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28.06.2017 Wolfgang Franz/pi

Wohin mit unserem Stress im Büroalltag?

Wie sich ein zu hoher Stresslevel auf unsere Wahrnehmung der Arbeitsumwelt auswirkt.

29 Prozent der Österreicher haben sich im Laufe des vergangenen Arbeitstages sehr bis eher gestresst gefühlt.

29 Prozent der Österreicher haben sich im Laufe des vergangenen Arbeitstages sehr bis eher gestresst gefühlt.

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Egal ob durch Zeitdruck, unfreundliche Kunden oder störende Anrufe: Ein hoher Stresslevel ist für viele nicht aus ihrem Arbeitsalltag wegzudenken. Doch wie wirkt sich Stress am Ende des Tages auf die Arbeitsleistung aus? Gemeinsam mit karriere.at, bene und dem WIFI ist das Badener Online Markt- und Meinungsforschungsinstitut Marketagent.com dieser Frage nachgegangen. Im Rahmen einer groß angelegten Studie wurde nicht nur der Büroalltag von Herrn und Frau Österreicher unter die Lupe genommen, sondern auch welche Rolle Stress dabei einnimmt. Ergebnis: Einmal im Stress-Rad angekommen, ist es schwer den Konsequenzen zu entkommen. Eine hohe Arbeitsauslastung bewirkt hingegen Positives.

29 Prozent der Österreicher haben sich im Laufe des vergangenen Arbeitstages sehr bis eher gestresst gefühlt. Zu diesem Ergebnis gelangt eine aktuelle Studie, die die heimischen Arbeitnehmer von nine to five begleitet hat. Als Hauptgrund wird vorwiegend Zeitdruck genannt (14,2 Prozent), aber auch unfreundliche, nervige Kunden (7,2 Prozent), viele Telefonate (6,9 Prozent) oder der Druck, alle Aufgaben gleichzeitig erledigen zu müssen (6,8 Prozent) reihen sich unter die Top-Stressfaktoren in Österreichs Büros.

Nicht zu verwechseln ist ein stark ausgeprägter Stresspegel jedoch mit einer hohen Arbeitsauslastung. Denn diese steigert die Vorfreude auf den Arbeitstag sogar, ganz im Gegensatz zu Stress (37,0 Prozent vs. 23,6 Prozent). Dementsprechend wird die Atmosphäre im Büro von Arbeitnehmern mit hoher Stressbelastung weniger positiv wahrgenommen, als von jenen, die unter Bedingungen mit einem niedrigen Stressniveau arbeiten (54,1 Prozent vs. 81,6 Prozent). Selbiges Bild zeigt sich in Punkto Ärgernissen, denn auch diese sind unter einer hohen Stressbelastung deutlich stärker ausgeprägt (85,1 Prozent vs. 41,7 Prozent bei niedriger Belastung). Und die Negativspirale dreht sich weiter. Denn dazu kommt, dass sich Stress-Geplagte mit 27,9 Prozent häufiger unfair behandelt fühlen (vs. 6,1 Prozent).

Dass hingegen eine hohe Arbeitsauslastung positive Auswirkungen auf unser Gemüt ausübt, spiegelt sich in unserer Zufriedenheit mit der eigenen Arbeitsleistung wider. So zeigen sich 85,7 Prozent all jener mit sich zufrieden, die am Vortag im Büro im Dauer-Einsatz standen. Umgekehrt behaupten dies lediglich 6 von 10 mit einem geringen Arbeitspensum von sich. Eine hohe Workload wäre demnach schön und gut, wäre da nicht erneut der Faktor Stress, der etwaige positive Effekte wieder aufhebt. So fühlt sich rund ein Drittel (31,1 Prozent) der Beschäftigten mit einem hohen Stresslevel gestört, wenn sie zusätzlich Aufgaben außerhalb ihres Tätigkeitsbereichs übernehmen. Kein Wunder also, dass bei ihnen in Bezug auf berufliche Angelegenheiten öfter ein Gefühl der Verzweiflung aufkommt. 35,2 Prozent der gestressten Angestellten können sich mit diesem Gefühl identifizieren, verglichen mit 7,3 Prozent der Stressverschonten.

Dies führt in weiterer Folge dazu, dass 46,4 Prozent der stark beanspruchten Arbeitnehmer den Wunsch nach einer beruflichen Veränderung verspüren. Und so ist, gefragt nach dem gestrigen Arbeitstag, bei sage und schreibe 23,1 Prozent der Gedanke aufgekommen, alles hinzuschmeißen und den Job zu kündigen. Ein Bedürfnis, das lediglich auf 6,6 Prozent der Berufstätigen mit einem niedrigen Stresslevel zutrifft. Interessant ist in diesem Kontext erneut der Grad der Arbeitsauslastung. Gut ein Drittel (34,8 Prozent) der stark eingedeckten Personen denken daran, sich beruflich zu verändern. Mit 49,1 Prozent stellt dies für knapp die Hälfte der weniger stark Ausgelasteten eine denkbare Option dar. Es ist daher nicht auszuschließen, dass diese Entwicklung möglicherweise eine Konsequenz des sogenannten Boreout-Syndroms ist, also einer Unterforderung im Arbeitsleben.

Wenn es darum geht, ob man das Büro am Vortag zur ursprünglich geplanten Zeit verlassen hat, sind es dennoch erneut die Angestellten mit einem hohen Stresspegel, die ein Klagelied singen können. Rund 4 von 10 ist dies nicht gelungen. Aber wer glaubt, dass mit dem Schließen der Bürotüre automatisch Glücksgefühle aufkommen, der irrt. Mehr als die Hälfte der Angestellten, die tagsüber mit einem hohen Stresslevel zu kämpfen haben, fühlen sich nach Verlassen der Arbeitsstätte vorrangig müde und können nur schwer abschalten. Besser gelingt dies hingegen den weniger Stressbelasteten, die sich zu 27,9 Prozent fröhlich und glücklich (17,5 Prozent) in den Feierabend verabschieden.

Apropos Feierabend: Wenn es darum geht, ob Berufstätige mit einer hohen Stressbelastung genügend Zeit für ihr Privatleben bleibt, sprechen die Ergebnisse der Studie eine eindeutige Sprache. So gelingt es nur knapp jedem Zweiten (48,2 Prozent) genügend Zeit für seine privaten Angelegenheiten aufzubringen, im Vergleich zu 83,0 Prozent bei den weniger stark Belasteten. In Punkto Work-Life-Balance gibt es folglich noch Nachholbedarf. Und auch das Gefühl, mit der Arbeit etwas Sinnvolles erreicht zu haben, bleibt unter einem hohen beruflich bedingten Stressniveau häufiger aus (22,0 Prozent vs. 38,5 Prozent).

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