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19.02.2009 Alex Wolschann

Die Handy-Highlights aus Barcelona

Auf dem Mobile World Congress in Barcelona präsentierten die Handy- und Smartphone-Hersteller ihre neuen Geräte und Dienste.

Wenngleich die weltgrößte Mobilfunkmesse Mobile World Congress als Ganzes vor der Folgen der schwindsüchtigen Weltkonjunktur nicht gefeit ist, bemühen sich die Hersteller, das Wirtschaftwunder im Smartphone-Segment fortzusetzen. Kein Wunder: Wie die jüngsten Marktzahlen besagen, wurden zuletzt rund 200 Millionen Smartphones jährlich verkauft - für die kommenden drei bis fünf Jahren wird ein jährliches Plus von 15 Prozent erwartet. Um das - allerdings noch zu relativ guten Zeiten - prognostizierte Wachstum zu schüren, überbieten sich etablierte Anbieter wie Nokia oder HTC mit neuen Modellen, drängen Player aus anderen Bereichen in das Segment ihr Glück oder nutzen die Chance auf ein Comeback.

Zu letzterer Kategorie zählt vor allem der Handheld-Pionier Palm. Nachdem das neu entwickelte Smartphone Palm Pre mit ebenfalls frischem Betriebssystem "WebOS" bereits auf der CES in Las Vegas für enormes Aufsehen gesorgt hatte, nutzte das Unternehmen die Mobilfunkmesse in Barcelona nun für zusätzliche Publicity. Spätestens nach den Produktvorführungen dürfte es Palm nicht schwer fallen, Carrier für eine Kooperation zu finden: Das Gerät überzeugt durch eine flotte Bedienung via Touch- und Gestensteuerung; witzige Details wie eine übergreifende Suchfunktion und - nicht zu vergessen - eine funktionale Tastatur machen das Palm Pre zu einer akzeptablen Alternative zum Apple iPhone - wobei das Unternehmen auf eine wenn auch bereits leicht ergraute, aber ähnlich überzeugte Anhängerschaft zählen kann.

Acer steigt mit vier Geräten in den Smartphone-Markt ein. Angesichts seiner angeblichen "Mobilität in der DNS" und der Übernahme von E-Ten (Glofish) hat der taiwanische PC- und Notebook-Hersteller Acer nun in Barcelona ein Sammelsurium an etwas billig wirkenden und vermutlich sehr preisbewussten Smartphones auf Windows-Mobile-Basis vorgestellt. Das Topmodell der Tempo-Serie, das M900, verfügt über eine seitlich ausschiebbare Volltastatur, HSDPA, WVGA und einen 3,8-Zoll-Touchscreen. Weitere Features sind ein Fingerprint-Sensor, der Single-Sign-on ermöglicht, GPS, UKW-Radio, Sprachaufnahme und -Steuerung, erweiterbarer Speicher sowie eine Fünf-Megapixel-Kamera mit Blitz.

Ebenfalls aus dem Notebook-Segment kommend, wenn auch als langjähriger Anbieter von Smartphones und insbesondere Handys nicht unerfahren, versucht Toshiba mit dem TG01 einen neuen Durchbruch. Mit einem extrem leistungsstarken und schnellen 1-Ghz-Snapdragon-Prozessor ist das Business-Smartphone auf Windows-Mobile-Basis dabei ein deutlich schwereres Geschütz als die Modelle der relativ ausgereiften, wenn auch auf dem Markt wenig erfolgreichen Portege-Smartphone-Reihe der vergangenen Jahre. Weiteres markantes Merkmal des TG01 ist die von Toshiba entwickelte Benutzeroberfläche in Form von vertikalen Streifen mit direkten Einstiegspunkten zu Funktionen und Anwendungen. Allerdings ist es den Japanern nicht ganz so weit gelungen, das komplexe Windows-Mobile-Menü zu überdecken wie etwa HTC. Als weitere Kinderkrankheit ist zu bemängeln, dass die reine Bedienung mit dem Finger und ohne Stift ihre Grenzen hat - dieses und weitere kleine Mankos könnten jedoch noch vor dem Produkt-Launch behoben sein.

Über solche Probleme erhaben und eher Opfer des eigenen Spardrangs ist der Marktführer Nokia. Auf dem Mobile World Congress stellten die Finnen ihr neues Flaggschiffmodell der E-Series, das E75, auf Basis der Symbian-S60-Plattform vor. Dabei handelt es sich um ein relativ kleines schlankes Gerät mit von hinten vorschiebbarer Volltastatur - im Normalzustand verborgen unter der Oberseite, welche aus einem 2,4-Zoll großen Display (320 x 240 Pixel Auflösung) samt numerischer Tastatur besteht. Verbaut sind die schon vom E71 bekannten Ingredienzen wie eine - angeblich vollkommen ausreichende 3,2-Megapixel-Kamera, A-GPS, HSDPA, WLAN, UKW-Radio und MP3-Player. Das E75 soll bereits im März auf den Markt kommen und 375 Euro vor Steuern und Subventionen kosten. Wie eine Nokia-Managerin erklärte, bedeutet das E75 trotz seiner Form nicht unbedingt das Ende der klassischen Communicator-Linie, wie es noch das E90 repräsentierte. Vielmehr entspreche man mit dem Format - ebenso wie dem bewussten Weglassen eines Touchscreens - den allgemeinen Vorstellungen der Kernnutzerschaft von einem Business-Smartphone. Den Generationswechsel innerhalb der E-Series-Reihe treibt zusätzlich das neu vorgestellte E55 voran. Das schlanke Smartphone erinnert stark an seinen Vorgänger E51, bringt jedoch dank Doppelbelegung der Tasten auf gleichem Raum eine Qwertz-Tastatur unter. Weiterhin hervorzuheben ist eine rekordverdächtige Standby-Zeit von einem Monat. Nokia plant, das ebenfalls mit Symbian-S60 ausgestattete Gerät im zweiten Quartal herauszubringen, als Verkaufpreis werden rund 265 Euro vor Steuern und Subventionen avisiert. Beide Modelle verbindet neben einer größtenteils identischen Hardwareausstattung ein vereinfachtes Setup für Mail for Exchange: die Eingabe von E-Mail-Adresse und Passwort auf dem Smartphone genügt, um die Einrichtung auf dem firmeneigenen Exchange-Server zu initieren. Die Verbundenheit mit dem ActiveSync-Protokoll von Microsoft geht aber noch weiter, etwa bis hin zu Management-Features wie Remote Lock & Wipe. Nokia kündigte darüber hinaus einen Software-Marktplatz nach dem Vorbild des Apple App Store an. Der Ovi Store soll die eigenen Angebote an Musik, Spielen und Navigationsdiensten bündeln und im Mai an den Start gehen. Das Multimedia-Handy N97 soll das erste mit vorinstalliertem Zugang zum Ovi Store werden. Nokias erstes Handy mit 8-Megapixel-Kamera wird N86 heißen und kommt inklusive Carl-Zeiss-Objektiv, Autofokus und einem zweifachen LED-Blitz. 8 Gigabyte Speicher, 3,5mm-Klinke, WLAN, A-GPS und Bluetooth 2.0 ergänzen die Ausstattung. Ein Standfuß zum Ausklappen und Aufstellen (zum Videoschauen) sowie das die Symbian-S60-Plattform mit Ovi-Internetdiensten machen das N86 zum Rundum-Sorglos-Paket für unterwegs.

Die künftig quelloffene Symbian-Plattform war aber noch für weitere Überraschungen in Barcelona gut, nämlich bei den Herstellern Sony Ericsson und Samsung. Das japanisch-schwedische Handy-Joint-Venture besinnt sich nach dem wenig erfolgreichen Windows-Mobile-Experiment Xperia auf seine Symbian-Tugenden und ist drauf und dran, mit dem Modell "Idou" einen Coup zu landen. Das Smartphone verfügt über einen großen Touchscreen mit taktilem Feedback und einer riesigen 12-Megapixel-Kamera und soll laut Sony Ericsson alle Vorzüge der Walkman- und Cybershot-Handys in einem Gerät vereinen. Nähere Informationen zu dem Gerät sind noch nicht bekannt - bei der Präsentation auf dem Sony-Ericsson-Stand lief das Smartphone allerdings schon - und das nicht schlecht…

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