Wie mobil sind Österreichs Unternehmen? Wie mobil sind Österreichs Unternehmen? - Computerwelt

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08.03.2013 :: Printausgabe 05/2013 :: Alexander Wolschann/idg +Premium Content

Wie mobil sind Österreichs Unternehmen?

Laut einer aktuellen Forrester-Studie verfügen nur wenige Unternehmen über eine zeitgemäße Mobility-Strategie. Der Nutzen würde aber in vielen Fällen den Aufwand rechtfertigen, sind auch die heimischen Anbieter überzeugt.

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Im Mobility-Bereich wurden vergangenes Jahr drei Meilensteine erreicht: Es gibt mittlerweile mehr als eine Million Apps und bei den Tablet- und Smartphone-Verkäufen überschritten die Verkaufszahlen 2012 die magischen Marken von 100 Millionen beziehungsweise einer Milliarde. Der Markt für Mobilgeräte ist allerdings stark fragmentiert, was zu steigenden Kosten für mobile Services führt. Zugleich investieren viele Firmen nur zögerlich in Mobility. Das könnte sich in wenigen Jahren rächen, prognostizieren Marktforscher von Forrester.

86 Prozent aller Nutzer eines iPhones oder iPads nutzen ihr mobiles Gerät, um Produkte oder Dienstleistungen ausfindig zu machen. Bei 69 Prozent der User kommt es schließlich auch zum Kaufabschluss. Besitzer von Android-Geräten zeigen mit einer Recherchequote von 76 Prozent und einer Kaufquote von 53 Prozent eine deutlich geringere Neigung zum Shopping im Internet. Windows-Nutzer unterschreiten selbst diese Werte mit 47 beziehungsweise 32 Prozent, zeigt die Forrester-Studie mit mehr als 53.400 Teilnehmern.

UNTERNEHMEN DECKEN NUR GRUNDKOSTEN
Die Unternehmen verfügen laut Studie im Durchschnitt jährlich über weniger als umgerechnet 386.000 Euro für mobile Services – aus Sicht der Analysten gerade genug für die Entwicklung einer einfachen App und einer für Mobilgeräte optimierten Web­seite. Nur 24 Prozent investieren jährlich mehr als 750.000 Euro, was zumindest die Errichtung einer nativen Anwendung und einer mobilen Webseite ermöglicht.

Alles in allem seien die Firmen nur unzureichend in der Lage, die Anbindung an die Backend-Infrastruktur herzustellen und kompetente Teams aufzubauen. Die Investitionslevel, die die Studie zeigt, seien ausreichend, um einen Fuß in die mobile Welt zu setzen, so die Experten. Sie genügen aber nicht, mobile Services so voranzutreiben, dass eine ausreichende Anzahl an Kontaktpunkten für die Kunden oder grundlegend neue Services entstehen können. Wer heute nicht investiere, laufe Gefahr, in wenigen Jahren Ausgaben in Millionen-, wenn nicht in Zehnmillionenhöhe, tätigen zu müssen, um als mobiles Unternehmen wieder den Anschluss zu finden.

NUR WENIGE UNTERNEHMEN HABEN EINE MOBILITY-STRATEGIE
Die Analysten von Forrester haben bis jetzt nur bei fortschrittlicheren Unternehmen beobachtet, dass sie ihre mobile Strategie über Smartphones hinaus auf Tablets ausweiten. Wie lohnend das sein kann, würden Beispiele von Online-Shops zeigen, die bereits acht Monate nach der Einführung einer iPad-App ein Zehntel des Online-Umsatzes über Tablets gemacht haben.

