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12.08.2013 pte

Handy am Steuer führt nicht zu mehr Unfällen

Durch Handy-Telefonieren am Steuer kommt es entgegen der landläufigen Meinung nicht zu mehr Verkehrsunfällen, so das Ergebnis einer amerikanisch-britischen Studie.

Erhöht das Handy-Telefonieren am Steuer die Unfallgefahr?

Erhöht das Handy-Telefonieren am Steuer die Unfallgefahr?

© mattbuck - Creative Commons 3.0

Die Forscher haben sich dabei zunutze gemacht, dass US-Mobilfunker in den Jahren 2002 bis 2005 wochentags nach 21:00 Uhr günstigere Minutentarife angeboten haben. Das Team an der Carnegie Mellon University und der London School of Economics and Political Science hat das dadurch erhöhte Gesprächsaufkommen am späteren Abend mit Unfallstatistiken abgeglichen und keine Auswirkung gefunden. Damit widerspricht die Studie früheren Forschungsarbeiten.

"Wenngleich unsere Ergebnisse für viele kontraintuitiv wirken mögen, sind sie genau genug, um den normalerweise in der akademischen Literatur gefundenen Effekt infrage zu stellen", betont CMU-Sozialwissenschaftler Saurabh Bhargava. Einen Freibrief für die Handy-Nutzung im Auto wollen die Forscher damit aber nicht ausstellen. Denn einerseits könne die Studie nicht klären, ob nicht einfach vorsichtigeres Fahrverhalten ein an sich erhöhtes Risiko kompensiert habe, und andererseits gehe es ausschließlich um Sprachtelefonie - wie gefährlich beispielsweise das Simsen am Steuer sein mag, beleuchtet die Arbeit nicht.

An sich gilt das Telefonieren am Steuer als Risiko-Faktor. Eine bereits 1997 veröffentlichte Studie gibt beispielsweise an, dass das Unfallrisiko gar auf das 4,3-Fache steigt und damit in einen Bereich, der mit alkoholisiertem Fahren vergleichbar ist. Doch beruhen Risikoabschätzungen oft auf Laboruntersuchungen. "Unsere Studie hebt sich von den meisten früheren Arbeiten dadurch ab, dass sie ein natürlich stattfindendes Experiment in einer realweltlichen Umgebung ausnutzt", betont daher Bhargava. Die Ergebnisse stellen dabei infrage, ob das Telefonieren am Steuer wirklich ein großer Risikofaktor ist.

Konkret hatte die Tatsache, dass in den USA lange Zeit Gespräche am späteren Abend billiger waren Auswirkungen auf das Telefonieverhalten. Das Team konnte zeigen, dass im Bebobachtungszeeitraum 2002 bis 2005 das Gesprächsvolumen von Autofahrern nach 21:00 Uhr um sieben Prozent gestiegen ist. Beim Vergleich mit Unfalldaten haben die Forscher aber keine entsprechende Steigerung der relativen Unfallzahl am späteren Abend gefunden. Es sei daher angebracht zu hinterfragen, ob das Telefonieren im Auto wirklich so gefährlich ist, wie derzeit allgemein behauptet wird, so Bhargava.

Freilich stellt sich auch die Frage, wie aussagekräftig die aktuelle Studie wirklich ist. "Die Häufigkeit von Telefonaten ist nicht der einzige Risiko-Parameter, wichtig sind auch konkrete Kontextbedingungen wie beispielsweise die Verkehrsdichte", erklärt Manfred Tscheligi, Experte für Ablenkung im Auto und Leiter des Christian Doppler Labors "Contextual Interfaces" an der Universität Salzburg, gegenüber der Nachrichtenagentur pressetext. Am späteren Abend ist das Verkehrsaufkommen nicht mehr so hoch wie zur Rush Hour, sodass abgelenkte Fahrer eher mit kleinen Fahrfehlern unfallfrei davonkommen dürften.

"Eine Möglichkeit ist, dass Fahrer die Ablenkung durch die Handy-Nutzung dadurch kompensieren könnten, dass sie bewusst wählen, wann sie einen Anruf tätigen oder während eines Gesprächs vorsichtiger fahren", räumt auch Bhargava ein. Das könne auch erklären, warum Laboruntersuchungen zu ganz anderen Ergebnissen kommen. Zudem betont das Team, dass die Studie sich weder mit dem Simsen noch mit der Internet-Nutzung auf dem Handy befasst - es ist also keinesfalls auszuschließen, dass gerade diese in den vergangenen Jahren immer gängiger gewordenen Ablenkungen ein echtes Risiko mit sich bringen. (pte)

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