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27.02.2012 :: Printausgabe 04/2012 :: Michaela Holy

Wir haben zu wenige Absolventen!

Seit Herbst führt Sabine Seidler die Technische Universität (TU) Wien als Rektorin. Lehre, ­Forschung und Innovation sind für sie die Kernaufgaben der Universität.

Wann hat sich Ihr Interesse an Technik entwickelt? Sabine Seidler: Ich hatte immer großes Interesse für Naturwissenschaften, der erste Berufswunsch war aber kein Technik-Studium, das hat sich ergeben.

Wie ist das passiert? Ich habe in der ehemaligen DDR studiert, da gab es ein straffes Studienlenkungssystem. Alle Bewerbungen für einen Studienplatz wurden gesammelt und sind von einer zentralen Stelle verteilt worden. Wenn man den Wunsch-Studienplatz nicht erhalten hat, sind die freien Studienplätze aufgeteilt worden. So bin ich zu einem Studium der Werkstofftechnik gekommen. Nach den ersten Wochen war mir klar, dass das ein richtig spannendes Studium ist.

Sehen Sie sich als Vorbild oder Rollen­modell als TU-Rektorin? Ich selbst sehe mich nicht so, ich weiß aber dass ich so gesehen werde. Für mich selbst war das Thema »Frau in der Technik« nie ein so großes. Als ich mein Studium begonnen habe waren wir mehr Anfängerinnen als Anfänger. Allerdings hat sich diese Situation relativ schnell gewandelt. Ich hatte diesen Kampf, den vielleicht andere Frauen in ähnlichen Positionen hatten – am Anfang jedenfalls – nicht. Ich weiß aber schon, dass die öffentliche Wirksamkeit, die ich erreicht habe, und die Aufmerksamkeit sehr hoch ist. Und ehrlich gesagt ist sie mir manchmal ein bisschen zu viel. Man kriegt den Rucksack umgeschnallt, um den man nicht gebeten hat. Ich habe mich darum beworben Rektorin dieses Hauses zu werden, aber nicht um die Position als Frau, die letztlich eine Frauengeneration vorwärts treibt. Das ist nicht mein Job. Andererseits denke ich schon, dass dadurch dass ich das tue indirekt sehr viel erreicht wird.

Wie schätzen Sie die Initiativen ein, mehr Frauen in die Technik zu bringen? Wenn man sich die Effizienz ansieht ist das Ergebnis überschaubar. Trotz allem sind diese Initiativen wichtig, weil sie Information bringt. Wir sind für viele junge Menschen, besonders für Frauen, nicht attraktiv. Eine Ursache dafür ist mangelnde Information, und an diesem Punkt setzen diese Programme an. Aber das zeigt auch dass Information nicht ausreicht. Ich habe auch voller Erschrecken über eine Studie gelesen, die sagt dass es Frauen in Technik-Studien an Selbstbewusstsein mangelt. So erlebe ich das nicht. Ich finde solche Studien sind der Sache nicht dienlich.

Wie ist die Auslastung der TU? Wo fehlen Studierende, wo gibt es zu viele? So global gefragt haben wir überall zu viele Studierende. Das muss man ein bisschen differenzierter betrachten. Wir haben Gott sei Dank kontinuierlich steigende An­fängerzahlen, wir sind in allen Studienrichtungen an unseren Kapazitätsgrenzen angelangt und haben diese teilweise überschritten. Was eigentlich sehr schön ist, weil Technik-Absolventen gebraucht werden, auf der anderen Seite haben wir aber relativ hohe Drop-out-Quoten, vor allem dort, wo die Betreuungsverhältnisse schlecht sind. Wir haben auch nach wie vor, zumindest wenn man den öffentlichen Meldungen glauben darf, zu wenige Absolventen.

Was sind die größten Herausforderungen bei der Leitung der TU Wien? Die Herausforderung schlechthin ist derzeit unsere finanzielle Situation, aber es gibt auch inhaltliche Herausforderungen. Die TU Wien ist eine Forschungsuniversität. Die Frage die wir für die nächsten Jahre zu klären haben ist, wie wir uns in diese Richtung weiterentwickeln können. Ein ganz großes Thema in dem Zusammenhang ist die internationale Sichtbarkeit. Das ist ein Thema das mit der Entwicklung des Hauses, mit der Profilierung zusammenhängt, mit der Frage wie es uns gelingt uns in unseren Schwerpunkten weiterzuentwickeln. Ein anderes großes Thema für eine technische Universität ist Innovation. Die Frage welche Rolle eine technische Universität im Innovationssystem Österreich und auch im europäischen Innovationssystem spielt.

Wäre die TU Wien international sichtbarer, würde es finanziell besser aussehen? Nein. Internationale Sichtbarkeit bedeutet im Wesentlichen stärkere Integration zum Beispiel in europäischen Programmen. Das ist die einzige Möglichkeit, finanziellen Nutzen aus der Sichtbarkeit zu ziehen. Und die TU Wien ist in Österreich mit ­Abstand die Universität, die die meisten Projekte akquiriert. Das Problem der EU-Förderung ist das grundsätzliche Problem der Förderung: Sie ist nicht kostendeckend. Für uns sind die Forschungsmittel essentiell, aber man nicht kostendeckend arbeiten.

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