Diese Einschätzung teilen auch die heimischen Anbieter: "Viele Unternehmen stehen hier erst am Anfang. Sie wissen, dass sie sich der stetig steigenden Mobilität und der Vielzahl an Devices nicht mehr entziehen können. Effektive Mobility-Strategien oder Ideen, wie sie das enorme Potenzial der Mobilität nutzen können, haben jedoch noch wenige", erklärt die Österreich-Geschäftsführerin von Nextiraone, Margarete Schramböck, und ergänzt: "Aus diesem Grund haben wir 2013 unter das Motto ‚die Mobile Welt des Arbeitens‘ gestellt und ­begleiten somit unsere Kunden auf deren Mobilitätsreise." Ähnliche Beobachtungen hat auch Kurt Mayr, CEE Offering Manager Smart Mobility bei Atos, gemacht: "Wir gehen davon aus, dass zahlreiche heimische Unternehmen über keine klaren Mobility-Strategien verfügen. Jedoch erkennen immer mehr Geschäftsleute, dass dieses Thema immer wichtiger wird." Laut Mayr wüssten aber die meisten Unternehmen nicht, welche Voraussetzungen sie erfüllen müssen, um mobile Anwendungen zu betreiben beziehungsweise welchen Nutzen sie für ihr Geschäft daraus ziehen können. Die Existenz einer Mobility-Strategie in den Unternehmen macht er nicht unbedingt von der Größe des jeweiligen Unternehmens abhängig: "Eine Enterprise Mobility beispielsweise, also die Mobilisierung der eigenen Mitarbeiter, macht erst ab einer bestimmten Unternehmensgröße Sinn. Sollen aber etwa Endkunden im Sinne eines B2C mittels Mobility adressiert werden, spielt die Größe des ­Unternehmens eher eine sekundäre Rolle", so Mayr. Seiner Einschätzung zufolge gibt es viele Szenarien, bei denen Mobilität sinnvoll ist, "wie etwa im Wartungs­geschäft, im Facility Management, bei der Unterstützung unterschiedlicher Verkaufsprozesse" . Den größten Nutzen bringe Mobilität laut Mayr aber dort, "wo es gelingt, mittels Kontextinformationen neue Geschäftsmodelle für Unternehmen zu generieren, wie zum Beispiel maßgeschneiderte Werbebotschaften".

DESIGN DER MOBILEN GADGETS IMMER WICHTIGER
Auffällig ist, dass kaum ein Unternehmen, das BYOD oder andere Strategien umgesetzt hat, diesen Schritt bereut: "Unsere Mitarbeiter können dank BYOD mit jeder Client-Hardware in einem gesicherten Umfeld auf ihren virtuellen Arbeitsplatz zugreifen. Das ist nicht nur ein cooles Feature, es ermöglicht uns vielmehr, externen Mitarbeitern einen Standard-Arbeitsplatz, der global erreichbar ist, zur Verfügung zu stellen", erklärt Martin Katzer, Managing Director von T-Systems Österreich. Nichtsdestotrotz kann das Modell von T-Systems nicht einfach auf ein beliebiges Unternehmen übertragen werden: "Nicht jedes ­Unternehmen braucht zwingend eine ­Mobility-Strategie. Ein Unternehmen aus der Fertigungsindustrie mit einer Handvoll mobiler Endgeräte für die Geschäftsführung und einer kleinen Vertriebsmannschaft wird keinen Bedarf haben. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern BYOD und/oder Heimarbeitslösungen anbieten wollen, werden um eine mobile Strategie nicht herum kommen", ergänzt Katzer.

Laut Forrester werden die Kunden heuer mehr Wert auf das Kundenerlebnis und das Design der mobilen Dienste legen. Im ­Bereich der digitalen Brieftasche hätte schon 2012 der Durchbruch passieren sollen. Das ist aber nicht passiert und auch für das heurige Jahr geht Forrester nicht von einem Massenmarkt bei der Bezahlung mit Smartphone und Co. aus. Immerhin gibt es mit Visa V.me und Apples Passbook einige Angebote auf dem Markt. Was die Verbreitung der Smartphones im heurigen Jahr betrifft, dürfte es Blackberry trotz der Vorstellung neuer Geräte und Services weiter schwer haben. Android und iOS werden auch 2013 die dominierenden Betriebssysteme für mobile Devices sein. Auch Microsoft wird gemeinhin nicht zugetraut, zu den beiden Marktführern aufzuschließen. Dabei wären gerade die Geräte mit Windows-Betriebssystem einfacher in die zumeist schon bestehende Microsoft-Infrastruktur zu integieren als die Plattformen von Google und Apple.

Bei der BYOD-Umsetzung liegen heimische Unternehmen im internationalen Vergleich zurück, was aber auch auf die große Dichte an KMU zurückzuführen ist. "Unternehmen müssen Szenarien entwickeln, wie unterschiedlichste Devices in den Arbeitsprozess sicher integriert werden können. Ob dies mit Authentifizierung oder über Virtualisierung gelöst wird, ist Geschmackssache", erklärt Schramböck die Herausforderungen.

