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30.06.2016 :: Printausgabe 13/2016 :: Christof Baumgartner

Energie und IT verschmelzen

Die sichere Energieversorgung wird künftig zu den größten Herausforderungen gehören. An der FH Oberösterreich Campus Hagenberg gibt es seit Herbst 2015 nun das neue Masterstudium Energy Informatics, das sich intensiv mit diesem Thema beschäftigt.

Christoph Schaffer ist Studienleiter an der FH OÖ.

Christoph Schaffer ist Studienleiter an der FH OÖ.

© A.Groisboeck

Eine nachhaltige, sichere und erschwingliche Energieversorgung ist für die wirtschaftliche Entwicklung unbestritten wichtig. Ein wichtige Rolle dabei spielt der Einsatz der Informations- und Kommunikationstechnologie. Sei es der Aufbau von intelligenten Netzen (Smart Grids), Smart Cities oder die verstärkte Einführung von ressourceneffizienten Technologien zur Energiegewinnung und -speicherung. Dazu werden Fachkräfte benötigt, die in beiden Welten Experten sind. Der Campus Hagenberg der FH Oberösterreich hat nun einen neuen internationalen Studiengang gestartet, der diese Lücke schließen soll. Das Masterstudium Energy Informatics (ENI) soll nicht nur Wissen in den Bereichen Informationstechnologie und Energietechnik vermitteln, sondern dieses mit Knowhow zu relevanten Marktprozessen und gesetzlichen Rahmenbedingungen ergänzen. Geleitet wird der Studiengang von Christoph Schaffer, der schon im Jahr 2003 einen Lehrgang zu Mobile Computing ins Leben gerufen hat und sich damit als Visionär erwiesen hat. Im COMPUTERWELT-Interview spricht Schaffer über die Entwicklung der Energienetze und die Wichtigkeit des neuen Berufsbildes.

Wo steht das Thema Energie in Zeiten der Digitalisierung?

Unsere Energiesysteme werden zwangsweise intelligenter. Die zentrale Energieerzeugung, wie wir sie in den vergangenen Jahren hatten, wird um die dezentrale Energieerzeugung ergänzt und nimmt dabei einen immer größer werdenden Stellenwert ein. Speziell der Einsatz von erneuerbarer Energie inklusive der hier erforderlichen Speicherung wird immer wichtiger. Damit verknüpft sind steigende Anforderungen an unsere Versorgungsnetze. Es gilt sicherzustellen, dass die Energieversorgung richtig funktioniert und dass auch die Preise passen. Das ist für den Wirtschaftsstandort Österreich essenziell. Andere wichtige Themen sind beispielsweise Energieeffizienz und Elektromobilität. Im Bereich der Energieeffizienz müssen wir uns überlegen, wie wir Systeme und Prozesse optimieren können, sodass Energie effizienter eingesetzt werden kann. Hier gilt es auch die entsprechenden EU-Richtlinien zu erfüllen. Das heißt, das Thema Energie ist viel komplexer als früher.

Private Photovoltaik-Anlagen gibt es schon lange.

Ja, aber früher hat man eine PV-Anlage aufs Dach geschraubt und die Anlage im Inselbetrieb laufen lassen. Jetzt haben wir das Thema, dass diese verschiedenen Komponenten gemeinsam in den Netzen betrieben werden müssen. Und das bedarf einer gewissen Koordination und Kontrolle, damit man die Versorgungsstabilität und -qualität garantieren kann. In Österreich sind wir gut aufgestellt, aber international schaut es anders aus. In manchen Ländern gehören Blackouts zum Alltag dazu, weil die Netze die Energiemengen nicht mehr transportieren können.

Worin liegt das Problem?

Denkt man beispielsweise daran, dass in Zukunft jedes Gebäude seine eigene Energieerzeugung und eventuell auch -speicherung haben wird und dass diese Systeme koordiniert betrieben werden müssen, so ergibt sich daraus eine hohe Planungs- und Betriebskomplexität. Das geht weit über die Themen, die wir heute z.B. im Bereich Smart-Meter-Rollout haben, hinaus. Ein Smart Meter ist letztendlich nur ein Messgerät, das Daten liefert. Aber bereits anhand dieses Beispiels sieht man, wie schwierig es ist, neue Technologien einzuführen. Themen wie Security und Privacy sind enorm wichtig. Auch die Gesetzmäßigkeiten dahinter müssen geklärt werden. Dazu kommt, dass diese Systeme sehr robust funktionieren müssen, weil sie massenhaft ausgerollt und mit minimalen Aufwand betrieben werden sollen. Das Thema Energie ist heute nicht nur eine Frage der Technologie, sondern muss viel weitschichtiger betrachtet werden. Wie funktionieren die Märkte, was passiert im Bereich der Standardisierung. In Summe ist es ein megakomplexes System, das sich hier aufbaut, und wir sehen zunehmend das Problem, dass ein Mangel an entsprechend ausgebildeten Fachkräften gegeben ist.

Was lernen die Studenten in dem neuen Studiengang?

Die Voraussetzung für diesen international ausgerichteten Studiengang ist ein Bachelor im Software-Bereich. Im Rahmen des Studiums wird den Studierenden nicht nur das für diese Domäne so wichtige IT-Wissen vermittelt, sondern darüber hinaus auch eine Einsicht in die Domäne selbst gegeben. Das heißt, wie funktionieren unsere Energiesysteme heute, wie sehen die gesetzlichen Rahmenbedingungen, Marktrollen etc. aus, was passiert im Bereich der Standardisierung usw. Wichtig ist, dass die AbsolventInnen die Querverbindungen verstehen und somit den IT-Fachleuten, den Juristen, den Businessverantwortlichen usw. beratend zur Seite stehen können. Die AbsolventInnen sollten aber auch für gänzlich neue Marktanforderungen vorbereitet werden. Ich prognostiziere, dass im Energiebereich eine ähnliche Entwicklung stattfinden wird wie im Bereich der Mobilkommunikation. Wenn man früher eine App auf ein Gerät bringen wollte, musste man mit dem Netzbetreiber reden. Dank Steve Jobs hat sich das zum Glück geändert. Das Business wird jetzt rundherum gemacht, die Wertschöpfung hat sich vervielfältigt. Im Energiebereich ist es derzeit noch ähnlich. Ich komm heute um den Netzbetreiber nicht herum. Aber auch hier sieht man einen Aufbruch und neue Businessmodelle. Wir stehen hier am Anfang aber ich bin mir sicher, dass hier noch sehr viel Innovatives passieren wird.

Wie können Unternehmen von diesem Weitblick profitieren?

Wir können beobachten, dass aufgrund der bestehenden Unsicherheit zwar investiert wird, aber vielfach der Weitblick, der für ein zukunftssicheres System erforderlich wäre, nicht gegeben ist. Es werden Investments getätigt, die aus der Perspektive der Nachhaltigkeit nicht optimal sind. Es ist wichtig, dass man Leute ausbildet, die auch über den Tellerrand sehen können und die Dinge gesamtheitlich bewerten können. Es ist ein umfassendes Wissen erforderlich, um saubere Systeme bauen zu können. Energie ist ein Riesenthema und wir dürfen es nicht so lokal sehen wie in der Vergangenheit. Dies wird auch durch das großes Interesse und Engagement, das bei vielen Unternehmen besteht, bestätigt. Die Firmen, die jetzt in diesen Markt drängen, sind die großen bekannten Namen wie IBM, SAS, Cisco, Oracle oder Siemens. (cb)

Christoph Schaffer ist Studienleiter an der FH OÖ.

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