Das Handy als Infopoint und Navigator Detail - Computerwelt

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06.09.2010 Michaela Holy

Das Handy als Infopoint und Navigator

Wie Fahrgäste in öffentlichen Verkehrsmitteln künftig Informationen neuartig, rasch und barrierefrei abrufen können, ist Kern des Forschungsprojektes "MIP – Mobile Information Point", das von der Technischen Universität (TU) Wien durchgeführt wird.

Reisende stehen an einer Haltestelle oder einem Bahnhof und stellen sich Fragen: Wie komme ich weiter an mein Ziel? Wann und wo steht der nächste Bus bereit? Wann fährt die Bahn retour oder wo ist die nächste Wartemöglichkeit? Damit Fahrgäste für Antworten auf diese und viele weitere, ortsbezogene Fragen künftig nur noch das Handy zücken müssen, forscht die Gruppe Industrielle Software (INSO) der TU Wien im Rahmen des Projektes „MIP – Mobile Information Point“ gemeinsam mit den unten angeführten Partnern.

Forschung mit angreifbaren Ergebnissen zu betreiben, ist der Anspruch, den das MIP-Team von Anfang an hatte. In den Bahnhöfen Krems (NÖ) und Baden bei Wien sind intelligente, interaktive Poster (Vorstufen zu interaktiven Anzeigetafeln), sogenannte Mobile Information Points, angebracht. Ein MIP belädt bei aktiver Berührung mit dem Fahrgasthandy über Near Field Communication (NFC)-Technik oder andere Smartphone-Mechanismen automatisch das Mobiltelefon mit den aktuellen lokalen Reiseinformationen. Mit einem Schlüssel bzw. Verweis wird das Mobiltelefon selbst zur Anzeigetafel mit persönlicher Navigationsmöglichkeit. Aktuelle Verkehrsinformation, etwa über die nächsten ankommenden und abfahrenden Züge und Busse, Echtzeitauskunft und die dabei barrierefreie Abfrage, sind für Fahrgäste des Öffentlichen Verkehrs von hohem Wert.

Der momentan noch experimentelle Stand der Mobile Information Points bietet über ein interaktives Plakat relevante Kurzinformationen für den Fahrgast. Dabei werden u.a. folgende Mechanismen bedient: Mittels Handy-Kamera und geeigneter, im Internet frei erhältlicher Software oder NFC-fähigem Mobiltelefon wird ein an den Information Points angebrachter 2D-Code oder NFC-Chip ausgelesen werden. Der Code bzw. Chip dient als Schlüssel, um standortrelevante Information über gängige Informationskanäle (Web/WAP, SMS, etc.) mit dem Mobiltelefon abzufragen. Die Forschungsarbeiten dienen neben Fragen der Reife und breiten Einsatzfähigkeit der Technologie vor allem der Akzeptanz und Usability durch die NutzerInnen.

Die interessanten Forschungsfragen liegen bei MIP nicht in der unmittelbaren Technologiefrage selbst, sondern in dem iterativen Prozess, ein derartiges, den BahnfahrerInnen noch nicht vertrautes System aus vielen verfügbaren Komponenten so zu verschmelzen und zu integrieren, dass es für die Reisenden auch wirklich tauglich und nützlich wird. Dabei werden Verfahren des „explorativen und evolutionären Prototypings“ angewandt, um die Technik schrittweise zu verbessern, bis sie für den Echteinsatz tauglich ist. Mit dem Projekt MIP wird überdies versucht, einen Standard bzw. ein sogenanntes Best-Practice für das beschriebene Vorhaben in Zusammenarbeit mehrerer Akteure (Verkehrsunternehmen, Verkehrsverbund, Designer, Techniker, Mobilfunkbetreiber, Österreichische Arbeitsgemeinschaft für Rehabilitation (ÖAR)) zu entwickeln.

Einen wichtigen Schwerpunkt stellt dabei die barrierefreie Nutzung dar. Im Rahmen der Tests sollen essenzielle Erkenntnisse besonders über die (barrierefreie) Bedienbarkeit und Nutzungsfrequenz gewonnen werden. Diese Erkenntnisse sind Grundlage für einen möglichen Echtbetrieb und sind jedenfalls Basis für zukünftige, nutzergerechte MIPs.

Das Projekt MIP führt die TU Wien mit erfahrenen Großunternehmen und technologisch versierten KMU zusammen, um gemeinschaftlich die Basis für smarte österreichische Wertschöpfung zu etablieren. Das Projekt MIP "Mobile Information Point" wird in der Programmlinie "ways2go" vom Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie gefördert.

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