"Home Office ermöglicht ein Modell, das nicht nur Reisekosten und den damit ­verbundenen CO2-Ausstoß senkt, sondern erhöht auch den Anreiz, Fachkräfte aus ­anderen Regionen zu rekrutieren", erklärt Katzer. Mobile Kommunikation wie ­Videoconferencing und gemeinsames Arbeiten in virtuellen Räumen könne häufig eine Reise ersetzen bzw. die tägliche ­Anfahrt zur Arbeit reduzieren. "Aus Sicht von Human Resources macht mobiles Arbeiten für uns als Unternehmen und für unsere Mitarbeiter definitiv Sinn und ist nicht mehr wegzudenken", ist Katzer überzeugt.

BREITERES ANGEBOT ERHÖHT WETTBEWERB BEI APPSTORES
Bei den Appstores dürfte sich der Kuchen etwas mehr verteilen als noch 2012. Seit August ist der Appstore von Amazon auch in Deutschland zugänglich, und auch bei Facebook gibt es einen Appstore. Obwohl beide noch nicht an Apples Appstore und Google Play heranreichen, erwartet Forrester, dass sie den Abstand 2013 verkürzen könnten. Es ist auch mit einer österreichischen Standardadresse möglich, den App-store Client von Amazon zu installieren. Auch das Angebot kann problemlos durchsucht werden. Der Kauf von Bezahlinhalten und der Download von kostenlosem Content sind jedoch nur möglich, wenn die eingestellte Adresse sich in einem "unterstützten Land" befindet. Ähnlich schleppend läuft es mit der Verbreitung der NFC-Technologie, die unter anderem auch das kontaktlose Bezahlen möglich macht. Es wundert doch etwas, dass laut Marktbeobachtern 80 Millionen Geräte mit NFC-Technik 2012 ausgeliefert worden seien, obwohl Apple das iPhone 5 ohne NFC auf den Markt gebracht hat. Forrester hält die Technik für nicht ausgefeilt, unter anderem wegen ihrer komplexen Infrastruktur.

2012 WENIGER PERSONAL CLOUDS ALS ERWARTET
Auch von Personal Clouds hat sich Forrester mehr erwartet. Angesichts von mehr als 150 Millionen iCloud-Accounts und zahlreichen Nutzern von Evernote und Spotify war die Erwartungshaltung deutlich größer als die tatsächliche Relevanz. Forrester sieht darin jedoch erst den Anfang einer Entwicklung, in der immer mehr Menschen internetfähige mobile Geräte besitzen.

Erfreuliches gibt es indes vom Konsumentenverhalten zu berichten. Endkunden sollen sich in diesem Jahr mehr Gedanken über Aspekte wie Privatsphäre und IT-Sicherheit machen, als 2012. Als Beispiel nennt Forrester die Empörung über die angekündigte AGB-Änderung beim Foto­dienst Instagram. Eine umstrittene und mittlerweile zurückgenommene Passage sollte es dem Facebook-Tochterunternehmen möglich machen, Daten und Bilder seiner Nutzer für Werbezwecke einzusetzen. Dennoch gibt es großen Aufholbedarf, was das Konsumentenverhalten im digitalen Bereich betrifft. Nur wenige Smartphone-Nutzer haben entsprechende Security-Software installiert, Daten, die im analogen Bereich nie an die Öffentlichkeit kommen würden, werden auch 2013 sorglos im digitalen Lebenrsraum mit anderen Menschen, zum Teil Unbekannten, geteilt.

Die Veränderung, da sind sich Experten und Anbieter einig, kommt von unten, also von den Konsumenten: "Der Mobility Boom wird aus dem Consumer-Segment und den entsprechenden Consumer-Devices getrieben. Es gibt niemanden, der davon nicht betroffen wäre. Somit gibt es auch kein Unternehmen oder keine Branche, die nicht mit diesem Thema konfrontiert wird. Die Potenziale einer Mobilitätsintegration sind immens: vom Ein-Personen-Unternehmen bis zum Großkonzern", sagt Schramböck. (aw/idg)

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