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17.12.2009 Michaela Holy

FH St. Pölten entwickelt Software-Tool zum Komponieren von Musik

Ein elektronisches Software-Tool ermöglicht es, kreative Musik für Medienanwendungen schnell und kostengünstig selbst zu komponieren. Denn intelligente Algorithmen ersetzen dabei komplexes Fachwissen, das zum Komponieren notwendig ist.

Passende und gleichzeitig gute Musik für Medienanwendungen zu finden, ist eine sehr schwierige Aufgabe - insbesondere, wenn das Budget klein ist. Während große finanzkräftige Unternehmen sich passende Musik von Komponisten eigens kreieren lassen, konnten kleinere Unternehmen bisher nur auf lizenzfreie Musikbibliotheken zurückgreifen. Und diese Option ist mehr schlecht als recht: Denn diese "freie" Musik weist häufig einen klischeehaften Charakter, mangelnde Originalität und einen geringen Wiedererkennungswert auf. Man erzielt also nicht die angestrebte Wirkung und hat damit auch einen entscheidenden Wettbewerbsnachteil. Um hochwertige Medienmusik kostengünstig selbst zu produzieren, arbeitet eine Forschungsgruppe der FH St. Pölten an einer Lösung. Unter dem Titel GEMMA - Generative Music for Media Applications - entwickelt sie ein Software-Tool, mit dem Laien ohne musikalisches Fachwissen selbst Medienmusik erstellen können.

Bisher waren ähnliche Methoden zur intelligenten Erstellung von Musik nur aus dem Bereich der experimentellen Musik bekannt. Ziel der Forscher von GEMMA ist es, deren Praktikabilität zu prüfen und in Folge für den angewandten Sektor der Medienmusik einsetzbar zu machen. Damit gelingt es ihnen komplexes Know-how in praktische Innovationen zu überführen - ein Ziel, das dem COIN (Cooperation & Innovation) Aufbau-Programm der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft FFG zu Grunde liegt, welches das Team fördert. So zählt GEMMA zu jenen zwölf Projekten, die aus insgesamt 72 Projektanträgen eine Förderung erhielten.

MATHEMATIK STATT INTUITION Wie das Musik-Tool funktionieren und was es genau anbieten wird, erklärt Projektleiter Hannes Raffaseder: "Musikspezialisten nutzen bei der Musikauswahl drei wesentliche Komponenten: ihre Intuition, hohes Fachwissen und jahrzehntelange Praxiserfahrung - diese fehlen Laien jedoch. Unser Tool soll Laien dennoch einen kostengünstigen Zugang zu kreativer hochwertiger Medienmusik ermöglichen. Die Basis hierfür bilden mathematische Berechnungsverfahren, Algorithmen - denn im Prinzip lässt sich jedes Musikstück als Abfolge von Zahlen darstellen. Diese ermöglichen im Rahmen des Musik-Tools das (teil)automatisierte Komponieren von Medienmusik und deren Anpassung an individuelle Bedürfnisse - ganz ohne tiefgehendes musiktheoretisches Wissen."

Zusätzlich zur Möglichkeit eigene Kompositionen zu kreieren, bietet das Software-Tool auch noch weitere Innovationen, wie DI Raffaseder fortführt: "Das Musik-Tool wird auch die Auswahl von bereits bestehender Musik erleichtern und sogar Systeme, die Musikvorschläge einbringen, vereinfachen. Bei all diesen Schritten sollen Funktionen und Wirkungen von Medienmusik berücksichtigt und alle wichtigen Entscheidungen - z. B. in Bezug auf den Stil, die Stimmung oder die Instrumentierung - dem jeweiligen Produzenten überlassen werden. Last but not least wird das Tool sogar intelligent sein. Es wird in der Lage sein Musik selbst zu generieren - und zwar in Abhängigkeit von vordefinierten Parametern, wie z. B. beim Spieleverlauf eines interaktiven Computerspiels. Das bedeutet, dass unter Nutzung unseres Tools die Musik an einen unvorhersehbaren Spieleverlauf angepasst wird - ist der Spieler beispielsweise in Not, wählt das Tool selbst dramatische Musik, schwimmt er auf einer Glückswelle, wird die Musik fröhlich sein."

RHYTHMISCHE KOOPERATIONEN Zentraler Bestandteil von GEMMA ist zunächst die eingehende Analyse und Evaluation der bestehenden technologischen Grundlagen. Auf dieser Grundlage wird das Forscherteam einen Prototypen des Produktionstools zur automatischen Produktion von Medienmusik entwickeln und testen. Das Tool wird in Folge in verschiedenen Kooperationsprojekten mit Wirtschaftspartnern der FH St. Pölten eingesetzt werden. Bereits jetzt haben mehrere Institutionen, die mit der Fachhochschule bereits in musikbezogenen Vorgängerprojekten zusammengearbeitet haben, ihr Interesse bekundet. Auch damit liegt das Projekt der FH St. Pölten auf voller Linie mit den Ansprüchen von COIN: Denn dessen Ziel ist es, die Kooperation zwischen (außer)universitären Forschungseinrichtungen und Unternehmen zu fördern und damit auch zu einer effizienteren Umsetzung von Wissen in innovative Produkte, Verfahren und Dienstleistungen beizutragen.

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