Wie sinnvoll sind Plug and Play-Kandidaten Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


21.03.2012 :: Printausgabe 06/2012 :: Martin Rajsp *

Wie sinnvoll sind Plug and Play-Kandidaten

Recruiter setzen nicht nur in Österreich vermehrt auf Mitarbeiter, die wie ein Puzzleteil zu hundert 100 Prozent in das Anforderungsprofil des Unternehmens passen und möglichst im vorigen Unternehmen exakt den gleichen Job erledigt haben.

Ein Manager mit Personalverantwortung bekommt nach langem hin und her die Erlaubnis, einen oder mehrere Mitarbeiter zu rekrutieren. Es gibt eine Stellenbeschreibung (oft global standardisiert) und der Recruiter, intern oder extern, erhält den Auftrag für die Suche. Und damit es schnell und einfach geht und jedes Risiko ausgeschlossen wird, favorisieren wir daher in unserer heutigen Gesellschaft Plug and Play-Kandidaten. Was ich darunter verstehe? Solche Personen, die möglichst exakt denselben Job wie den gesuchten beim unmittelbaren Mitbewerber innehaben.

Wie einen Puzzleteil nehmen wir eine Person aus einer Organisation und fügen sie in ein anderes Puzzle, unsere eigene Organisation, ein. Und weil die Schnittstellen ach so ident sind, kann auch nichts schief gehen. Morgen beginnt der neue Mitarbeiter und ist sofort produktiv. Klingt schlüssig. Aber ist es der Weisheit letzter Schluss? Und welche Chancen lassen wir dabei verstreichen? Lassen Sie mich eine These voran stellten: Wenn jemand bei einem Mitbewerber tätig ist, lässt alleine diese Tatsache keine Rückschlüsse auf seine Qualifikation zu. Oder einfach: niemand ist deswegen gut, weil er für ein bestimmtes Unternehmen werkt. Er kann es sein, muss es aber nicht. Allen weiteren Ausführungen liegt diese These zugrunde.

Dieselbe Tätigkeit beim Mitbewerber zu erfüllen, ist oft das einzige Kriterium, um überhaupt auf der Shortlist eines Recruiters zu landen. Somit wird gleich zu Beginn des Prozesses die Anzahl an potentiellen Kandidaten drastisch eingeschränkt. Ein Fakt, welches sich spätestens bei den Gehaltsverhandlungen deutlich nachteilig für den Anbieter auswirkt.

RECRUITING ERFORDERT ZEIT Es dominiert die Erwartung, dass ein Kandidat seine Kompetenzen und Ergebnisse unabhängig von der jeweiligen Organisation erbringen kann. Die Kandidaten ihrerseits versuchen dann oftmals die frühere Organisation zu kopieren. Neue Ideen, so man sie denn zulässt, sind Mangelware. Ist das der gewünschte Mehrwert?

Recruiting erfordert Zeit und die ist, zugegeben, manches Mal sehr knapp bemessen. Viel zu spät erfolgt das OK, den Recruiting Prozess zu starten. Teilweise so spät, das sich die Ergebnisbeiträge der neuen Mitarbeiter schon in der Planung finden, obwohl diese längst nicht an Bord sind. Wer nicht rasch besetzt und möglichst keinen Aufwand in der Einschulung hat, verliert unter Umständen diesen »Slot«. Also nichts wie hin zum Mitbewerber und jemanden von einer vergleichbaren Position abwerben.

Dazu zwei Fragen: Was ist der Mehrwert für einen Kandidaten sein Unternehmen zu wechseln, wenn er dann doch nur »mehr vom selben« geboten bekommt? Und ist es wirklich zwingend notwendig, dass die aktuelle Tätigkeit des Kandidaten eine 100-prozentige Deckung mit der zu rekrutierenden Position aufweist? In den meisten Fällen, so behaupte ich, ist dies nicht der Fall. Account Management ist eine Disziplin, Projektmanagement ebenso, die meisten Backoffice Tätigkeiten sowieso. Die wesentlichen Kriterien einer Tätigkeit sind nicht grundsätzlich branchenaffin. Plug and Play ist eine (Hoffnungs-)Strategie für den vermeintlich kurzfristigen Erfolg.

NACHHALTIG EKRITERIEN In den Anforderungen an einen neuen Mitarbeiter empfehle ich daher nur solche K.O. Kriterien aufzunehmen, die absolut zwingend erforderlich sind, um den langfristigen Erfolg sicher zu stellen. Natürlich erfordert dieses Vorgehen deutlich mehr Zeit im Recruiting und die detaillierte Auseinandersetzung mit den Fähigkeiten der Kandidaten. Sie werden aber erstaunt sein, welche Perspektiven, auch intern, sich plötzlich bieten. Wie breit die Anzahl möglicher Kandidaten ist und welche erfrischenden, unbelasteten Gespräche sie führen!

Öffnen wir nun eine Zeitung und blättern wir zu den Stelleninseraten bzw. suchen wir in den einschlägigen Job Portalen, so werde ich Lügen gestraft. Es scheint nur noch Plug and Play zu geben. Besonders amüsant finde ich es, dass jene Unternehmen, die auf ihren Homepages die blumigsten Statements zum Thema Human Resources im Allgemeinen und Quereinsteigern im Besonderen abgeben, geradezu nach Plug and Play-Kandidaten schreien. Und so schmort die Branche im eigenen Saft.

* Martin Rajsp (m.rajsp@hotmail.com) ist Interimsmanager und Consultant für die Region Central and Eastern Europe.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • Rittal GmbH

    Rittal GmbH Netzwerk-Management, Netzkomponenten, Zugangs- und Zutrittskontrolle, Unterbrechungsfreie Stromversorgung (USV), Überwachungssysteme, Notfalls-Rechenzentren, Netzwerk- und Systemüberwachung,... mehr
  • ETC - Enterprise Training Center

    ETC - Enterprise Training Center E-Learning, Datenschutz, B2B Dienste und Lösungen, Outsourcing, IT-Personalbereitstellung, Aus- und Weiterbildung mehr
  • eyepin GmbH

    eyepin GmbH Application Service Providing, Auftragsentwicklung für Software, Individual-Softwareentwicklung, Programmierung, Übernahme von Softwareprojekten mehr
  • T-Systems Austria GesmbH

    T-Systems Austria GesmbH WLAN-Systeme, VPN, Voice Mail Dienste, Videokonferenz-Systeme, Unified Messaging Dienste, Netzwerk-Systeme (LAN, MAN, WAN), Netzwerk-Management,... mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: