Gastkommentar: 2015 kippt der Arbeitsmarkt Detail - Computerwelt

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05.11.2010 Bernhard Otti*

Gastkommentar: 2015 kippt der Arbeitsmarkt

Innerhalb der Europäischen Union gibt es erstmals weniger potenzielle Berufseinsteiger als Personen, die altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden.

Einer aktuellen Studie zufolge ist es schon dieses Jahr soweit: Innerhalb der Europäischen Union gibt es erstmals weniger potenzielle Berufseinsteiger als Personen, die altersbedingt aus dem Berufsleben ausscheiden. Für Österreich wird dieser Kipppunkt für das Jahr 2015 prognostiziert – und dies geht mit massiven Umwälzungen am Arbeitsmarkt einher.

Weniger Schulanfänger als Pensionisten: Der demographische Wandel macht auch vor dem Arbeitsmarkt nicht halt, wie die aktuellen Ergebnisse des Allianz Demographic Pulse zeigen. Neben dem Pensionssystem ist vor allem der Arbeitsmarkt zunehmend betroffen. Schon heute stehen in der Europäischen Union 28,6 Millionen Jugendliche 28,8 Millionen Einwohnern zwischen 60 und 65 Jahren gegenüber – die Tendenz ist steigend.

In Österreich wird sich dieses Verhältnis im Jahr 2015 umkehren. Der Anteil der Jugendlichen schrumpft von 504.000 auf 467.000, die Zahl der Älteren steigt von 447.000 auf 478.000. Immer mehr ältere Menschen verlassen den Arbeitsmarkt frühzeitig, doch es kommen immer weniger Junge nach.

Niedrige Erwerbsquote im Alter: Erschwerend kommt hinzu, dass es auch bei den Erwerbsquoten der österreichischen älteren Arbeitnehmer düster aussieht: Sind im EU-Durchschnitt noch rund ein Drittel aller Personen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren erwerbstätig, ist das bei uns nur etwa jeder Fünfte. Damit liegt Österreich im Vergleich auf Platz 18.

Eine Erhöhung der Erwerbsbeteiligung älterer Arbeitnehmer ist die arbeitsmarktpolitische Herausforderung der nächsten Jahre. Dafür müssen die entsprechenden Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt geschaffen werden. Auf der anderen Seite sind auch Unternehmen gefordert, im Rahmen ihrer Personalpolitik nachhaltige Lösungen umzusetzen.

Leistungsmanagement als Antwort: Bei den Entlohnungssystemen wird künftig das Senioritätsprinzip durch ein Leistungsprinzip abgelöst. Ein firmeneigenes Pensionskonto soll ins Gehaltssystem integriert sein. Für jeden Mitarbeiter gibt es firmenintern individuelle Verwendungsmöglichkeiten variabler Entgeltteile – vom Bonus bis zur Gutschrift auf das Lebensarbeitszeitkonto.

Schon in drei bis fünf Jahren werden die Unternehmen mehr Jobs anbieten, als sie dann noch besetzen können. Wir müssen uns daher auf einen Mangel an Arbeitskräften in nie gekannter Form einrichten. Dieser Mangel wird sich quer durch alle Berufsgruppen ziehen.

Bildung ist der Schlüssel: Dieser Arbeitskräftemangel fordert also zusätzliche Investitionen in die Bildung. Es müssen sowohl das vorhandene Bildungspotenzial ausgeschöpft, das Erwerbstätigenpotenzial erhöht als auch Methoden zur Früherkennung von Qualifikationsdefiziten weiter entwickelt werden.

Was bedeutet das für Unternehmen? Vor dem Hintergrund des abzusehenden Fachkräftemangels werden Unternehmen gut beraten sein, kurzfristig lieber auf höhere Gewinne statt auf qualifizierte Mitarbeiter zu verzichten. Unternehmen sollten bestrebt sein, ihre qualifizierte Stammbelegschaft zu halten.

Gefordert ist aber auch vor allem die Politik. Mit fortschreitender europäischer Integration und zunehmender weltwirtschaftlicher Verflechtung ist auch der österreichische Arbeitsmarkt immer weniger als geschlossenes System zu verstehen. Steigende Mobilität sollte und muss gefördert werden. Die Zukunft gehört einem europäischen und globalen Arbeitsmarkt.

* Bernhard Otti ist Geschäftsführer von Otti & Partner Personalmanagement.

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