Im Mittelpunkt: Der Mensch. In seiner ganzen Vielfalt. Detail - Computerwelt

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22.02.2012 :: Printausgabe 04/2012 :: Franz Kühmayer *

Im Mittelpunkt: Der Mensch. In seiner ganzen Vielfalt.

Die Zukunft der Arbeit ist vor allem eines: Individualisiert. Zu vielfältig sind die Anforderungen an die Wirtschaft, zu bunt die Lebensentwürfe der Mitarbeiter, um einheitliche Antworten zu finden. Für Unternehmen eine Chance, zum Gestalter des Wandels zu werden.

In der Vergangenheit war die Beziehung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber auf Dauer ausgelegt. Man versuchte, einen (!) Beruf zu erlernen, strebte eine sichere Stellung bei einem renommierten Arbeitgeber an und damit den Job fürs Leben. Im Gegenzug waren Unternehmen darauf eingestellt, jahrelange Karrierepfade vorzudefinieren, mit entsprechenden Ausbildungs- und Personalentwicklungsmaßnahmen. Doch schon heute sind die Verhältnisse viel kurzfristiger aufgebaut, und die Entwicklung hin zur Portfolio-Karriere, in der sich Berufe und Beschäftigungsverhältnisse im Laufe des Lebens immer wieder verändern, nimmt immer mehr Fahrt auf.

Menschen schlagen von sich aus vielschichtige Laufbahnen ein, wechseln häufiger die Position und nehmen auch bewusst Brüche im Lebenslauf in Kauf.

Geschuldet ist dies dem Wertewandel, der weg von der einheitlich definierten Vorstellung von Erfolg hin zu einem hochgradig individualisierten Lebensentwurf führt. Während sich im Konsum schon länger die Notwendigkeit zeigt, Zielgruppen immer feiner aufzudröseln, hat in der zäh mit dem Abschied aus der Industrialisierung ringenden Arbeitslandschaft immer noch der Gedanke an Verallgemeinerung Geltung. Doch den typischen „durchschnittlichen“ Mitarbeiter gibt es immer seltener, Arbeitsstile, Erwartungshaltungen an den Arbeitgeber und Vorstellungen von einer geglückten Karriere werden vielschichtiger.

Und auch Unternehmen setzen auf flexiblere und kurzfristigere Bindung. Sie etablieren atmende Organisationen, die bei Hochkonjunktur Mitarbeiter ebenso rasch aufnehmen, wie sie bei Flaute wieder abgebaut werden – und zwar unabhängig von der Leistung des Einzelnen. Darüber hinaus tritt die Bedeutung der starren Aufbauorganisation immer öfter gegenüber einer sich rasch wandelnden Ablauforganisation in den Hintergrund: Projektorientiertes Arbeiten rüttelt die Strukturen in kurzfristigen Rhythmen durcheinander. Vorbei ist die Zeit des Abteilungsdenkens: Zukunftsorientierte Unternehmen fokussieren nicht darauf, ihre Mitarbeiter abzuteilen, sondern zusammenarbeiten zu lassen – unabhängig von deren Linienfunktion oder Bereichszugehörigkeit.

Außerdem werden Arbeitsleistungen auf unterschiedliche Weise eingekauft. Längst mischen sich unter Festangestellte auch externe Berater, Mitarbeiter von Partnerunternehmen oder auch vorübergehend engagierte Projektmitarbeiter. Je nach Betrachtungsweise arbeiten bis zu 25% der Erwerbstätigen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen, darunter fallen etwa befristet Beschäftigte oder Zeitarbeitnehmer. Und längst umfasst diese Gruppe nicht mehr nur prekäre oder niedrigqualifizierte Dienstverhältnisse, sondern in zunehmenden Maße hochqualifizierte Tätigkeiten.

Wir nennen diesen Auflösungsprozess, der etablierte Strukturen erfaßt hat, Fragmentierung der Arbeitswelt.

Man kann gegen diese Fragmentierung in der Beziehungslandschaft anlaufen und verstärkt auf beharrende Maßnahmen setzen - allerdings führt man damit einen Abwehrkampf, dessen Erfolg langfristig überaus unsicher ist. Zielführender ist es wohl, den zugrunde liegenden Wandel anzunehmen und sich die in der Praxis entscheidenden Fragen zu stellen. Etwa: Wie sehen individualisierte Arbeitsumgebungen aus?

Eine zielführende Maßnahme auf dem Weg dorthin ist das Aufgeben der Arbeitszeitorientierung zugunsten der Ergebnisorientierung. Als Results-Oriented-Work-Environment (ROWE) bezeichnet man Unternehmenskulturen, die ihre Mitarbeiter weder formal noch informell (z. B. durch subtilen Leistungsdruck) daran messen, wie lange sie arbeiten, sondern nur an ihren Ergebnissen. Das ist das Ende der Anwesenheitspflicht und die Herausforderung an Führungskräfte und Teams, eine fluide Organisationsform zu finden.

In unserer Beratungstätigkeit spielt die Gestaltung von individualisierten Kommunikations- und Zusammenarbeits-Strukturen eine entscheidende Rolle. Die Vielfalt der Arbeitsstile und der Arbeitssituationen erfordern unterschiedliche Settings für konzentriertes Arbeiten, für informellen Austausch, für formelle Meetings. Die althergebrachte Dreiteiligkeit von Büroarchitekturen ist Vergangenheit: Schreibtisch-Arbeitsplatz, Meetingraum und Pausenraum/Kantine reichen nicht mehr aus, um den Anforderungen der Zukunft zu begegnen.

Nur ein Beispiel dazu: Wenn Kreativität in Unternehmen gefragt ist, um die Innovationskraft zu stärken, dann ist die logische Frage, wie ein kreativitätsförderndes Arbeitsumfeld aussieht. Wo haben Mitarbeiter die besten Ideen? Welche Mittel und Werkzeuge brauchen sie, um Inspiration zu finden und sich gegenseitig zu Neuem aufzuschaukeln? Vielleicht ist es ein besonders gestalteter Raum, vielleicht ist es ein Garten, vielleicht eine Cafeteria. Möglicherweise braucht es beschreibbare Wände, vielleicht eine Videoconference-Einrichtumg um Externe in den Innovationsprozess besser einzubinden. Die Lösungen sind vielfältig und führen zu einem Überdenken von Raumkonzepten, ergänzt um Informations- und Kommunikationstechnologien und partnerschaftlich zwischen Unternehmen und Mitarbeiter erarbeiteten Spielregeln.

Erfolgsentscheidend sind drei Schritte: Erstens eine objektive Analyse, die dem gefühlten Veränderungsdruck Richtung gibt und entscheidbare Kriterien zugrundelegt. In unseren Projekten stellen wir fest, dass dieser Schritt wesentlich ist, um von der diffusen Ahnung zu konkreten Handlungsoptionen zu kommen. Zweitens ein mutiges Hinterfragen und Auflösen alter Konzepte. Das bedeutet nicht, radikale Änderungen im ganzen Unternehmen vorzunehmen, sondern frisches Denken zuzulassen. Auch wenn die neuen Maßnahmen vielleicht nur schrittweise umgesetzt werden. Und drittens: Eine verantwortungsvolle Begleitung durch den Prozess hindurch, die nicht nur die faktischen Parameter beinhaltet (wie etwa Technologie oder Architektur), sondern vor allem eines in den Mittelpunkt stellt: Den Menschen. Denn mehr denn je zählt in der Zukunft der Arbeit der Mensch. In seiner ganzen Vielfalt und Individualität.

* Franz Kühmayer ist Gründer der Reflections Research & Consulting Strategieberatung und gilt als Experte zum Thema "Zukunft der Arbeit".

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