Lisa Kuhn, Navax: "Wichtig ist, zu vermitteln, dass ein EDV-Job nicht nur mit Technik zu tun hat" Detail - Computerwelt

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22.10.2010 Michaela Holy

Lisa Kuhn, Navax: "Wichtig ist, zu vermitteln, dass ein EDV-Job nicht nur mit Technik zu tun hat"

Für Lisa Kuhn, Head of Accounting & Controlling bei Navax, ist das Thema Frauenmangel in der IT ein allgegenwärtiges. Im COMPUTERWELT-Interview spricht sie über Gründe und Möglichkeiten zur Gegensteuerung.

Computerwelt: Sie beschäftigen sich viel mit dem Frauenmangel in der IT. Wie ist er aus Ihrer Sicht spürbar? Lisa Kuhn: Ich sitze nicht nur in der HR, ich habe verschiedene Funktionen im Unternehmen. Ich habe einerseits die HR-Abteilung unter mir, andererseits aber auch den operativen Bereich und dadurch ist das Thema allgegenwärtig. Teamzusammensetzung ist sehr wichtig um Erfolg zu haben, da ist ein gemischtes Verhältnis ein ganz anderes, als wenn nur Frauen oder nur Männer im Team sind. Das heißt, man hat auf der einen Seite das Problem im Verwaltungsbereich, im Organisationsbereich, der sehr Frauenlastig ist, die IT ist hauptsächlich männlich dominiert. Schön wäre, wie überall, ein gesunder Mix. Wir machen ERP-Systeme, das heißt auf der anderen Seite sitzen beide Geschlechter, die müssen mit einem Produkt zurecht kommen. Demnach wäre es natürlich auch auf unserer Seite wünschenswert, wenn wir hier einen guten Mix hätten.

Was sind mögliche Gründe für den Frauenmangel in der IT? Es fängt in der Schule an und dort liegt das Problem. Der Entwicklungsweg hängt vom Schulabschluß ab. Wenn ich einen HAK- oder HTL-Abschluss habe ist der Fokus in der Schule ein anderer. Obwohl ich mit beiden eine ideale Startmöglichkeit hätte. Jemand aus der HAK könnte ein toller Consultant werden. Den wirtschaftlichen Background hat er sich erarbeitet, dann kann man dazu auch programmieren lernen. Vice versa, aus der HTL kommen gute Programmierer, die haben aber vielleicht wenig betriebswirtschaftlichen Hintergrund. Aber im Prinzip haben beide die selben Startmöglichkeiten. In der Schule sollte IT so vermittelt werden dass es nicht technisch ist, sondern gezeigt werden, dass es unser Leben begleitet, dass es Spaß macht. Ich habe die Hoffnung, dass das in zehn Jahren ganz anders aussieht, die Bewerber andere sind und die Distanz geringer wird. Jahrgänge wie ich haben es relativ schwierig, IT-Orientierung bei Frauen zu finden. Ich wollte mit 14 eine HTL machen und habe damals auch die Aufnahmsprüfung geschafft. Man hat mich aber gefragt ob ich wirklich das einzige Mädchen in dem Jahrgang sein will. Ich hatte zwei Monate Zeit um mir das zu überlegen und dann war plötzlich die IT-Affinität nicht mehr so hoch. Heute, in Zeiten von Quotenfrauen, ist das sicher anders. Da wird man solche Fragen nicht mehr stellen. Heute kann ich mir vorstellen dass der Trend ganz anders ist. Das wird noch dauern fünf bis zehn Jahre, aber ich glaube da werden wir einen ganzen Sprung machen, auch durch Laptop-Klassen und durch den Unterricht. Ich hoffe dass das jetzt schon seine Früchte trägt.

Sind Frauen für gewisse Berufe gut geeignet? Ich glaube viele Frauen haben dieses Helfer-Syndrom und das ist für einen Consultant ideal. Das ist ja wirklich seine Aufgabe. Da glaube ich sind Frauen schon sehr stark in diese Richtung orientiert. Ich denke durchaus, dass sich da gute Aspekte ergeben. Wichtig ist einfach zu vermitteln dass ein EDV-Job nicht nur mit Technik zu tun hat. Gerade der Consultant hat relativ wenig mit Technik zu tun, sondern ist eben sehr anwendungsorientiert, beratend unterwegs. Viele der Consultants haben keine Programmierausbildung oder könnten keinen Computer zusammenschrauben – das ist aber auch gar nicht erforderlich.

Wie kann man dem Trend Frauenmangel in der IT gegensteuern? Wir haben in vielen Bereichen schon gegengesteuert. Gerade die großen Unternehmen, die die finanziellen Möglichkeiten haben mehr und aktiv an die Schulen zu gehen. Für den Mittelstand ist es ein bisschen schwieriger, da schafft man es über Anzeigen und die entsprechende Gestaltung. Wir haben unsere Anzeigen stark verjüngt und versucht, auch wirklich Frauen damit anzusprechen, zu vermitteln dass die Branche nicht trockene Technik ist, sondern Spaß macht. Es gibt natürlich IT-Zweige die stark mit Technik zu tun haben, bei uns sehe ich das aber nicht so. Wir haben stark die beratende Rolle.

Sie versuchen mit Ihren Anzeigen auch zielgerichtet Frauen anzusprechen? Auf jeden Fall. Wir haben uns unsere Anzeigen angeschaut und überlegt, wer die Leute sind, die darauf antworten. Wir wollen junge, dynamische Leute erreichen, wir möchten Frauen erreichen, wir wollen einen gesunden Mix von Leuten. Es soll sich jeder angesprochen fühlen, der sich für IT interessiert, der sich gern um Leute kümmert oder der auch technisch affin ist. Und da haben wir versucht ein entsprechendes Layout zu kriegen und ich glaube der Erfolg gibt uns Recht.

Man kann Erfolge erkennen? Ja, eindeutig. Die Bewerbungsquoten sind sicher anders geworden. Sowohl mehr Frauen als auch mehr Junge haben sich beworben. Es sind aber immer noch zu wenige Frauen. Wenn sich zwanzig Personen auf eine Stelle bewerben und es ist nur eine Frau dabei, ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie den Job bekommt, relativ gering. Das hat nichts damit zu tun dass sie eine Frau ist, ich muss ja im Sinne des Unternehmens entscheiden. Wenn ich zwanzig Leute für einen Job habe muss ich die Ausbildung bewerten. Dann spielen natürlich auch noch andere Kriterien eine Rolle. Bei uns stellt sich aber gar nicht die Frage ob wir eine Frau oder einen Mann haben wollen. Das würde nicht in unser Unternehmensbild passen. Es zählt was man leistet, was man ins Unternehmen einbringt. Es gibt aber zahllose Auswertungen und Statistiken die eindeutig nachweisen, dass Frauen mit der selben Ausbildung eine andere Karriereentwicklung haben als Männer. In den großen Firmen kann das so sein, im Mittelstand glaube ich es nicht, denn hier zählt wirklich nur die Leistung.

Wer sind hauptsächlich Ihre Bewerber? Wir gehen stark in die HTL, in die Schulen und versuchen hier mit entsprechenden Jobanzeigen zu werben. Wir gehen auch auf Jobmessen. Aus der FH Wiener Neustadt oder aus Hagenberg kommen auch viele zu uns.

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