Nokia N8: Innere Werte können nicht mit Optik mithalten Detail - Computerwelt

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01.12.2010 idg/Alex Wolschann

Nokia N8: Innere Werte können nicht mit Optik mithalten

Mit dem Flaggschiff N8 will Nokia seinen Führungsanspruch im Smartphone-Markt wieder geltend machen und die Wartezeit auf die ersten MeeGo-Geräte überbrücken. Dies gelingt dem Handy-Weltmarktführer aber nur teilweise.

In den vergangenen Jahren hat Nokia einige Entwicklungen im Smartphone-Markt schlichtweg verschlafen. Insbesondere der Trend hin zu Touchscreen-Modellen mit Multitouch und einer einfachen, intuitiven Menüführung ging an dem Hersteller lange Zeit spurlos vorüber. Das N8 startet auch nicht unter den besten Vorzeichen: Bereits im Juni, also Monate vor dem immer wieder verschobenen Erscheinungstermin, hatte Nokia angekündigt, dass das neue Flaggschiff des Unternehmens als einziges Gerät der N-Series mit dem neuen Betriebssystem Symbian 3 laufen wird. Bei künftigen Highend-Smartphones wollen die Finnen auf das zusammen mit Intel entwickelte Linux-System MeeGo setzen. Der Technikblog Gizmodo sah sich deshalb veranlasst, von einem Test des N8 komplett abzusehen.

Wir haben uns das Gerät dennoch genauer angesehen. Nokia hat nicht an der Qualität gespart, um seinem Ruf als Hardwarehersteller gerecht zu werden. Das N8 ist gut verarbeitet und in fünf verschiedenen Farben erhältlich. Das eloxierte Aluminium-Gehäuse sticht rein optisch aus dem Einheitsbrei an schwarzen Touchscreen-Smartphones hervor. Kleine Schönheitsfehler sind lediglich die aus Kunststoff bestehenden Schutzkappen für USB-und Mini-HDMI-Ausgang, SIM- und MicroSD-Karte. Mit 135 Gramm ist das N8 nicht gerade ein Leichtgewicht, liegt aber gut in der Hand und macht einen hochwertigen Eindruck.

Auch die inneren Werte können sich sehen lassen. Dazu zählt insbesondere die – leider etwas hervorstehende – zwölf-Megapixel-Kamera mit lichtstarker Zeiss-Optik, extra großem Bildsensor (1/1,83 Zoll bei 5,9 mm Brennweite) und Xenon-Blitz. Das N8 kann damit zwar insbesondere bei schlechten Lichtverhältnissen kein Profigerät ersetzen, erlaubt es dem Nutzer aber, seine Schnappschusskamera getrost zu Hause zu lassen.

ÜPPIGE AUSSTATTUNG Zur Ausstattung des N8 zählen weiterhin HSDPA (10,2 Mbit/s) und HSUPA (2,0 Mbit/s), WLAN (b/g/n), GPS, Bluetooth 3.0, Kompass und verschiedene Sensoren. Außerdem verfügt das Gerät über 16 GB internen Speicher, der via MicroSD-Karte um bis zu 32 GB erweitert werden kann. Das Nokia-Flaggschiff wartet zudem mit verschiedenen Kleinigkeiten auf, die das mobile Leben fernab von PC oder Notebook angenehmer machen. Dazu zählt etwa ein FM-Transmitter zum Abspielen von Musiktiteln über ein Radio. Hervorzuheben ist auch der Host-fähige USB-Port (USB On-the-Go), mit dem nicht nur Speichersticks direkt beschrieben werden können. Allerdings darf wegen des verwendeten Dateisystems FAT32 die Dateigröße von vier GB nicht überschritten werden. Auch der Anschluss von Mäusen und anderen Peripheriegeräten ist möglich.

Ein weiteres kleines Highlight ist der MiniHDMI-Port zur Anbindung eines HD-fähigen Fernsehers, Displays oder Beamers. Nutzer können damit nicht nur – etwa im Hotelzimmer – HD-fähige Videos mit Dolby Surround auf einem Fernseher abspielen. Da auch das normale Handy-Display übertragen wird, eignet sich diese Funktion zudem für Videotelefonate oder zum Arbeiten.

Es gibt allerdings auch Schattenseiten bei der Hardware: So lässt sich das 3,5-Zoll große kapazitive Amoled-Display gut bedienen, die Auflösung ist aber mit 640 mal 360 Pixel etwas klein ausgefallen. Der mit 680 Megahertz getaktete ARM-11-Chipsatz wiederum hinkt trotz Grafikbeschleuniger mit 3D-Unterstützung nicht nur auf dem Papier den aktuellen ein-Ghz-Snapdragons der Konkurrenz hinterher. Zumal ihm nur 256 MB RAM zur Seite gestellt wurden, fallen die Ladezeiten mitunter etwas zu lange aus. Besser schlägt sich der mit 1.200 mAH eigentlich relativ schmalbrüstig ausgefallene Akku – einen Tag hält die fest verbaute Batterie trotz starker Beanspruchung aus.

ALTBACKENE SOFTWARE Präsentiert sich die Hardware weitgehend auf dem Stand der Technik, fühlt man sich bei der Software um etliche Jahre zurückversetzt. Abgesehen von Kleinigkeiten wie Multitouch-Bedienung, Widgets und drei Homescreens bietet Symbian 3 kaum Neues. Da die Plattform mit den gleichen verschachtelten Menüs wie das Vorgängersystem S60 aufwartet, müssen sich die Nutzer noch immer mühsam erschließen, wie sie zu bestimmten Einstellungen, Funktionen oder gar Programmen gelangen. Hinzu kommen Altlasten, etwa dass zur Texteingabe noch immer ein eigenes Formularfenster geöffnet wird. Nach wie vor wird im Porträtmodus keine virtuelle Qwertz-Tastatur geöffnet, sondern das klassische Telefon-Tasten-Layout. Andere Probleme kann der Anwender selbst aus der Welt schaffen, etwa, indem er den etwas betagten Browser durch Opera Mobile 10 ersetzt. Auch ein gelegentlicher Blick auf den Task Manager – Menütaste lange drücken – schadet nicht: Symbian 3 unterstützt zwar Multitasking, allerdings sinkt die Performance rapide, wenn zu viele Anwendungen nicht aktiv beendet werden, sondern im Hintergrund weiterlaufen.

Für den Business-Einsatz bietet das Smartphone Organizer-Funktionen und die Unterstützung für Pushmail über ExchangeActiveSync. Auch die Quickoffice-Suite ist vorinstalliert, leider nur in der Viewer-Version. Wer Dokumente direkt auf dem Gerät bearbeiten will, muss in die kostenpflichtige Variante Quickoffice Premier investieren. Last but not least erhält der Nutzer mit Ovi Maps eine kostenlose Onboard-Navigationslösung mit der Möglichkeit, Karten auf dem Gerät zu speichern.

Nokia-Fans wird der moderate Preis von knapp 480 Euro freuen. Bei den Kunden der Konkurrenz dürfte Nokia dagegen wohl kaum einen Stich machen: Das Bedienkonzept ist in Zeiten von iPhone und Android einfach veraltet und kaum ein Nutzer ist heutzutage bereit, vor dem Gebrauch die Bedienungsanleitung zu studieren, einzelne Features herauszusuchen und das Gerät auf seine Wünsche einzustellen.

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