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05.10.2009 Rudolf Felser

14.000 neue IT-Jobs in vier Jahren

Wie eine aktuelle IDC-Studie prognostiziert, wird die IT-Industrie in den nächsten vier Jahren bis zu 14.000 neue Jobs in Österreich schaffen.

Die IT-Industrie hat weltweit einen großen Anteil an der Wirtschaftsleistung, so auch in hierzulande. Wie eine aktuelle IDC-Studie prognostiziert, soll die IT-Industrie (der Kommunikationssektor wurde ausgeklammert) in den nächsten vier Jahren bis zu 14.000 neue Jobs in Österreich schaffen. Aus den derzeit rund 174.000 IT-Arbeitsplätzen würden damit bis Ende des Jahres 2013 188.000. Der Bereich Software wird daran den Auguren zufolge einen überproportional großen Anteil haben: Zwar rechnet IDC dieses Jahr für Standardsoftware "nur" mit einem Anteil von 23 Prozent an den gesamten heimischen IT-Ausgaben, trotzdem haben 60 Prozent der bestehenden Jobs in der Informationstechnologie-Branche einen starken Bezug zu Software.

Das Wachstum der IT-Arbeitsplätze beziffern die Marktforscher für die nächsten vier Jahre mit jeweils 1,5 Prozent, während sie für den übrigen Arbeitsmarkt eher von einer Schrumpfung ausgehen. Zudem sollen rund 400 neue IT-Betriebe in Österreich entstehen. Weltweit beschäftigt die IT-Branche in den 52 von IDC im Auftrag von Microsoft untersuchten Ländern – die zusammen für 98 Prozent der IT-Ausgaben verantwortlich zeichnen – derzeit 35,6 Millionen Menschen. Bis 2013 sollen den Ergebnissen der Studie nach weitere 5,8 Millionen IT-Jobs geschaffen werden. Zusätzlich entstehen bis dahin weltweit 75.000 neue Unternehmen im IT-Bereich – ein Großteil davon werden voraussichtlich kleine, lokal verankerte (Software-)Betriebe sein.

INSEL DER SELIGEN? Von Wirtschaftskrise also keine Spur? "Die IT-Brache ist keine Insel der Seligen, aber sie zählt weltweit und auch in Österreich nach wie vor zu den Wachstumsbranchen", relativiert Thomas Lutz, Unternehmenssprecher & Manager Public Affairs bei Microsoft Österreich. In diesem Markt hat Studien-Auftraggeber Microsoft trotz seiner mit lokal rund 340 Mitarbeitern "überschaubaren" Größe ein beachtliches Gewicht: "Für jeden Euro, den Microsoft in Österreich verdient, machen heimische Betriebe 8,39 Euro Umsatz. Das konnten wir in den letzten Jahren gemeinsam ausbauen und damit die Wertschöpfung am Standort Österreich weiter steigern", so Lutz im Gespräch mit Computerwelt.at.

Das Microsoft Partner-Wirtschaftssystem besteht hierzulande aus mehr als 5.000 Unternehmen, die mehr als ein Drittel aller IT-Jobs (65.000) in sich vereinen und für 41 Prozent der IT-Steuerleistung aufkommen – das sind dieses Jahr immerhin rund 4,5 Mrd. Euro von insgesamt 7,7 Mrd. Euro, Tendenz steigend. Lutz: "Microsoft hat ein sehr stark partnerorientiertes Geschäftsmodell, stärker als der Mitbewerb. 97 bis 98 Prozent der Geschäftstätigkeit laufen über Partner. Der Rest sind Enterprise Services, die sich aber nicht als Mitbewerb verstehen, sondern als Speerspitze – um neue Technologien in den Markt zu bringen und Pilotprojekte zu starten. Das Motto lautet: 'Partner hinzuziehen, sich selbst wieder zurückziehen'. Es ist nicht das Ziel des Enterprise-Bereiches, hochprofitabel zu sein."

Nervös wegen der angespannten Wirtschaftslage ist man bei Microsoft nicht, eher herrscht Optimismus. "Die IT-Industrie im Allgemeinen, aber auch Microsofts Partner-Wirtschaftssystem konnten der Krise sehr gut trotzen und den Umständen etwas entgegenhalten. Man sieht da und dort auch schon wieder schneller als geglaubt einen Silberstreif am Horizont. Microsoft profitiert davon natürlich auch", sagt der Unternehmenssprecher. "Kunden vertrauen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten verstärkt auf starke, etablierte heimische Partner. Daher bietet das Microsoft Partner Wirtschaftssystem für ACP als größten Microsoft Integrator in Österreich selbst heute gute Wachstumsmöglichkeiten", bestätigt Rainer Kalkbrener, Mitglied der Geschäftsführung von ACP.

Das sieht auch der heimische Software-Entwickler TechTalk so, der in den letzten Jahren im Segment der .NET Entwicklungspartner im Microsoft Partner Wirtschaftssystem laufend wachsen konnte. "Auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten ist Software-Entwicklung gefragt. Denn sie schafft zum Beispiel durch neue Arten der Zusammenarbeit mehr Flexibilität in Unternehmen und garantiert Produktivität und Qualität. Das Microsoft Partner-Wirtschaftssystem unterstützt uns auch durch seine Vielfalt an spezialisierten Partnern. Oft sind es gerade komplementäre Partnerschaften, die besonderen Nutzen beim Kunden schaffen", erklärt Andreas Rosenthal, Kaufmännischer Geschäftsführer des auf .NET speziallisierten Software-Entwicklers TechTalk.

BRANCHE UND POLITIKER GEFORDERT Eine andere, länger bekannte Krise gilt es hingegen noch zu umschiffen, denn die 14.000 prognostizierten neuen IT-Jobs wollen auch mit 14.000 ausreichend qualifizierten Mitarbeitern besetzt werden. Allerdings drohen verschiedenen Schätzungen zufolge (siehe beispielsweise "IT- und Telekombranche fordert Bildungsoffensive" oder "Wo sind die IT-Fachkräfte?") tausende Bürostühle leer zu bleiben. "Der Fachkräftemangel hat nicht abgenommen. Wir sehen das in Bereichen die jetzt wachsen, wie etwa Business Intelligence. Es ist sehr schwierig gute Leute zu finden. Es gibt sicher viele gute allgemein ausgebildete Kräfte. Aber an Spezialisten, beispielsweise für die Softwareentwicklung, herrscht nach wie vor Mangel", so Kalkbrener gegenüber Computerwelt.at. "Gute Leute zu finden ist immer schwer. Die Unternehmen versuchen diese Leute natürlich auch zu halten", hat allerdings auch der Einwand von Andreas Rosenthal Berechtigung.

"Wir haben weiterhin zu wenige Studentinnen und Studenten in den entsprechenden Fächern. Auch die IT-Branche muss sich hier involvieren und artikulieren. Das tun wir vielleicht zu wenig, weil wir in unserer Sprache nach wie vor etwas unverständlich sind", schlägt Microsoft-Unternehmenssprecher Lutz auch (selbst-)kritische Töne an. Die Branche "und wahrscheinlich auch der Softwarebereich im Speziellen" habe ein Vermittlungsproblem dabei, der Politik den Einfluss von IKT und Software auf das Leben des einzelnen Bürgers zu veranschaulichen. Lutz: "Was sich in den letzten 15 Jahren getan hat war dramatisch, wird aber leider von der Politik oft nicht so gesehen. Was sich in den nächsten 15 Jahren entwickeln wird, wird noch stärkere Trennlinien einziehen, die noch schwerer zu überbrücken sein werden und bei denen eigentlich noch mehr politische Anstrengung notwendig wäre." (rnf)

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