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18.11.2009 Sigrid Ganzberger*

Gastkommentar: Aus der Mode gekommene Werte?

Je tiefer wir in die vielzitierte Krise schlittern, desto mehr scheinen die Begriffe Ethik und Moral unmodern zu werden.

Definition von Ethik: griechisch ethos – Sitte Gewohnheit, Brauch, Charakter; ist weiters »die philosophische Lehre vom guten Handeln«. Wirtschaftsethik ist im Prinzip so alt wie die Wirtschaftswissenschaften selbst. Schon bei Aristoteles bildeten Ethik, Politik und Ökonomie eine Einheit.

Je tiefer wir in die vielzitierte Krise schlittern, desto mehr scheinen die Begriffe Ethik und Moral unmodern zu werden – aber warum? Lehren uns nicht die jüngste Vergangenheit und die Gegenwart, dass wir massiv umdenken müssen? Mit »wir« sind »alle« und da voran die Politiker unseres Landes gemeint. Offensichtlich uninformierte Politiker bekommen durch diverse Medien die Gelegenheit, eine ganze Branche – die Zeitarbeit – zu beschmutzen und damit Tausende Menschen, die durch ehrliche Arbeit ihr Geld verdienen, zu verletzen. Wie zum Beispiel auf der Titelseite einer Zeitung unter anderem von »schmutzigen Geschäften mit der Not der Menschen« und »boomendem Geschäft mit der Leihsklavenarbeit« zu lesen war.

Die Berufsgruppe der Arbeitskräfteüberlasser Wien (»Wiener JobMacher«) hat eine Informationsbroschüre herausgebracht, die die vielfältigen Möglichkeiten für Arbeitnehmer und Unternehmer aufzeigt. Weiters sind die arbeitsrechtlichen Bedingungen im Vergleich Zeitarbeit und direktem Angestelltenverhältnis aufgegliedert. Wie in dieser Aufstellung gut zu sehen ist, sind die arbeitsrechtlichen Bedingungen beinahe ident. Zeitarbeit bietet allen Beteiligten die Möglichkeit zu mehr Flexibilität.

Vielen Unternehmen ist es so möglich, Aufträge anzunehmen, die sonst betriebswirtschaftlich nicht machbar wären. Sie schaffen damit zusätzliche Arbeit. Besonders in wirtschaftlich schwierigen Zeiten und auch in Zeiten der wirtschaftlichen Erholung trägt die Zeitarbeit massiv dazu bei, mehr Menschen im Arbeitsleben zu halten. In Ländern mit höherer Zeitarbeitsrate ist die Arbeitslosigkeit nachweislich geringer.

Die Wirtschaft braucht mehr mutige Unternehmer, die nicht alles nur hinnehmen, sondern neue Investitionen in Angriff nehmen, damit neue Arbeitsplätze schaffen und die sich nicht davor scheuen, Wagnisse einzugehen. Die Grundregeln sind einfach: wirtschaftliches, menschliches und gesellschaftsgerechtes Handeln. Der allgemeine Nutzen sollte stärker in den Mittelpunkt rücken, dies gilt auch besonders für den Wettbewerb. Zu beobachten ist immer wieder, wie durch »Dumpingpreiskriege« der Mitbewerb vom Markt gedrängt werden soll und man sich die Frage stellt, welcher Sinn– außer sich selber und die Branche zu schwächen – dahinter steckt. Das Menschsein gerät leider immer öfter in den Hintergrund. Burnout und Erschöpfungszustände werden häufiger, da wenige Menschen dem derzeitigen Druck standhalten können. Sollte aber nicht gerade in diesen schwierigen Zeiten größerer Zusammenhalt vorhanden sein?

Unternehmer profitieren wesentlich mehr davon, ihre Mitarbeiter zu unterstützen, ihnen Rückhalt zu geben und sie zu motivieren. Natürlich kommen viele Unternehmen nicht umhin, sich von Arbeitnehmern trennen zu müssen, aber muss dies ohne Respekt geschehen? Ethisches Handeln und Profit schließen sich nicht aus. Unternehmen, die sich an diese Grundsätze halten, sind in der Regel weniger krisenanfällig, verfügen über eine bessere Reputation und profitieren von motivierten Mitarbeitern. Wer allerdings die Themen Moral und Ethik nur zu Marketingzwecken verwendet und keine Taten folgen lässt, wird schnell unglaubwürdig und nicht erfolgreich sein. Das Handeln in der Wirtschaft sollte wieder auf ethischen Grundsätzen basieren, da es ohne diese auf Dauer keine Akzeptanz der Menschen geben wird. Die Grundvoraussetzung hierfür ist allerdings der gute Wille, der von jedem einzelnen zum Prinzip des eigenen Handelns gemacht werden sollte.

* Sigrid Ganzberger ist Country Managerin der Stegmann Personaldienstleistung.

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