Qualcomm entwickelt "erweiterte Realität" in Wien Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


16.01.2011 apa/Rudolf Felser

Qualcomm entwickelt "erweiterte Realität" in Wien

Handy-Kamera mit digitalen Informationen – für mobile Endgeräte.

Eine in Österreich entwickelte Technologie könnte mittelfristig auf einem großen Teil der weltweit verkauften Handys zu finden sein. Davon ist zumindest der US-Mobilfunkzulieferer Qualcomm überzeugt, der vor knapp einem Jahr die Forschungsabteilung des Wiener Unternehmens Imagination übernommen hat.

Konkret geht es dabei um "Augmented Reality" (AR) – also die Anreicherung der wahrgenommenen Realität mit digitalen Informationen – für mobile Endgeräte, auf die das aus dem Zukauf hervorgegangene "Qualcomm Austria Research Center" spezialisiert ist. Wer beispielsweise seine Handykamera auf ein Gebäude oder ein Produkt richtet, bekommt dabei zusätzliche Informationen eingeblendet. Das Forschungszentrum ist eines von fünf, die Qualcomm weltweit betreibt – aber das einzige in Europa.

KOORDINATEN VS. BILDERKENNUNG Im Gegensatz zu Anbietern wie der österreichischen Mobilizy – bekannt vor allem durch die Anwendung "Wikitude" – setze Qualcomm aber nicht auf ein System, das auf GPS, Kompass und Co. basiert, und somit vor allem den Aufenthaltsort berücksichtigt, sondern auf Bilderkennung. Gegenstände sollten also tatsächlich aufgrund ihres Aussehens identifiziert werden. Dadurch würde sich eine Fülle an Möglichkeiten ergeben, erklärte Michael Gervautz, Mitgründer von Imagination, der damals mit vier weiteren Mitarbeitern zum US-Unternehmen gewechselt ist.

Sehr interessant sei Augmented Reality beispielsweise für das Marketing und den Spielesektor. So habe man ein Pilotprojekt umgesetzt, bei dem aus einem Stück Papier dank AR ein virtueller Boxring werde, in dem die per Handy gesteuerten Roboter virtuell gegeneinander antreten (hier ein Demonstrations-Video auf Youtube). Anwendungsmöglichkeiten sieht Gervautz aber auch in der Medienbranche. Ein Blick durch die Handykamera auf einen bestimmten Artikel und schon startet ein Video-Beitrag zum Thema. "Print kann dadurch wieder mit Multimedia mithalten", erklärte Gervautz. Ein spannendes Thema sei auch die Gesichtserkennung.

Grundlegend gehe es auch darum, die Bedienung von Geräten intuitiver zu gestalten. "AR hat das Potenzial, die Interaktion auf Handys noch einfacher zu machen", so Gervautz.

Standortbezogene Systeme seien hingegen eine "sehr einfache Technologie", "sehr ungenau", aber "für immobile Objekte gut geeignet". Bei der Suche nach Informationen zu einem Buch, das in einer Auslage stehe, könnten die GPS-Koordinaten allerdings nur bedingt nützlich sein, sagte der Chef des einzigen Forschungszentrums des US-Unternehmens in Europa. Qualcomm investiert mehr als 20 Prozent seines Umsatzes, der im Geschäftsjahr 2010 rund 8,4 Mrd. Euro betrug, in Forschung und Entwicklung.

GROSSES POTENZIAL "Wir sehen hier großes Potenzial. Forschung aus Österreich wird weltweit exportiert werden", gab sich auch Hamid-Reza Nazeman, Country Manager für Deutschland und Zentraleuropa, überzeugt. Mehr als 50 Prozent aller in Österreich verkauften Handys seien inzwischen Smartphones. Geräte, Netze sowie Infrastruktur würden nun bereit stehen, um entsprechende Anwendungen zu entwickeln.

Insgesamt arbeiten rund 200 Personen bei Qualcomm direkt und indirekt an der "erweiterten Realität", so Gervautz. In Österreich habe sich die Forscheranzahl mehr als verdoppelt. Aktuell sind noch sechs Positionen zu besetzen, was sich aufgrund des hohen Spezialisierungsgrades schwierig gestalten würde. Die Übernahme sei notwendig gewesen, um eine weltweite Vermarktung zu ermöglichen. Außerdem habe die Vielzahl an verschiedenen Handys und Betriebssystemen die Entwicklung erschwert. "Jetzt können wir für die Technologie die Hardware beeinflussen. Da geht an vielen Fronten was weiter", sagte Gervautz.

SDK STEHT BEREIT Qualcomm selbst bietet keine entsprechenden Programme an, sondern stellt den Entwicklern die Technologie in Form eines so genannten Software Development Kits (SDK) – also einen Baukasten zum Basteln von Anwendungen (Apps) – kostenlos zur Verfügung. Der Gedanke dahinter: Je mehr interessante Apps es gibt, desto stärker steigt auf Kundenseite die Nachfrage nach Handys mit schnellen Prozessoren, da die Anwendungen eine hohe Rechenleistung voraussetzen. Und das kommt wiederum Qualcomm zugute.

In diesen Tagen ging auch ein von Qualcomm mit insgesamt 200.000 Dollar dotierter Wettbewerb zu Ende. Entwickler wurden dazu aufgerufen mittels des AR-SDKs innovative Anwendungen der AR-Technologie zu entwickeln. Die Gewinner sollen auf dem Mobile World Congress präsentiert werden.

Qualcomm hat die Forschungsabteilung der österreichischen Imagination Computer Services GesmbH im März 2010 für eine nicht genannte Summe übernommen. Interesse sollen auch der Suchmaschinenriese Google und der Elektronikkonzern Samsung gezeigt haben. Das US-Unternehmen hat im Geschäftsjahr 2010 laut eigenen Angaben rund elf Mrd. Dollar (8,4 Mrd. Euro) umgesetzt und beschäftigt mehr als 15.000 Mitarbeiter. (apa/rnf)

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • Rittal GmbH

    Rittal GmbH Netzwerk-Management, Netzkomponenten, Zugangs- und Zutrittskontrolle, Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), Überwachungssysteme, Notfalls-Rechenzentren, Netzwerk- und Systemüberwachung,... mehr
  • MIC – managing international customs & trade compliance

    MIC – managing international customs & trade compliance Supply Chain Management, Kaufmännische Software (ERP), Expertensysteme, E-Procurement und Supply Chain Management, B2B Dienste und Lösungen mehr
  • SNP AUSTRIA GmbH

    SNP AUSTRIA GmbH Qualitätssicherung, Kaufmännische Software (ERP), Tools, Programmiersprachen, Datenkonvertierung, Übernahme von Softwareprojekten, Systempflege- und Wartung,... mehr
  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: