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06.03.2009 Rudolf Felser

Hightech-Unternehmen unterschreiben Frauen-Kodex

Fünf große IKT-Unternehmen haben einen Kodex für die vorbildliche Praxis der Frauenförderung in der IKT unterzeichnet.

In Zeiten der Finanzkrise erweisen sich Arbeitsplätze im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) als sichere Wachstumsquelle und Stütze für die Erholung der Wirtschaft. Die Wettbewerbsfähigkeit der EU wird jedoch davon abhängen, in welchem Maße es gelingt, qualifizierte Arbeitskräfte, darunter auch Frauen, vor allem in die High-Tech-Branche zu ziehen und dort zu halten. In der EU werden der Europäischen Kommission zufolge 2010 voraussichtlich 300.000 Techniker und Ingenieure fehlen – aber nicht einmal jeder fünfte Informatiker ist eine Frau.

2007 wurde die Europäische Kommission aktiv und ermunterte Telekom- und Internet-Unternehmen, mehr computerinteressierte Frauen – sie bekamen in diesem Zusammenhang von der EU den Spitznamen "Cyberellas" verpasst – für IKT-Berufe zu gewinnen. Jetzt haben fünf große IKT-Unternehmen einen Kodex für die vorbildliche Praxis der Frauenförderung in den IKT unterzeichnet. Damit verpflichten sie sich, selbst mehr zu unternehmen, um Technikberufe für Frauen attraktiver zu machen, das weibliche Potenzial im IKT-Sektor besser zu nutzen und seine Entfaltung zu fördern.

EIN ERSTER SCHRITT "Die Unterzeichnung dieses Kodex für die vorbildliche Praxis ist ein erster Schritt, um High-Tech-Berufe für Mädchen interessanter zu machen und mehr Frauen in den IKT-Sektor zu bringen. Ich gratuliere den Unternehmen, die heute ihren Mut und ihre Überzeugung unter Beweis stellen und den Kodex unterzeichnen, der den IKT-Sektor frauenfreundlicher machen und dadurch bereichern wird", sagte die für die Telekommunikation zuständige EU-Kommissarin Viviane Reding. "Aber der IKT-Sektor hat gerade erst begonnen, sich der Dimension des Problems bewusst zu werden und zu verstehen, wie wichtig es ist, Frauen zu gewinnen, um die bestehenden Kompetenzlücken in Europa zu schließen. Im IKT-Bereich fehlen in Belgien gegenwärtig 10.100 Informatiker, in Polen 18.300, in Italien 2.800, in Frankreich 4.300, in Spanien 41.800 und in Deutschland sogar 87.800! Ich rufe daher alle anderen IKT-Unternehmen auf, dem heutigen Beispiel zu folgen und den Kodex für Frauen in den IKT bis zum Ende dieses Jahres zu unterzeichnen."

In Anwesendheit von Kommissarin Reding unterzeichneten folgende fünf europäische und internationale Unternehmen den Kodex: Alcatel-Lucent, IMEC, Orange-France Telecom Group, Microsoft und Motorola. Der Kodex ist das Ergebnis einer Branchendiskussion, die Reding am internationalen Frauentag 2008 in Gang gebracht hatte. Er soll dazu beitragen, den High-Tech-Sektor für die Mädchen in der Schule und für junge Frauen an den Hochschulen interessanter zu machen, aber auch die bereits in der Branche tätigen Frauen zu fördern und im Beruf zu halten.

FÖRDERN, FÖRDERN, FÖRDERN Der Kodex sieht unter anderem die Einrichtung von Girls Labs oder Computerclubs für Mädchen vor, in denen sie mehr Selbstvertrauen beim Umgang mit der Informatik erlangen sollen, indem sie etwa Websites entwickeln, Musik mixen oder Online-Magazine gestalten. Die IMEC, Motorola, Orange und Microsoft haben bereits solche Girls Labs, Technikclubs oder veranstalten Sommercamps. Darüber hinaus werden Betreuungsprogramme für junge Mütter angeregt, damit Frauen während des Elternurlaubs den Anschluss an neueste Technologieentwicklungen nicht verlieren, wie sie beispielsweise von Motorola angeboten werden.

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