E-Skills für Europa Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


03.03.2010 Rudolf Felser

E-Skills für Europa

Die Nachfrage nach digitaler Kompetenz ist in den letzten Jahrzehnten kräftig gestiegen. Um für das Thema zu sensibilisieren, wurde die EU-weite E-Skills-Week ins Leben gerufen.

Die regelmäßige Internetnutzung ist in der EU von 43 Prozent im Jahr 2005 auf 56 Prozent im Jahr 2008 gestiegen, heißt es im Digital Literacy Report und im Digital Competitiveness Report, zwei EU-Berichten zur digitalen Kompetenz. 43 Prozent der Bevölkerung nutzen das Internet inzwischen täglich, wobei der Anteil unter jungen Leuten höher liegt. Es bestehen aber weiterhin beträchtliche Lücken. Menschen im Alter von 65 bis 74 Jahren, Nichterwerbstätige und Personen mit dem niedrigsten Bildungsniveau bleiben im Hinblick auf digitale Kompetenz am meisten außen vor.

Die Nachfrage nach digitaler Kompetenz ist in den letzten Jahrzehnten jedoch kräftig gestiegen: Laut Angaben der Europäischen Kommission, die vom 1. bis 5. März die "E-Skills-Woche 2010" ausgerufen hat, haben sich fast vier Millionen Berufstätige in Europa auf IKT spezialisiert – im Vergleich zu 1995 mehr als das Doppelte. Diese Fachleute werden zunehmend im Automobil-, Bank-, Finanz-, Grafik- und Medienbereich sowie anderen IKT einsetzenden Wirtschaftszweigen beschäftigt (54,5 Prozent), und mittlerweile arbeitet weniger als die Hälfte von ihnen im traditionellen IKT-Sektor (45,5 Prozent).

Diese Zahlen bilden zwar eine gute Grundlage für den Aufbau einer wettbewerbsfähigen wissensbasierten Wirtschaft, sie reichen aber nicht aus. Die europäischen Bildungs- und Ausbildungssysteme haben mit der rasant steigenden Nachfrage nach digitaler Kompetenz nicht Schritt gehalten, so dass es nun an Informatikern und fortgeschrittenen IKT-Anwendern mangelt. Seit 2003 schreiben sich immer weniger junge Leute in Informatikkurse ein, wodurch die Zahl der Absolventen zurückgeht. Bisher wird die Lücke von Absolventen der Natur-, Ingenieurs- oder Geisteswissenschaften geschlossen, die IKT-Experten werden (so machen etwa in Dänemark Nicht-IKT-Absolventen 70 Prozent der IKT-Beschäftigten aus). Dabei handelt es sich keineswegs um ein Problem des IKT-Sektors; vielmehr beeinträchtigt der zunehmende Mangel an digitaler Kompetenz in Europa die Produktivität und Wettbewerbsfähigkeit aller Arten von Organisationen (großen und kleinen) in der gesamten Gesellschaft.

EXPERTEN WARNEN VOR FACHKRÄFTEMANGEL Eine von dem sozialwissenschaftlichen Beratungsunternehmen Empirica und IDC EMEA Government Insights herausgegebene Studie hat gezeigt, dass der EU-Arbeitsmarkt bis 2015 eventuell mit einem Nachfrageüberhang von 384.000 IKT-Praktikern rechnen muss. Vor allem angesichts der folgenden Zahlen ist diese Entwicklung dramatisch: Der IKT-Sektor macht zur Zeit drei Prozent der europäischen Arbeitsplätze, fünf Prozent des europäischen BIP und 26 Prozent der Ausgaben für Forschung und Entwicklung aus. Aufgrund dieses Trends wird angenommen, dass Europa während der nächsten fünf Jahre ungefähr fünf Millionen "IKT-Praktiker" benötigen wird.

"Europas dringendstes Problem ist, ein Arbeitskräftepotenzial mit angemessenen e-Skills aufzubauen, um seine Wirtschaft voranzutreiben und die Führungsposition auch im 21. Jahrhundert aufrechtzuerhalten", meinte Bridget Cosgrave, Director-General von Digitaleurope, nach Eigendefinition "die Stimme der europäischen Digitalbranche in Brüssel". "Mithilfe der e-Skills und der Digitalbranche - einem Sektor der das Potenzial hat, in den nächsten fünf Jahren 400.000 Jobs zu schaffen - ist ein Aufschwung der europäischen Wirtschaft möglich.

Bis 2015 werden 90 Prozent aller Jobs über alle Branchen hinweg die Anwendung von IKT benötigen. "E-Skills spielen nicht nur für alle Arbeitssuchenden eine entscheidende Rolle, sondern auch für alle diejenigen, die bereits einem Beruf nachgehen", meinte Cosgrave.

"Es ist von zentraler Bedeutung unsere E-Skills und die Bildung hinsichtlich der digitalen Kompetenzen zu steigern, um die wirtschaftliche Rezession zu überwinden und die Arbeitslosigkeit - besonders unter den jungen Menschen - zu reduzieren", bestätigte Werner B. Korte, Director und E-Skills Research Project Leader bei Empirica. "Wir benötigen ein Arbeitskräftepotenzial, das über angemessene E-Skills verfügt, um Europas Wirtschaft voranzutreiben", erklärte Korte. "Arbeitsplätze für IKT-Praktiker erweisen sich als sehr beständig gegen die Krise. In diesem Bereich liegt die Arbeitslosigkeit um 40-50 Prozent unter dem Durchschnitt. Daten zeigen, dass der Mangel an E-Skills in Europa bis 2015 zwischen 1,7 Prozent und 13 Prozent an unbesetzten Stellen ausmachen wird."

"Europa könnte einen wichtigen Wettbewerbsvorteil an Schwellen- und technisch besser vorausschauende Länder verlieren, wenn wir nicht aus der Fähigkeit der Digitalbranche schöpfen, um Wachstum und E-Skills zu fördern und somit Arbeitsplätze zu besetzen. Diese beiden Aspekte sind ausschlaggebend für dauerhaften wirtschaftlichen Wohlstand und Kontinuität des europäischen Sozialmodells. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, um zu investieren", so Cosgrave.

IT-FITNESS IN ÖSTERREICH Anlässlich der E-Skills-Woche hat Microsoft in Österreich gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft und Politik die Initiative "IT-Fitness" ins Leben gerufen. Die heimische Initiative ist eingebettet in die E-Skills Week und das europäische Programm "Skills for Employability", das es sich zum Ziel gesetzt hat, die Beschäftigungschancen von 20 Millionen Bürgern in der EU mit passenden Schulungsangeboten zu erhöhen.

"Wir müssen sicherstellen, dass unsere Arbeitnehmer die 'richtige' Aus- und Weiterbildung erhalten. Und IT-Skills gehören zu diesen Fähigkeiten, die der Arbeitsmarkt heute, vor allem aber auch in der Zukunft benötigt und benötigen wird. Der Umgang mit Computer und Internet ist Voraussetzung jeder höheren Qualifikation und Bildung", betont Microsoft Österreich-Geschäftsführerin Petra Jenner.

Die IT-Fitness-Initiative ruht auf einer starken Partnerplattform: Mit dem Bildungs- und dem Sozialministerium, Interessensvertretungen sowie namhaften Partnern aus der IKT-Branche (neben Microsoft auch die Österreichische Computergesellschaft OCG, E-Learning-Spezialist Bit Media, Cisco, Hewlett Packard und T-Systems) ist die Initiative gut aufgestellt. Der erste Schritt und Herzstück der heimischen Initiative ist ein gemeinsam mit den Experten der OCG entwickelter und kostenloser Online-Einstufungstest via Internet. Innerhalb von ungefähr 20 Minuten kann der aktuelle Wissenstands in Sachen IT eruiert werden, Potenziale werden dabei sichtbar. "Alle Österreicherinnen und Österreicher sind eingeladen, den IT-Wissens-Check zu machen und anschließend eines der kostenlosen Lern- und Weiterbildungsmodule in Anspruch zu nehmen", so Jenner.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • VOQUZ Technologies GmbH

    VOQUZ Technologies GmbH Öffentliche Verwaltung, Maschinen- und Anlagenbau, Finanzdienstleistungen, Qualitätssicherung, Product Lifecycle Management (PLM), Mobile Lösungen und Applikationen, Management Informationssysteme (MIS),... mehr
  • T-Systems Austria GesmbH

    T-Systems Austria GesmbH WLAN-Systeme, VPN, Voice Mail Dienste, Videokonferenz-Systeme, Unified Messaging Dienste, Netzwerk-Systeme (LAN, MAN, WAN), Netzwerk-Management,... mehr
  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr
  • Snap Consulting - Systemnahe Anwendungsprogrammierung u Beratung GmbH

    Snap Consulting - Systemnahe Anwendungsprogrammierung u Beratung GmbH Wasser- und Energieversorgung, Öffentliche Verwaltung, Medizin und Gesundheitswesen, Maschinen- und Anlagenbau, Luft- und Raumfahrttechnik, Logistik, Konsumgüterindustrie,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: