entstellt und bei zwei der Smartphones - dem iPhone 4 und dem Nexus One - registrierten wir auch plötzliche Abbrüche der Telefonate. Alle anderen Geräte wurden bei Sprachanrufen nicht durch den Todesgriff beeinträchtigt.

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