Ich glaube, dass es in Summe innerhalb der EU keinen Fachkräftemangel gibt Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


24.03.2010 Michaela Holy

Ich glaube, dass es in Summe innerhalb der EU keinen Fachkräftemangel gibt

Nach 22 Jahren bei HP, unter anderem als Geschäftsführer, ist Gerhard Krennmair nun geschäftsführender Gesellschafter der Anxo Holding. Im Interview spricht er über die Wichtigkeit von Querdenkern und den Fachkräftemangel, der keiner ist.

Wie sind Sie zu Grain gekommen? Gerhard Krennmair: Ich war bis Ende 2008 knapp 22 Jahre lang bei HP und habe mich dann in die Firma Grain eingekauft. Als nächstes haben mein Partner und ich Grain in den USA als legal entity gegründet. Dann haben wir die Firma Bizzcom in der Slowakei gekauft, und das ist der eigentliche IT-Zweck der Firma. Dort machen wir IT-Projektservices, IT-Outsourcing, Helpdesk und Call-Center, jede Art von Technologieconsulting, aber auch zum Beispiel Personalleasing, IT-Trainings und Büroservices. Die Büroservices nehmen speziell Firmen in Anspruch, die zum Beispiel am Wienerberg sitzen und auch HP, Kapsch und Microsoft. Im Juli 2009 haben wir außerdem die Consulteam gekauft, eine Tochter der holländischen Randstad, das ist der zweitgrößte Arbeitskräfteüberlasser weltweit.

Wieso haben Sie sich selbstständig gemacht? Ich habe die letzten fünf Jahre vor meinem Ausscheiden bei HP, ich war ja das letzte Jahr Geschäftsführer, lange überlegt, was ich als Person machen möchte. Mir hat HP immer Spaß gemacht und ich habe mich sehr wohl gefühlt. Es ist in mir aber der Gedanke gewachsen, etwas anderes auf eigenes Risiko, auf eigene Gefahr aber auch mit dem eigenen Fun-Faktor dahinter zu machen. Und ich sage auch offen dass ich drei Coaching-Stunden genommen habe um letztendlich die finale Entscheidung zu treffen, was ich wirklich will. Dann habe ich mich entschieden selbstständig zu werden.

Wie ist Grain wirtschaftlich aufgestellt? Wir haben in etwa acht Millionen Euro Umsatz und die Devise für heuer ist wahrscheinlich Grain in Bulgarien und in Serbien zu eröffnen. In Österreich suchen wir schon einen Geschäftsführer in der Consulteam und in der Slowakei haben wir den Geschäftsführer schon an Bord.

Warum gab es die Idee, Personaldienstleistungen und IT-Services anzubieten? Warum konzentrieren Sie sich nicht auf ein Kerngeschäft? Das war eine lange Diskussion zwischen mir und meinem Partner. Wir beide glauben dass in fünf bis zehn Jahren ein Kunde ein Business-Problem haben wird, es beschreibt, ein anderer macht eine Lösung dazu, definiert Key Performance Indicators oder Service Levels und hängt einen Preis dazu. Und damit ist es relativ egal in welcher Branche man sich bewegt. Und deshalb glauben wir, dass dieses Firmenkonstrukt irgendwann eine Personalservicesfirma mit branchenspezifischen Ausprägungen sein wird, wovon eben der IT-Zweig Grain sein wird. Das ist die Grundidee. Wir verkaufen eine Lösung für ein Businessproblem, wo es eine SLA-Beschreibung dazu gibt und rechts unten einen Preis.

Was genau bietet Anxo? Anxo ist eine Holding. Die Firma Grain wurde von Anxo gekauft und Anxo hat dann Consulteam gekauft. Das war der grundsätzliche Prozess. Und Anxo steht sprichwörtlich für die griechische Göttin des Wachsen und Gedeihens.

Inwiefern spüren Sie den oft zitierten Fachkräftemangel und wie hat er sich im Lauf der Zeit für Sie dargestellt? Grundsätzlich sehe ich keinen dramatischen Fachkräftemangel. Ich sehe teilweise noch gesetzliche Hürden, Ressourcen so zu importieren wie man sie braucht. Wir haben ja die Möglichkeit, gut ausgebildete Personen aus Niedriglohnländern nach Österreich zu bringen, was beispielsweise aus der Slowakei relativ einfach ist, mit anderen Ländern aber – wie Serbien zum Beispiel – noch immer extrem kompliziert. Ich glaube dass es in Summe innerhalb der EU keinen Fachkräftemangel mehr gibt, dass die Fachkräfte teilweise aber an den falschen Lokationen sitzen. Ich kann das sehr gut beurteilen für den Bereich IT, ich behaupte ich habe alle bekommen die ich haben wollte und ich habe sicherlich in meiner HP-Karriere ohne Übertreibung in etwa 300 Leute angestellt. Es ist aber ein zweischneidiges Schwert. Wenn man jetzt konkret IT betrachtet, dann haben viele Firmen eine Art Doppelmoral. Auf der einen Seite gibt es gewachsene Unternehmen, und ein Unternehmen, das konkurrenzfähig am Markt agiert sollte wie eine Pyramide aufgebaut sein – unten ist der Junior, in der Mitte Solution Architekten oder Projektmanager und oben ist das Management. Gewachsene Unternehmen haben aber oft eine Romboid-Struktur, die automatisch dazu führt, dass man ein Kostenproblem hat, weil im mittleren Bereich oft Leute sitzen, die lange bei der Firma sind, relativ viel kosten, vielleicht manchmal nicht mehr die Leistungsfähigkeit haben. Das verursacht drei Probleme: Der Kostenpunkt der Firma passt nicht und auch die Stimmung im Unternehmen ist dann oft negativ. Warum? Ich bin ein Anhänger von Diversity, und Diversity heißt für mich nicht nur Mann-Frau, sondern auch alt-jung, handicapped People, andersfärbige, anders denkende Menschen. Querdenker mit konservativ Denkenden zusammenzumischen – das ist für mich Diversity. Und in Firmen, wo man das nicht hat, hat man meist ein Diversity-Issue im Sinne von Monokultur im Unternehmen – zu viele denken in die gleiche Richtung und damit kann kaum Innovation entstehen.

