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So überleben SAP-Berater den digitalen Wandel

Im Zuge der Digitalisierung ändert sich der Job des SAP-Beraters komplett. Das frühere Berufsbild, in dessen Mittelpunkt die Anpassung von SAP-Software an Bedürfnisse und Prozesse der Anwenderunternehmen stand, fasert heute in diverse Richtungen aus.

Mit diesen Tipps meistern SAP-Berater die Digitalisierung.

Mit diesen Tipps meistern SAP-Berater die Digitalisierung.

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Die Luft in der SAP-Beratung ist dünn. Gute Berater sind gefragt und können sich ihre Arbeitgeber aussuchen. Aber sie werden nicht umsonst sorgfältig ausgesucht, stark gefördert und hoch bezahlt: Auf einen Berater warten täglich unvorhersehbare Herausforderungen. Sie verlangen nicht nur ein breites Wissen über Prozesse und die Grenzen des technisch Machbaren, sondern auch Soft Skills wie Verhandlungs- und Kommunikationsgeschick.

Wer sich Blößen gibt, erleidet Rückschläge. Doch wie kann man im Strudel der digitalen Transformation und angesichts der Geschwindigkeit der technischen Entwicklung am Puls der Zeit bleiben? Die wichtigsten Praxistipps, um ein Topberater zu werden und auf Jahre hinaus zu bleiben, sind die folgenden sieben:

1. Beobachten Sie den Markt für neue Geräte
In den vergangenen Jahren stellten immer mehr Unternehmen fest, dass sie zahlreiche Prozesse durch Tablets und Smartphones massiv beschleunigen können. Das hat beispielsweise Datenerfassung, Lagerhaltung und Logistik verändert. Berater sollten genau beobachten, ob sich mit mobilen Endgeräten wichtige Daten für das Geschäft generieren und erfassen oder Prozesse vereinfachen lassen. Niemand erwartet, dass SAP-Berater selbst ein Fitness-Armband, eine Smartwatch oder eine Datenbrille tragen. Aber sie sollten über diese Trends im Bilde sein und sich ständig fragen, ob industrietaugliche Geschwister dieser Consumer-Geräte dem Unternehmen und seinen Mitarbeitern neue Chancen bieten, produktiver zu werden. Hardwareangebote für die Industrie lassen sich oft kundenindividuell mit genau den Funktionen bestücken, die ein Unternehmen für seine Prozesse braucht. Interessant ist neben der immer steigenden Rechenpower der kleinen Geräte insbesondere die Sensorik. Das Wissen darüber, dass Daten zu Vibration, Luftfeuchtigkeit, Geschwindigkeit, Position und Lage von Geräten immer verfügbar sind und Daten auf Dauer auswertbar bleiben, öffnet neue Horizonte.

2. Nutzen Sie neue Technologien
Nicht nur hardware-, auch softwareseitig sind ständige Fortschritte zu beobachten - etwa hinsichtlich Big Data, Machine Learning, Virtual Reality oder Spracherkennung und -steuerung. Die zentrale technische Innovation der letzten Jahre in der SAP-Welt ist SAP HANA.

Die Chance, Unternehmen eine "Single Source of Truth" für ihre Daten zu geben, mit der auch komplexeste Analysen in Bruchteilen von Sekunden und immer auf der Basis der Echtzeitdaten erhältlich sind, bietet einen neuen Einblick. Diese Daten lassen sich nutzen für Controlling, Business Intelligence, die Warenhaltung, Predictive Analytics und das Marketing. Darüber hinaus sind auf Basis von HANA Kleinstapplikationen und benutzerfreundlichere GUIs möglich.

3. Lernen Sie von anderen Unternehmen
In Branchen wie Logistik, Banking oder Handel verändert die Digitalisierung die Prozesse schnell wie nie. Wer seine Kunden beraten will, wie sie die Chancen der digitalen Transformation am besten nutzen können, sollte sich Anregungen bei anderen Firmen holen. Gerade Beispiele aus anderen Branchen können die nötige disruptive Energie haben, um den eigenen Kunden einen dauerhaften Vorteil zu verschaffen. Doch wo erhält man die Informationen? Fachmedien, Hersteller und Dienstleister veröffentlichen Case-Studies. Fachkonferenzen bieten entsprechende Vorträge und zudem spannende Networking-Möglichkeiten.

4. Vernetzen Sie sich mit Experten
Unabhängig davon, wie viel man lernt und weiß - das Nichtwissen bleibt immer größer als das Wissen. Der einzige Trost: In der Zusammenarbeit mit weiteren Experten kann man seine eigenen Urteile verbessern, neue Lösungsansätze finden und die eigenen blinden Flecken auflösen. Die Bereitschaft, auf andere zu ­hören, erspart manchen Ärger. Schon früh in seiner Karriere sollte sich der SAP-Berater angewöhnen, die Kontakte mit solchen Kollegen zu pflegen, auf deren Einschätzungen man besonderen Wert legt. Zu den Gepflogenheiten gehört selbstverständlich auch, selbst großzügig zu sein und sich die Zeit zu nehmen, wenn man um seine Meinung gefragt wird.

Je nach Art und Umfang einer Herausforderung sollte man die direkten Teamkollegen einbeziehen, aber manchmal auch Experten aus dem ganzen Unternehmen, bei Bedarf weltweit. Zudem ist es sinnvoll, ein eigenes privates Umfeld an SAP-Profis aufzubauen und zu nutzen. Gelingt es, das Know-how vieler Experten zu kombinieren, kann ein großer Mehrwert für den Kunden entstehen. Guter Rat ist meist gar nicht so teuer - aber unbezahlbar. Topberater sind immer auch Topnetzwerker.

5. Lebenslanges Lernen ist ein Muss
Wer fünf oder zehn Jahre in der SAP-Beratung gearbeitet hat, bei dem senkt sich der Stress-Level allmählich. Das ist gut. Gleichzeitig schleicht sich aber manchmal eine Routine ein, die Risiken birgt. Wer an sich beobachtet, dass er dünnhäutig wird, weil er zum Beispiel Rückfragen erhält zu Tätigkeiten, die er seit Jahren auf die gleiche Weise erledigt, sollte das als Warnsignal werten. Wer im Topsegment berät, muss kritikfähig bleiben. Die Offenheit für Neues ist Teil des Erfolgsrezepts der besten Berater.

6. Kommunizieren Sie Zwischenerfolge
Statt monolithischer, unbeweglicher Systeme benötigen Unternehmen heute agile und inte­grationsfähige Dateninfrastrukturen, Cloud-Anwendungen oder On-Premise-Lösungen, die sich ständig verbessern. Es ist keine Lösung mehr, dem Management Geduld zu predigen und dann nach zwei Jahren fertige Systeme zu präsentieren, die nur das tun, was der Kunde vor 24 Monaten haben wollte. Stattdessen gilt es, ständige Verbesserungen zu leben, indem die Produktivität des Unternehmens in kleinen Schritten gesteigert wird. Zwischenerfolge zu generieren und sie zu kommunizieren, gehört zur Kunstfertigkeit des SAP-Beraters.

7. Lernen Sie die C-Level-Sprache
Jede Community hat ihre eigene Sprache. SAP-Berater kommen häufig aus der technischen oder der fachlichen Community einer Branche. In der Vergangenheit hat es gereicht, die Sprache einer dieser Communities zu sprechen. Mit der digitalen Transformation ändert sich das.

Die IT ist zur Chefsache geworden und damit zu einem gewissen Grad auch die SAP-Landschaft. Wer mit dem CEO spricht, als befinde er sich in einem Informatikseminar oder auf ­einem Logistikkongress, muss sich zu Recht Fachsimpelei vorwerfen lassen. Das Topmanagement zu überzeugen, verlangt, sich dessen Vokabular und Grundinteressen ­anzunähern. Lohnt sich ein Projekt betriebswirtschaftlich? Ist es datenschutzrechtlich zulässig? Lassen sich die geschäftlichen Risiken quantifizieren? Solche Fragen muss ein SAP-Berater beantworten können. 


* Markus Kellermeyer ist Vice President - Head of Technology Consulting bei der itelligence AG.

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