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11.05.2010 Rudolf Felser

Wenn Schüler ihren Lehrern IT-Stunden geben

Seit Anfang 2010 profitieren Schüler und Lehrer der HTL Dornbirn von Microsoft Live@edu, einer kostenlosen Online-Plattform für Schulen. Durch standardisierte E-Mail-Adressen und gemeinsame Online-Arbeitsplätze hat sich der Informationsfluss verbessert.

Ein Klick auf das Büroklammer-Symbol und die Testunterlagen werden in den Anhang gespeichert. Dann fügt der Versender, ein Lehrer an der HTL Dornbirn, noch eine Kalendernotiz mit dem Testtermin hinzu. Mit einem Mausklick schickt er die E-Mail an den Verteiler der 4bI. Binnen weniger Minuten hat er so eine ganze Klasse verlässlich mit Prüfungsinfos versorgt. Seit Anfang 2010 profitieren Schüler und Lehrer der HTL Dornbirn von Microsoft Live@edu, einer kostenlosen Online-Plattform für Schulen. Durch standardisierte E-Mail-Adressen und gemeinsame Online-Arbeitsplätze hat sich der Informationsfluss an der HTL verbessert. Lehrer können nun direkt mit Schülern und Absolventen in Kontakt treten. Für die Schüler ist der Datenaustausch leichter geworden, und sie können sich stets aktuelle Software downloaden. Die Implementierung von Live@edu übernahmen zwei angehende Absolventen.

In der HTL Dornbirn, im Westen Österreichs, geht es turbulent zu. Rund 850 Schüler aus ganz Vorarlberg lernen in den Schwerpunkten Wirtschaftsingenieurwesen, Textilmangement und –Technik, Bekleidungstechnik sowie Chemieingenieurwesen das Rüstzeug fürs spätere Berufsleben. Die renommierte Schule ist für viele Jugendliche das Sprungbrett in die heimische oder die internationale Wirtschaft. Das Rückgrat der HTL bilden 120 Lehrer, die ihren Schülern einen stets aktuellen Unterricht bieten. "Vor allem in der Informatik ist das spannend – es tut sich so viel binnen kurzer Zeit. Im Unterricht diskutieren wir ständig neue Entwicklungen", so Wolfgang Kostyak, Informatiker an der HTL Dornbirn. Weiterentwickelt hat sich aber nicht nur die Unterrichtssoftware, sondern auch die Arbeitsweise der Schüler. Aufgaben werden häufig gar nicht mehr ausgedruckt. Untereinander nutzen die Schüler E-Mails und Chatdienste, um sich auszutauschen. Die Lehrer erkannten das und betrauten zwei Schüler mit dem Aufbau eines zukunftsweisenden Kommunikationsnetzes für die Schule – mit beeindruckenden Folgen.

ZEITGEMÄSSER UNTERRICHT In der HTL Dornbirn mangelt es weder Lehrern, noch Schülern am IT-Know-How. Alle können mit Outlook umgehen, Daten austauschen oder in Teams online an Projekten zusammenarbeiten. "Unser Problem war, dass wir dafür kein adäquates Kommunikationsnetz hatten", erklärt Herbert Hug, Abteilungsvorstand für Wirtschaftsingenieurwesen. Die Lehrer hatten zwar standardisierte E-Mail-Adressen und nutzten zum Teil auch Funktionen wie Kalender und Aufgabenlisten im Outlook intensiv. Sie konnten diese Instrumente aber nicht nutzen, um mit ihren Schülern in Kontakt zu treten. "Die Schüler hatten alle frei gehostete Adressen. Hotmail, Uboot oder andere", berichtet Informatiker Wolfgang Kostyak. "Wenn wir mit einem Schüler Kontakt aufnehmen wollten, mussten wir zuerst seine E-Mail-Adresse ausfindig machen." War es den Lehrern endlich gelungen, die Kontaktdaten aufzutreiben, machten ihnen die Sorge um Datensicherheit oder zu kleine Postfächer oft einen Strich durch die Rechnung. "Wir planten schon länger, Termine und Stundenpläne über gemeinsam verwendete Kalender zu koordinieren. Aber ohne ein einheitliches, sicheres Kommunikationsnetz war das nicht möglich", erklärt Kostyak.

Ein weiteres Anliegen des Lehrkörpers war es, mit Absolventen in Kontakt zu bleiben und ein Netzwerk aufzubauen, das für künftige Schüler ein Draht in die Berufswelt sein sollte. Doch auch hier scheiterte die Idee an dem fehlenden Kommunikationsnetz. "Kontaktdaten mühsam zu sammeln, die in einem Jahr nicht mehr aktuell sind, hätte keinen Sinn gemacht", erklärt Kostyak. "Mit einheitlichen Accounts in einem HTL-Netzwerk wäre es möglich, dass wir mit den Schülern – und die Schüler untereinander in Kontakt bleiben."

„Durch Live@edu haben wir viel dazugewonnen. Nicht zuletzt eine gemeinsame Plattform, die die Kommunikation zwischen Schülern und Lehrern verbessert und wichtige Informationen für alle transparent gemacht hat.“ – Herbert Hug, Abteilungsvorstand für Wirtschaftsingenieurwesen

Betreut von Wolfgang Kostyak sollten der stellvertretende Schulsprecher Thomas Breuß und sein Kollege Alexander Schranz nach einer Lösung suchen. "Zunächst haben wir uns verschiedene Möglichkeiten angesehen", berichtet Schranz. "Gmail bietet so ein Service an, sicherer und sinnvoller erschien uns aber ein Exchange Server." Die Implementierung eines Servers oder der Zukauf eines gehosteten Service hätten in jedem Fall Kosten und Wartungsarbeiten bedeutet, was die HTL vermeiden wollte.

EIN NETZWERK FÜR ALLE Die Schüler Breuß und Schranz errichteten eine komplette Kommunikationsplattform für ihre Mitschüler und ihre Lehrer, indem sie Microsoft Live@edu implementierten. Die Idee dafür brachte Lehrerin Cornelia Lederle von einem Seminar mit. Live@edu ist eine von Microsoft gehostete Online-Plattform, die es der HTL ermöglicht, jedem Schüler einen eigenen, standardisierten Outlook-Account zur Verfügung zu stellen. "Das ist zwar der wichtigste Teil der Lösung, aber noch lange nicht alles", erklärt Breuß. "Wir können jetzt auch im Live Workspace an Office-Dateien zusammenarbeiten und über das Online-Laufwerk SkyDrive größere Projektdateien austauschen", führt der talentierte Jungtechniker aus. Mit der Implementierung der Plattformen und dem Erstellen der Schüleraccounts waren er und Alexander Schranz rund ein Semester lang beschäftigt. Ihr Betreuer Wolfgang Kostyak half ihnen, ganze Klassen mit Mailboxen, Kalendern und Aufgabenlisten auszustatten.

Neben den Outlook-Konten profitieren die Schüler auch von Microsoft Office Live Workspace und Windows Live SkyDrive. Mit SkyDrive erhielt jeder Schüler eine gesicherte Online-Plattform, auf der er 25 Gigabyte Speicherplatz frei zur Verfügung hat. "Jeder kann sein SkyDrive für User oder Usergruppen freigeben. So müssen wir größere Daten nicht mehr per E-Mail schicken oder auf USB-Sticks speichern", erklärt Alexander Schranz. Nachdem die beiden die Software implementiert hatten, widmeten sie sich eine Woche lang der Schulung ihrer Mitschüler und ihrer Lehrer. "Eine Woche lang hielten wir Einführungsstunden in den Klassen und für die Lehrer ab. Danach kannten sich alle damit aus", erinnert sich der HTL-Schüler. Wolfgang Kostyak freut sich, dass seine Schüler das Projekt so professionell umgesetzt haben. "Wichtig für die Schule ist, dass dass uns Live@edu kostenlos zur Verfügung steht. Uns fällt nur die Verwaltung zu", betont der Lehrer. Und die übernehmen zurzeit noch Thomas Breuß und Alexander Schranz.

BESSERER INFROMATIONSFLUSS "Das Beste ist, dass alle so gut erreichbar sind", sagt Schüler Dominik Mlasko. "Wenn ich von einem Lehrer einen Prüfungstermin oder ein wichtiges Handout bekomme, kann ich es im Outlook mit dem richtigen Verteiler an den ganzen Jahrgang weiterleiten." Und auch die Lehrer profitieren von der guten Vernetzung. "Wir können jetzt unmittelbar mit Schülern in Kontakt treten", so Abteilungsvorstand Herbert Hug. Vor- und Nachname reichen nun aus, um die E-Mail-Adresse zu formulieren. "Ich merke, dass die Schüler den direkten Kontakt schätzen. Das verbessert das Unterrichtsklima. Die offene Kommunikationsstruktur kommt gut an", berichtet Hug. Gemeinsame Kalender und Aufgabenlisten erleichtern sowohl Schülern, als auch Lehrern die Organisation des Schulalltags und kurzfristige Änderungen im Stundenplan.

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