Das heißt man braucht mehr Querdenker in Unternehmen? Ja. Oft kommen innovative Ideen von der untersten Schicht der Pyramide – das sind Menschen, die direkt aus HTL, FH oder Unis kommen. Die sind jung, die wollen noch viel mehr im Team agieren, die feiern auch miteinander und das infiziert andere. Sprich wenn diese Schicht fehlt, dann habe ich meistens ein Kulturthema innerhalb der Firma. Beziehungsweise sind – und das führt zum dritten Problem –in der mittleren Schicht in der Regel die meisten Raunzer drin, die das Klima ein bisschen vergiften. Da sind die drin, die lang in der Firma sind und die immer noch in der Vergangenheit leben und sagen »früher war alles viel besser«. Was passiert, wenn ich junge Leute dazusetze – deshalb bieten wir als eigenen Punkt auch Graduate Programme an – es ist nicht ein Herausdrängen der Alten. Wohin führt es, wenn Sie größere Gruppen in Form von Graduate Programmen aufnehmen: die machen Druck auf den Mittelbau. Das heißt, das Management braucht weniger Druck von oben auszuüben.

Anxo kooperiert mit der FH Campus Wien Studienvertretung. Was ist der Hintergrund? Wir haben innerhalb der Grain auch ein Jobportal, das ist ähnlich wie bei Monster oder anderen Konkurrenten, aber unispezifisch. Und der FH Campus testet dieses Portal und bekommt auch, wenn es einmal so weit ist, Anteile dafür. Das ist der Hintergrund. Damit können wir dahinter zugleich technisch die Integration machen für die Datenbanken und das CRM, das dann über alle Firmen hinweglaufen wird. Früher gab es in jedem Land eine eigene Datenbank für Kandidaten und hinter diesem Portal wird nun beides harmonisiert.

Kann man sagen welche Arbeitnehmer in der IT verstärkt gesucht werden? Ich glaube im IT-Bereich einen Trend zu erkennen: Gesucht werden einerseits hochkarätige Vertriebsmitarbeiter, die industriespezifisches Know-how mitbringen, um wirklich mit dem Kunden als Partner reden zu können und nicht nur als Lieferant. Der zweite Teil ist im IT-Bereich Personen, Projektmanager, Lösungsarchitekten, die auch branchenspezifisches Know-how mit einbringen weil die Spezialisierung in manchen Bereichen so hoch ist, dass diese "ich kann alles und weiß alles"-Mentalität so nicht mehr funktioniert.

Diesen Artikel

Bewertung:

Übermittlung Ihrer Stimme...
Noch nicht bewertet. Seien Sie der Erste, der diesen Artikel bewertet!
Klicken Sie auf den Bewertungsbalken, um diesen Artikel zu bewerten.
  Sponsored Links:

IT-News täglich per Newsletter

E-Mail:
Weitere CW-Newsletter

CW Premium Zugang

Whitepaper und Printausgabe lesen.  

kostenlos registrieren

Aktuelle Praxisreports

(c) FotoliaHunderte Berichte über IKT Projekte aus Österreich. Suchen Sie nach Unternehmen oder Lösungen.

Zum Thema

  • HATAHET productivity solutions GmbH

    HATAHET productivity solutions GmbH Individual-Softwareentwicklung, Migrations-Management, Programmierung, System- und Netzwerk-Tuning, Systemintegration und Systemmanagement, Übernahme von Softwareprojekten, User Helpdesk-Systeme und Hotlines,... mehr
  • abaton EDV-Dienstleistungs GmbH

    abaton EDV-Dienstleistungs GmbH VPN, Überwachungssysteme, SPAM-Filter, Notfalls-Rechenzentren, Firewalls, Datensicherung, Backup und Recovery Systeme,... mehr
  • DBConcepts GmbH. Die Oracle Experten.

    DBConcepts GmbH. Die Oracle Experten. Enterprise Application Integration, Datenbanken, Business Intelligence und Knowledge Management, Tools, Server-Betriebssysteme, Middleware, Betriebssysteme für PCs,... mehr
  • Dimension Data Austria GmbH

    Dimension Data Austria GmbH Call Center, IKT-Consulting, Migrations-Management, Outsourcing, Systemintegration und Systemmanagement, Systempflege- und Wartung mehr

Hosted by:    Security Monitoring by: