IT in der Arbeitswelt: aus Wenigen wurden Viele – aus Geheimwissen eine Kulturtechnik Detail - Computerwelt

Computerwelt: Aktuelle IT-News Österreich


20.05.2010 Franz Kühmayer*

IT in der Arbeitswelt: aus Wenigen wurden Viele – aus Geheimwissen eine Kulturtechnik

Franz Kühmayer beschäftigt sich normalerweise mit der Zukunft der Arbeit. Für die 1000. Ausgabe der COMPUTERWELT wagt der Spezialist aber auch einen Blick in die Vergangenheit der IT-Arbeit.

Der legendäre und viel zu früh verstorbene Zeit-im-Bild-Moderator Robert Hochner war einer der ersten großen Computerfans (so nannte man das damals noch) Österreichs. In einem Interview mit dem Szene-Magazin Basta wurde er Mitte der 80er-Jahre gefragt, wozu er einen Personal Computer zu Hause habe. Eine heute etwas seltsam anmutende Frage – in der zeitlichen Perspektive aber durchaus gerechtfertigt. Mit der zunehmenden Verfügbarkeit vergleichweise günstiger Hardware hielt der Computer Einzug in österreichische Haushalte, wenngleich zunächst noch mit eher spärlichen Anwendungen: Neben die allgegenwärtigen Spiele stellten sich anfangs bestenfalls noch Kochrezept-Datenbanken. Von Kommunikation mit anderen Benutzern, von Musik-, Foto- oder Videobearbeitung oder gar vom Zugriff auf ein weltweites Netzwerk war man weit entfernt. Der breiten Öffentlichkeit verschloss sich der konkrete Nutzen dieser Programme daher ebenso wie das grundsätzliche Verständnis, wozu all das eigentlich im Privatleben eigentlich gut sein könnte. Nicht viel zugänglicher präsentierte sich die elektronische Datenverarbeitung im Berufsalltag: IT stand einst für hermetisch von der Aussenwelt abgeschirmte Räume, in denen seriöse Herren in grauen Arbeitsmänteln mit rechenschiebergefüllter Brusttasche ebenso hermetisch abgeschirmtes Geheimwissen verwalteten. Technik-Kompetenz war gefragt, und zwar sehr nahe an der Hardware, schließlich war ja fast alles auf die eine oder andere Art angewandte Löttechnik.

JOBS FÜR WENIGE, SPEZIELLE MENSCHEN EDV war eine Nischenveranstaltung, die von sehr speziellen Menschen betrieben wurde, vielleicht am ehesten vergleichbar mit Modelleisenbahn-Clubs. Nicht zuletzt Hollywood-Filme wie Wargames haben das Bild vom Jugendlichen mit überdurchschnittlichen Computer- und unterdurchschnittlichen Sozialkompetenzen noch weiter verstärkt: Technikverliebte Programmierer, die sich in mehreren Sprachen fließend ausdrücken können, keine davon eine menschliche. Und natürlich sind auch die globalen Ikonen der Industrie – von Bill Gates bis zu den Google-Boys – ein offensichtlicher Beweis dafür, dass es sich um eine jugendlich, männlich dominierte Geek-Branche handelt.

Dennoch: Die in unwahrscheinlich kurzer Zeit enorm gestiegene Bedeutung von Informationstechnologie für das Wirtschafts- und Privatleben hat auch das Berufsbild der IT-Branche dramatisch verändert und vielschichtiger gemacht. Heute verfügt de facto jeder Arbeitsplatz über einen Computer und der Umgang damit wurde zur Kulturtechnik erhoben. Damit ist nicht nur die Anzahl der Menschen, die in der IT-Branche arbeiten, sondern auch die Vielfalt von IT-Berufen geradezu exponentiell angewachsen: Etwa 100.000 Österreicher sind heute in der IT-Branche beschäftigt. Wer heute als Social Media Consultant, Mobiltelefon-Experte, Webdesigner, Multimedia-Spezialist oder E-Commerce-Berater arbeitet, übt einen Beruf aus, den es vor zehn, 15 Jahren noch nicht gab. Mit der Vielfalt sind aber nicht nur die Rollenbilder stärker ausdifferenziert worden, sondern auch die persönlichen und fachlichen Anforderungen gestiegen.

CIO: LÄNGST NICHT MEHR CHEFTECHNIKER Für eine erfolgreiche Karriere in der IT-Branche reicht Technologie-Kompetenz schon lange nicht mehr aus. Medien-Kompetenz, Wirtschafts-Erfahrung, Teamorientierung, Kommunikationsfähigkeit und Sozialkompetenz sind mindestens ebenso wichtige Voraussetzungen geworden. Am deutlichsten wird das anhand der veränderten Rolle des CIO im Unternehmen. Ehemals nur oberster Techniker, ist der CIO heute Change Manager und tief in strategische Entscheidungen des Unternehmens eingebunden. Andreas Singer, CIO des Flughafens Wien und Preisträger beim CIO des Jahres Award 2010 sieht seine Rolle als »strategischer Partner der Fachabteilungen und als Prozessberater, wenn es um Innovation geht«. Nur mit der richtigen Verzahnung von Business und IT könne sein Unternehmen eine Führungsrolle einnehmen.

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